Irmela Wendt erhält das Bundesverdienstkreuz

95-Jährige wird für ihr literarisches Engagement gegen Krieg und Gewalt geehrt

Von Dieter Asbrock

Landrat Friedel Heuwinkel liest Irmela Wendt den Text der zum Bundesverdienstkreuz gehörenden Urkunde vor. - © Foto: Asbrock
Landrat Friedel Heuwinkel liest Irmela Wendt den Text der zum Bundesverdienstkreuz gehörenden Urkunde vor. (© Foto: Asbrock)

Lage/Dörentrup. Irmela Wendt, hoch betagte Schriftstellerin und Grundschullehrerin mit Leib und Seele, ist mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Die Dörentruperin erhielt die Auszeichnung in der nach ihr benannten Schule in Pottenhausen für eine herausragende Lebensleistung.

Als streitbare Pädagogin, die sich der Sorgen und Nöte all ihrer Schüler annahm, aber auch als Kämpferin für den Frieden und gegen Krieg und Gewalt hat sie sich einen Namen gemacht. "Sie hat niemanden zurück gelassen", erinnerte sich Dr. Harald Herrmann im Gespräch mit der LZ über ihr Wirken als Rektorin der Grundschule Dörentrup-West - der 82-Jährige kennt Irmela Wendt seit Kindheitstagen.

Landrat Friedel Heuwinkel. der die Auszeichnung im Namen des Bundespräsidenten übergab, erklärte: "Solch eine Lebensgeschichte wie die Ihre ist nicht alle Tage aufzufinden, auch nicht bei anderen Bundesverdienstkreuzverleihungen." Die Initiative war von dem 45-jährigen Mario Gramsch ausgegangen - einem der letzten Schüler von Irmela Wendt.

Geboren wurde Irmela Wendt am 15. Mai 1916 in Donop, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Sie besuchte die Grundschule in Hillentrup, machte 1935 das Abitur am Engelbert-
Kaempfer-Gymnasium in Lemgo und studierte in Hamburg Pädagogik, Psychologie und Germanistik. 1943 wollte die junge Lehrerin ihren Verlobten heiraten - doch am Tage der Hochzeit erhielt sie die Nachricht, dass er an der Front gefallen war. Diese dramatische Wendung in ihrem Leben  machte sie zu einer kompromißlosen Kämpferin gegen Krieg und Gewalt. 20 Bücher zum Thema hat sie veröffentlicht, viele Vortragsreisen durch Deutschland absolviert.

"Sie wissen um den Wert der Sprache, mit der sie Kindern deutlich machen, wie wichtig es ist, sich um Schwächere zu kümmern. Sie haben ihnen die Botschaft vermittelt, dass Krieg und Gewalt kein Problem lösen", lobte Heuwinkel. "Und sie haben den Geist Ihres Wirkens in die Schule hineingetragen, die Ihren Namen trägt."

Rolf-Dieter Morgenthal, Leiter der Grundschule für sprachbehinderte Kinder des Kreises, nannte Irmela Wendt eine "kritische Person, die sich schwer überzeugen lässt." Zum Beispiel von der Idee, die Schule nach ihr zu benennen. Nachdem sie aber Gefallen daran gefunden habe, habe sie den widerstrebenden Kreisdirektor Dr. Wolfgang Brauße in kürzester Zeit überzeugt. "Die heutige Verdienstkreuz-Verleihung in unserer Schule ist damit auch eine Anerkennung unserer Arbeit." Für die Schüler sei es immer toll gewesen, wenn sie gekommen sei, um aus ihren Büchern vorzulesen.

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