Remmel: Nationalpark-Entscheidung in Lippe in diesem Herbst

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Nationalpark-Entscheidung

soll im Herbst fallen - © Lippe
Nationalpark-Entscheidung
soll im Herbst fallen (© Lippe)

Kreis Lippe. Die Gründung eines Nationalparks in OWL erhitzt die Gemüter. Was sagt NRW-Umweltminister Johannes Remmel zur Forderung eines Planungsstopps? Matthias Bungeroth sprach mit ihm.

Herr Minister Remmel, das Projekt eines Nationalparks Senne/Teutoburger Wald wird in OWL weiter kontrovers diskutiert. Wie steht Ihr Haus zu dem Projekt?

JOHANNES REMMEL: Wir arbeiten nach wie vor auf Grundlage des Landtagsbeschlusses von 2004, der ja einstimmig bei Enthaltung von CDU und FDP erfolgt ist. Darin wird die Landesregierung gebeten, Anstrengungen zu unternehmen, einen Nationalpark auszuweisen im Bereich Senne/Teutoburger Wald, bei gleichzeitiger militärischer Nutzung. Das ist die Arbeitsgrundlage der Landesregierung. Dazu kommt die Vereinbarung im Koalitionsvertrag, dass wir Projekte, die in der Region auf den Weg gebracht worden sind, unterstützen und begleiten. Das betrifft auch das Projekt Teutoburger Wald. Wir versuchen, in Verhandlungen mit dem Landesverband Lippe die Flächen so zu tauschen, dass wir den Grundsatz umsetzen können, dass ein Nationalpark nur auf öffentlichen Flächen eingerichtet wird.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel - © FOTO: DPA
NRW-Umweltminister Johannes Remmel (© FOTO: DPA)

Wie ist der Stand der Gespräche über einen Flächentausch mit dem Landesverband Lippe?

REMMEL: Nach Bewertung des Gutachters wird nun konkret in der Fläche der Wald auf seine Wertigkeit hin begutachtet. Das ist ein längerfristiges Verfahren. Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir das im Herbst abschließen.

Welche Knackpunkte sehen Sie bei der Realisierung eines Nationalparks Teutoburger Wald?

REMMEL: Ich habe manchmal den Eindruck, da wird auch mit Ängsten gespielt. Beim Wegekonzept wird von Schranken gesprochen, die bald überall stehen. Wir möchten im Gegenteil, dass die Menschen, die dort leben, aber auch Besucher unser Naturerbe sehen und erleben können, das weitergeben und davon begeistert sind. Dann ist da die Frage der Versorgung der Wirtschaft mit Holz und der Privatbürger mit Brennholz. Auch da wird man die Fakten noch mal gegeneinander legen müssen. Und: Auch in Nationalparken wird künftig gejagt werden müssen.

Jüngst wurden von den Gegnern Forderungen erhoben, das Projekt in der Senne müsse sofort fallengelassen werden. Grund sei, dass das Ende einer militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes Senne nicht absehbar sei.

REMMEL: Ich gehe davon aus, dass die jetzige militärische Nutzung durch die britische Rheinarmee mit dem Abzug der Truppen endet. Das ist auch das Dach, unter dem die derzeitige Nutzung der Bundeswehr stattfindet, die in Augustdorf stationiert ist. Was nach 2020 oder 2021 passiert, ist, glaube ich, nicht abschließend geklärt. Wir wollen uns aber nicht einmischen in die Notwendigkeiten des Verteidigungsministeriums.

Die Fronten in der Diskussion über dieses Thema scheinen in OWL verhärtet zu sein.

REMMEL: Die Diskussion über einen Nationalpark Senne muss man auf einer langen Zeitachse sehen. Wir sind ständig auf der Fachebene im Gespräch. Da gibt es einen Arbeitsprozess, den man fortsetzen muss. Im Bereich Teutoburger Wald, Projekt des Kreises Lippe, würde ich mir wünschen, dass wir im Laufe des Jahres zu einer abschließenden Entscheidung kommen.

Wie hoch schätzen Sie, realistisch betrachtet, die Chancen ein, dass es in absehbarer Zeit im Regierungsbezirk Detmold einen Nationalpark geben wird?

REMMEL: Darauf würde ich nicht mit Spekulationen antworten. Ich würde uns allen empfehlen, mal eine Reise dorthin zu machen, wo es seit langem Nationalparke gibt, und dort eine Befragung zu machen, ob der Status wieder aberkannt werden soll. Ich bin überzeugt, wir werden über 80-prozentige Zustimmung bekommen, dass man genau das nicht will. Wenn man den Nationalpark hat, dann gewinnt man ihn auch schnell lieb. Das wird in Ostwestfalen-Lippe auch so passieren, davon bin ich überzeugt.

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