Warnstreik der IG Metall geht in Lippe in die nächste Runde

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Streik ist auch bei Zumtobel in Lemgo auf der Tagesordnung. - © Bernhard Preuß
Streik ist auch bei Zumtobel in Lemgo auf der Tagesordnung. (© Bernhard Preuß)

Kreis Lippe. Mit dem Beginn der Nachtschicht hat die IG Metall am Dienstag zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen. In Lippe folgten Zumtobel in Lemgo und die Firma Müller Umwelttechnik in Schieder dem Aufruf. Und auch am Freitag ist die Sache noch nicht vom Tisch. Seit den frühen Morgenstunden steht die Produktion bei Isringhausen komplett still.

Der IG Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, bezeichnete die Arbeitsniederlegungen als „Antwort auf das völlig unzureichende Angebot der Arbeitgeber". Das Verhalten der Arbeitgeber lasse bei den arbeitszeitpolitischen Forderungen jeden Respekt für die persönlichen Bedürfnisse und Nöte der Beschäftigten vermissen.

Der Gütersloher Unternehmer Ernst Wolf, Vizepräsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie NRW und Vorsitzender der Fachgruppe Metall- und Elektroindustrie des Unternehmerverbands Gütersloh, übt scharfe Kritik an der Gewerkschaft. Der Arbeitskampf schädige nicht nur die Betriebe, er gefährde auch Arbeitsplätze. „Die Vorgehensweise der IG Metall werde „gerade mittelständische Arbeitgeber dazu veranlassen, den Flächentarifvertrag zu verlassen beziehungsweise Arbeitsplätze mit geringer Wertschöpfung zu verlagern".
In OWL sind ab der Frühschicht die Mitarbeiter von Mannesmann Precision Tubes in Bielefeld zum Streik aufgerufen.

Alles still bei Zumtobel

In der Zumtobel-Fertigung im Lemgoer Industriegebiet standen am Dienstag seit Beginn der Frühschicht alle Räder still: "Keine Menschenseele ist drinnen an der Arbeit", berichtete IGM-Sekretär Daniel Salewski am Streikzelt auf dem Firmenparkplatz, das den rund 400 Streikenden Schutz vor der nassen Witterung bot. "Damit haben wir unser heutiges Ziel erreicht, den Arbeitgebern ein deutliches Zeichen zu setzen", so Salewski weiter. Es sei das erste Mal, dass zu einem 24-Stunden-Warnstreik aufgerufen wurde.

Arbeitgeberverband bezieht Stellung

Bedauern liegt in der Luft - zumindest seitens des Arbeitgeberverbands Lippe. Der Vorsitzende Prof. Dr. Olesch wird in einer Pressemitteilung wie folgt zitiert: „Die IG Metall streikt für Forderungen zur Arbeitszeitreduzierung bei weitgehendem Lohnausgleich. Viele Unternehmen ermöglichen es heute schon, dass Mitarbeitende ihre Arbeitszeit absenken. Aber natürlich ohne Bezahlung. Es gilt in allen Bereichen der Gesellschaft: Geld für Arbeit - aber nicht: Geld für keine Arbeit. Die Umsetzung würde zu einer massiven Diskriminierung aller heute schon in Teilzeit tätigen Mitarbeitenden führen. Der volkswirtschaftliche Schaden dieses Gewerkschaftsstreiks wird enorm sein, vom Imageverlust für die international hochangesehenen Produkte der Marke ‚Made in Germany‘ ganz zu schweigen." Zudem sei eine Einigung bereits am Wochenende möglich gewesen.

Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) verlieren betroffene Betriebe in Deutschland insgesamt 62 Millionen Euro pro Tag, wenn pro bestreiktem Unternehmen im Schnitt 200 Beschäftigte – also insgesamt 50.000 Arbeitnehmer – in den Tagesstreik während einer Fünf-Tage-Woche treten, heißt es weiter. Prof. Dr. Olesch hoffe, dass in der nächsten Verhandlungsrunde ein vernünftiger Kompromiss gefunden wird.

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