Lippisches Landesmuseum zeigt "unters Kleid geschaut"

Barbara Luetgebrune

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Reizendes Detail: Volkskundlerin Dr. Imke Tappe-Pollmann freut sich über die kleine gestickte Rose an diesem Unterkleid, die sich - unter der obersten Stoffschicht verborgen - erst auf den zweiten Blick offenbart. - © Bernhard Preuß
Reizendes Detail: Volkskundlerin Dr. Imke Tappe-Pollmann freut sich über die kleine gestickte Rose an diesem Unterkleid, die sich - unter der obersten Stoffschicht verborgen - erst auf den zweiten Blick offenbart. (© Bernhard Preuß)

Detmold. Das tut man doch nicht! Die Ausstellungsmacher im Landesmuseum machen’s aber doch. Sie schauen den Damen unters Kleid - und zwar jenen Vertreterinnen der Weiblichkeit, die so etwa zwischen 1900 und 1950 gelebt haben - und zeigen, was diese darunter trugen. Ab sofort ist die Galerieausstellung "unters Kleid geschaut" im Museum des Landesverbandes Lippe an der Ameide zu sehen.

Aktuelles Zeitgeschehen und Lebensgefühl der Menschen, in diesem Fall der Frauen, spiegeln sich in der Mode, und zwar auch in jener, die direkt auf der Haut getragen wird: Das zeichnet die Ausstellung deutlich nach.

Die Frau um 1900 trug unter ihrem Kleid die so genannte Untertaille. „Diese war auf Taille gearbeitet, und in Verbindung mit einer Hose oder einem Unterrock entstand die so genannte Hemdhose, die im Laufe der 1920er-Jahre zum typischen weiblichen Kleidungsstück wurde", erläutert Dr. Imke Tappe-Pollmann, Volkskundlerin am Landesmuseum.

Auf der Rückseite dieser Hemdhosen war ein aufknöpfbarer Latz angebracht. Der Grund für das Tragen solcher mit einer „Schüttklappe" versehenen Unterhosen lag wohl in der mehrlagigen, umständlichen, langen und weiten Kleidung der Frauen, vermutet Imke Tappe-Pollmann.

„Im Fall eines Bedürfnisses hätte man sich sonst schnell all dieser Kleidungsstücke entledigen müssen." Die Klappe war da einfach praktisch. Genau wie eine andere Variante der Unterhose, die in der Taille gebunden wurde – durchs Lösen der Bänder ließ sich der Schritt öffnen: ein Modell mit dem sprechenden Namen „Bückeburger Schnellfeuerhose".

Die Entwicklung der Hemdhose ging einher mit der sich grundlegend verändernden Situation der Frauen nach dem Ersten Weltkrieg. „Sie wurden selbstständiger, selbstbewusster und vielfach berufstätig. Die früher übliche Betonung der weiblichen Silhouette und die damit verbundene eingeschränkte Bewegungsfreiheit rückten in den Hintergrund", erläutert Imke Tappe-Pollmann. Hinzu kamen neue Hygienevorstellungen: Statt schwerer, dichter Leinenstoffe wurden fortan leichte und luftige Stoffe verwendet.

Was sich jedoch - die Lebensumstände lassen grüßen - im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit wieder änderte. „In diesen Notzeiten strickte die sparsame, fleißige Hausfrau die Unterwäsche selbst. Diese Strickwäsche aus Wolle oder aufgerebbelten Zuckersäcken war vor allem kostengünstig, praktisch und warm - das Kratzen der manchmal groben Wolle musste man wohl oder übel in Kauf nehmen", so die Volkskundlerin.

Um 1950 herum waren die schlimmsten Notzeiten vorbei. „Die Frauen wollten wieder hübsch aussehen", sagt Imke Tappe-Pollmann - davon zeugt in der Schau etwa ein leuchtend roter Unterrock aus leichter Synthetik. Das pflegeleichte Material trug wiederum der in dieser Zeit zunehmenden Berufstätigkeit der Frauen Rechnung.

Die kleine Ausstellung ist bis zum 29. Oktober im Lippischen Landesmuseum an der Ameide zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

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