„Wege durch das Land“ beeindruckt in Wendlinghausen

Thomas Krügler

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Renaissancemusik vorm Weserrenaissance-Portal: Der Kammerchor der Detmolder Musikhochschule begeistert unter Leitung von Anne Kohler die Zuhörer. - © Thomas Krügler
Renaissancemusik vorm Weserrenaissance-Portal: Der Kammerchor der Detmolder Musikhochschule begeistert unter Leitung von Anne Kohler die Zuhörer. (© Thomas Krügler)

Dörentrup/Wendlinghausen. Der Dreiklang Literatur, Architektur und Musik der Kulturreihe „Wege durch das Land" hat in Wendlinghausen unter der Überschrift „Durch alle Himmel des Wohlklangs" ganz im Zeichen der Musik gestanden. Geschliffene Texte über Musik, das Weserrenaissance-Schloss und der fein kultivierte Klang des preisgekrönten Kammerchores der Hochschule für Musik Detmold unter Leitung von Prof. Anne Kohler begeisterten mehr als 300 Gäste der ausverkauften Kulturscheune.

Neben der „Rede an die Musik" von Peter Licht, einem der intellektuellsten deutschen Popstars, stand Kleists Erzählung „Die Heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik", die Schauspieler und Grimme-Preisträger Ulrich Noethen ausdrucksstark rezitierte.

Peter Licht, der mit dem Album „Lieder vom Ende des Kapitalismus" bekannt wurde, bezeichnete seine Rede poetisch als „Gesang an die Musik. Im Klang hören und fühlen wir uns selbst. Literatur ist geistig, Musik eher körperlich. Musik lässt uns spüren, dass wir existieren und macht uns zu fühlenden Menschen. Musik hat große körperliche Wirkung, obwohl sie körperlos und unfassbar ist. Fazit: „Musik ist ein Raum der Freiheit, in der die Sonne nie untergeht". Mit Renaissance-Madrigalen vor der idyllischen Kulisse des Weserrenaissance-Schlosses leitete der Kammerchor die Pause ein.

Im zweiten Teil stand die Lesung mit Ulrich Noethen im Zentrum. Von Kant lernte Heinrich von Kleist (1777-1811), dass objektive Wahrheitserkenntnis unmöglich ist. 1810 verarbeitete er seine Erkenntniskrise in der Erzählung über die heilige Cäcilie. Zum Inhalt: Während des Bildersturms 1566 feiern im Aachener Dom Nonnen das Fronleichnamsfest mit einer musikalischen Messe.

Vier Bilderstürmer werden von der Macht der Musik verzaubert, geben ihren zerstörerischen Plan auf und werden wahnsinnig. Zur Mitternacht singen sie fortan das „Gloria". Da die Kantorin erkrankt war, weiß keiner, wer die Messe geleitet hat. Die heilige Cäcilie, Schutzpatronin der Kirchenmusik, muss das Wunder vollbracht haben.

Chorwerke umrahmten die Lesung. So füllte ein „Gloria" aus der sechsstimmigen Messe von Monteverdi die Kulturscheune mit feierlichen Klängen. „Wie ein Kind" des Dänen Per Nørgård (*1932) vertonte infantile Verrücktheit. Kindliche Vokalklänge, skurriler Sprechgesang und Kummerklänge zeigten eine innovative Chorsprache.

Das „Luther-Madrigale" von Bernd Franke (2015) verarbeitete als Klangcollage mit Solostimmen lautmalerisch bissige Lutherzitate. In großer Farbigkeit beeindruckte die Mischung aus Singen, Flüstern, und Sprechen. Benjamin Brittens „Hym to St. Cecilia" (1942) rundete den Abend rhythmisch prägnant ab. Das begeisterte Publikum gab viel Applaus für das kurzweilige und großartige Kulturerlebnis, das alle Sinne ansprach.

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