Musikhochschule versteigert 22 ausgemusterte Flügel und Klaviere

Barbara Luetgebrune

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Der wäre was: Masterstudent Dominik Stadler probiert einen der acht Steinway-Flügel aus. - © Bernhard Preuß
Der wäre was: Masterstudent Dominik Stadler probiert einen der acht Steinway-Flügel aus. (© Bernhard Preuß)

Detmold. „24.000 Euro zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten!" Ralf Beckmeier, Finanzchef der Musikhochschule und an diesem Tag höchst souveräner Auktionator, erteilt Holger Huhn den Zuschlag. Der Händler aus Thüringen ist neuer Besitzer des Steinway-Flügels aus dem Jahr 1969. Kein Glück für Dominik Stadler. Der Pianist im Master-Studium bei Prof. Alfredo Perl hatte ebenfalls mit dem Instrument geliebäugelt.

Allerdings: Mit konkreten Kaufabsichten ist Stadler ohnehin nicht zur Versteigerung im Kuppelsaal der Hochschule gekommen. „Aber wenn ich einen der Flügel hätte haben wollen, dann wäre es dieser gewesen", sagt er. Auch bei den übrigen Besuchern steht das Instrument hoch im Kurs – Huhn muss etliche Interessenten überbieten, ehe er den Zuschlag erhält. Mit 12.000 Euro war der Flügel aufgerufen – für den doppelten Betrag wechselt er schließlich den Besitzer.

Insgesamt 22 gebrauchte Flügel, Klaviere und Cembali versteigert die Musikhochschule an diesem Tag. Viele der Instrumente haben zwischen 30 und 40 Jahre auf dem Buckel. „Zehn Jahre nutzen wir sie im Hauptfach, zehn Jahre im Nebenfach und weitere zehn Jahre im Übebetrieb. Dann sind sie durch und wir stellen sie hochkant", sagt Beckmeier. Was bedeutet, dass sie eingelagert werden. Zur Auktion sind sie nun in den Kuppelsaal zurückgebracht worden.

Zum Ersten, zum Zweiten, ...: Hochschul-Finanzchef Ralf Beckmeier macht auch als Auktionator einen guten Job. - © Bernhard Preuß
Zum Ersten, zum Zweiten, ...: Hochschul-Finanzchef Ralf Beckmeier macht auch als Auktionator einen guten Job. (© Bernhard Preuß)

Die Hoffnung von Christian Köhn, Klavierbeauftragter der Hochschule: durch den Verkauf so viel Geld einzunehmen, dass davon ein neuer Flügel gekauft werden kann für den Auktionsraum, der künftig als Konzertsaal genutzt werden soll. Köhn verwaltet den Flügel- und Klavierbestand der Hochschule, der knapp 100 Instrumente umfasst.

Regelmäßig werden alte ausgemustert – „und um unseren Bestand auf qualitativ gutem Niveau zu halten, müssten wir pro Jahr drei neue Flügel kaufen", erläutert er. Angesichts von Neupreisen ab zirka 90.000 Euro ist jeder Cent willkommen, der in den Neuanschaffungsetat fließt.

Viele Händler sind unter den Besuchern, aus Bayern sind sie angereist, aus Hamburg, aus Hannover. „Die Musik spielt ganz klar bei den acht Steinway-Flügeln, die wir heute versteigern. Ihretwegen sind die Händler hier", sagt der Auktionator. Ein Blick in den Saal bestätigt das: Schon während der zwei Stunden Besichtigungszeit, die der Versteigerung vorausgehen, sind die Steinway-Instrumente dicht umlagert.

Dabei ist auch Bernd Voorhamme, Steinway-Händler aus Hannover. „Uns interessiert, was für Preise unsere gebrauchten Instrumente erzielen", sagt er. Und ja, bieten würde er auch, wenn ein Angebot passt. „Aber wir kaufen nicht um jeden Preis", sagt Voorhamme. Eine einfache Rechnung: „Wenn wir einen Flügel wieder so herrichten wollen, dass er den Steinway-Qualitätsstandards und den Ansprüchen unserer Kunden entspricht, müssen wir je nach Zustand des Instrumentes bis zu 25.000 Euro investieren."

Der Markt für gebrauchte Klaviere sei groß, sagt Beckmeier, hierzulande und anderswo. „Viele Instrumente gehen auch nach Asien." Dann ruft er ein Instrument nach dem anderen auf und nennt den Schätzwert, den die Hochschule zugrunde gelegt hat – von dort aus geht’s zumeist in 100-Euro-Schritten aufwärts.

„Einige Flügel haben das Zweieinhalbfache des Preises erzielt, zu dem wir sie aufgerufen hatten", wird Köhn am Ende staunend sagen. Der teuerste Flügel wird 24.600 Euro eingebracht und alle 22 Instrumente werden neue Besitzer gefunden haben.

„Zuletzt hatten wir noch zwei Grotrian-Klaviere übrig. Da sind wir etwas im Preis runtergegangen, dann waren sie auch weg", sagt der Klavierbeauftragte der Hochschule nach der Auktion. Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar: Der neue Flügel für den Kuppelsaal ist locker drin – vielleicht gar noch ein zweiter.

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