27. Sommerakademie in Schwalenberg gestartet

Barbara Luetgebrune

  • 0
Das Lächeln sitzt noch etwas schief: Dozentin Sabine Hoppe (rechts) zeigt Kristin Schmeer, wie sie das beheben kann. - © Bernhard Preuss
Das Lächeln sitzt noch etwas schief: Dozentin Sabine Hoppe (rechts) zeigt Kristin Schmeer, wie sie das beheben kann. (© Bernhard Preuss)

Schieder-Schwalenberg. Der Lächelnde grinst leicht gezwungen. Irgendwie klappt das mit der heiter-verträumten Miene, die Kristin Schmeer ihm ins Gesicht modellieren möchte, noch nicht so recht. Dozentin Sabine Hoppe setzt den schmalen Spachtel an der Wange des Tonkopfs an. „Hier in diesem Bereich", rät sie, „müssen die Gesichtszüge noch ein bisschen weicher werden."

Seit 15 Jahren gibt Sabine Hoppe, die als freischaffende Künstlerin in Braunschweig arbeitet, Kurse in Bildhauerei und Plastischem Gestalten bei der Schwalenberger Sommerakademie. Dieser vierwöchige kreative Ausnahmezustand in der Malerstadt erlebt aktuell seine 27. Auflage, 170 Teilnehmer sind dabei.

Die Zahl sei gegenüber den Vorjahren stabil geblieben, berichtet Vera Scheef, Kunsthistorikerin bei der Kulturagentur des Landesverbandes Lippe, die die Sommerakademie in Kooperation mit der Stadt Schieder-Schwalenberg ausrichtet.

Sie knüpfen damit an die Historie der Malerstadt als Künstlerkolonie an – eine Tradition, die in den Köpfen und den Herzen der Bewohner nach wie vor präsent ist: „Wir arbeiten ja immer hier im Keller des Werkhauses, in etwas einfachen Bedingungen. Daher ist es besonders schön, dass wir auch nach draußen können und hier auf der Straße arbeiten, wo das Licht viel besser ist", sagt Sabine Hoppe. „Für die Anwohner ist das noch nie ein Problem gewesen."

Apropos „einfache Bedingungen": „Die Stadt hat das Werkhaus renovieren lassen, die Wände sind gestrichen, neue Böden verlegt", berichtet Vera Scheef. „Und der Landesverband hat neue Staffeleien und weiteres Material gekauft." Schöne Neuerung, gerade für die „Wiederholungstäter", von denen es unter den Teilnehmern etliche gibt.

Viele kommen aus der Region – was dazu beitragen dürfte, dass die Kurse von Dozenten wie Axel Plöger und Helga Ntephe, die einen hohen Bekanntheitsgrad in der Region genießen, stets besonders schnell ausgebucht sind. „Aber auch aus Süddeutschland haben wir etliche Teilnehmer – und einer ist sogar aus der Schweiz angereist", sagt Vera Scheef.

Aus der Schweiz angereist: Teilnehmer Maximilian Lehmann - © Bernhard Preuss
Aus der Schweiz angereist: Teilnehmer Maximilian Lehmann (© Bernhard Preuss)

Der heißt Maximilian Lehmann und bearbeitet ein Stück Speckstein mit einer Feile. „Das Material ist ganz weich, darum geht das", erklärt er. Sein Werkstück soll eine ganz abstrakte Arbeit werden, mehrere Arme münden in einer Mulde in der Mitte. Diese könnte später, wenn die Arbeit fertiggestellt und poliert ist, mit Wasser gefüllt werden. „Mit Quellwasser aus Schwalenberg, das nimmst du dir dann mit in die Schweiz." Sabine Hoppe lacht.

Jeder der Teilnehmer komme mit anderen Vorkenntnissen und anderen Ansätzen, berichtet die Dozentin. „Manche haben eine ganz konkrete Idee. Andere wollen mit einem bestimmten Material arbeiten, wissen aber noch nicht, was es werden soll." Wichtig sei ihr, dass alle Teilnehmer zunächst ein Modell fertigten, „um ihre Idee plastisch werden zu lassen. Dann lege ich Wert darauf, respektvoll mit ihrer Idee umzugehen und sie so zu unterstützen, dass es ihre eigene Arbeit bleibt."

Dabei, erzählt Sabine Hoppe, müsse sie den einen oder anderen konzeptionellen Höhenflug auch erst einmal erden. „Ein auf einem Bein stehender Flamingo in Ytong geht nicht." Eine Biene allerdings schon. Daran arbeitet Sieglinde Wessolek, um so der bedrohten Insektenart ein Denkmal zu setzen. Sie kommt schon gut voran.

Und am Ende des Kurses wird die Detmolderin, genau wie ihre Kurskollegen, eine fertige Arbeit mit nach Hause nehmen: Auch das ist ein Grundsatz von Sabine Hoppe. Am Dienstag, 15. August, findet die öffentliche Abschlussfeier der Sommerakademie statt. Teilnehmer zeigen je eine in den Kursen entstandene Arbeit.

Beginn der Feier mit Musik und Buffet ist um 18.30 Uhr im Werkhaus am Marktplatz.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!