Die Lippische Gesellschaft für Kunst präsentiert Catalina Pabón im Schloss

Barbara Luetgebrune

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Bewegt: Dr. Traute Prinzessin zur Lippe (links) und Almut Schmersahl betrachten Arbeiten von Catalina Pabón. - © Bernhard Preuss
Bewegt: Dr. Traute Prinzessin zur Lippe (links) und Almut Schmersahl betrachten Arbeiten von Catalina Pabón. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Sparsam bestückt ist die Schlossküche zur letzten Ausstellung der Lippischen Gesellschaft für Kunst an diesem Ort für dieses Jahr. Der Kunstverein präsentiert dort die kolumbianische Künstlerin Catalina Pabón, die seit vielen Jahren in Berlin lebt. Sieben ihrer großformatigen, äußerst reduzierten Arbeiten in Schwarz-Weiß prägen den Raum – und füllen ihn aus.

Zeichnung – Malerei – Plastik – Objekt: Schon die Einordnung der Werke von Catalina Pabón fällt nicht leicht. Bei den älteren Arbeiten, drei großen Formaten aus der 2014 entstandenen Reihe „Neue Ordnung", die private Leihgeber der Lippischen Gesellschaft für Kunst zur Verfügung gestellt haben, ist der Fall noch relativ klar. Die Künstlerin hat mit Filzstift auf Leinwand gezeichnet. Feine Strukturen und verschieden stark akzentuierte Mini-Flächen fügen sich zu Gebirgslandschaften, die erst aus einigem Abstand zum Bild als solche wahrnehmbar werden. Die Landschaften dürfte Catalina Pabón durchaus der Realität abgeschaut haben, in ihrer Darstellung hat sie sie allerdings abstrahiert und verfremdet – durch die Wahl des abgebildeten Ausschnitts und durch das Fehlen jeglicher Horizontlinie.

Stellt im Schloss aus: Künstlerin Catalina Pabón. - © Privat
Stellt im Schloss aus: Künstlerin Catalina Pabón. (© Privat)

Spannend ist, dass schon anhand der gerade sieben Arbeiten die Entwicklung des Landschaftsthemas abzulesen ist, die Catalina Pabón konsequent, beinahe schon wild entschlossen vorantreibt. Die zentrale Arbeit der Ausstellung, auf die der Blick der Betrachter direkt beim Betreten der Schlossküche fällt, zeigt ebenfalls eine Gebirgslandschaft. Allerdings ist diese in Öl auf eine schwere Holzplatte gemalt, die am oberen und unteren rechten Rand in Form der Felsspitzen und Berggipfel ausgesägt ist. Die Ölfarbe ist pastos aufgetragen, die zahlreichen Schichten ergeben eine reliefhafte Oberfläche mit Mulden und Spitzen, die dem Werk eine haptische Qualität geben und in die die Künstlerin zusätzlich hier und da Glitzer eingearbeitet hat. Lebensnah und eindrucksvoll dräut der Felsvorsprung über den Betrachtern.

Entwickelt diese Arbeit ihre explosive Kraft noch aus dem rechten Winkel heraus und wird auch an der gegenüberliegenden Seite noch von einem Stück glatter Kante „gehalten", hat Catalina Pabón diese selbst gesetzten Grenzen bei zwei weiteren Arbeiten verlassen. Eine weitere Gesteinsformation, ebenfalls in Öl auf Holz gestaltet, weist eine pfeilartige Form auf. Und eine weitere in Grautönen bemalte Holzplatte hat Catalina Pabón zersägt und lässt sie in genau bemessenem Abstand zueinander hängen: Der weiße Zwischenraum der Schlossküchen-Wand wird zum Teil des Bildes.

Generell habe die Künstlerin ganz exakte Angaben zur Hängung ihre Arbeiten gemacht, berichtet Almut Schmersahl. „Höhen, Achsen, alles war ganz genau vermerkt. Sogar die Werkzeuge, mit denen wir die Verpackungskisten öffnen sollten", sagt die Kunstvereinsvorsitzende.

Das Exakte, das haargenau durchkomponierte ist auch ein Markenzeichen der Werke von Catalina Pabón. Das zweite ist die unbändige, wilde Kraft, die ihnen innewohnt. Aus den beiden Polen generieren die Arbeiten der Künstlerin ihre intensive Spannung.

Die Vernissage beginnt am Sonntag, 10. September, um 11.30 Uhr im Schloss Detmold. Die Einführung hält Dr. Britta E. Buhlmann, Leiterin des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern. Zu sehen ist sie bis zum 8. Oktober, täglich außer montags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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