13 Künstler aus ganz Deutschland stellen zu 44. Detmolder Kunsttagen aus

Barbara Luetgebrune

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Packt das „Sau-Ego" bei den Ohren: Chris Dietzel mit ihrer Plastik aus Damenstrumpfstoff und Silikon. - © Bernhard Preuss
Packt das „Sau-Ego" bei den Ohren: Chris Dietzel mit ihrer Plastik aus Damenstrumpfstoff und Silikon. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Kaum etwas ist alltäglicher als der Blick in den Spiegel. Und kaum etwas ist weniger verlässlich als das, was der Betrachter im Spiegelbild von sich selbst wahrnimmt. Der Blick auf sich selbst, aufs eigene Ich ist selten unverstellt – und hat unzählige Facetten. Die Ausstellung „Selbst", die gestern anlässlich der 44. Detmolder Kunsttagen eröffnet wurde, beleuchtet einige davon aus künstlerischer Sicht.

Rund 140 Künstler hätten sich auf die Ausschreibung beworben, berichtet Anja Kleinsorge vom Verein Kunstmarkt Detmold. Auch die Ausstellung in der Stadthalle kuratieren und konzipieren die Macher komplett in Eigenregie. „Das Thema Selbstporträt hatten wir schon länger im Blick. Durch die allgegenwärtigen Selfies, durch die Selbstdarstellung der Menschen in den sozialen Medien hat sich da in letzter Zeit ganz schön was verändert." Um den Rahmen nicht zu eng zu stecken, weitete das Kunstmarkt-Team die Vorgabe auf „Selbst" aus. 13 Künstler wählte das Team aus.

Mit einem lebensgroßen Schwein lädt Chris Dietzel die Besucher zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ego ein. Aus Feinstrumpfhosen und Silikon ist das Tier geformt, wirkt verpflastert und ausgebeult: kein durch und durch ästhetischer Anblick. „Auch beim Blick aufs eigene Ego entdeckt man Abstoßendes oder Bemitleidenswertes", sagt Chris Dietzel. „Das Ich ist aber da. Und es geht darum, es so anzunehmen, wie es ist."

Diana Paccelli hält den Betrachtern den Spiegel vor: Beim Blick auf, beziehungsweise in ihre Fotografien auf poliertem Edelstahl überlagern sich die Konturen von Modell und Betrachtern, Grenzen verwischen.
In Grenzsituationen führen István Csákí immer wieder seine Touren in die Bergwelt. Wie sich die Perspektive aufs eigene Ich dort verändert, setzt er in Fotos und ausdrucksstarken Kohle-Zeichnungen ins Bild.
Ein fragmentiertes Bild von sich selbst zeigt Seung-Il Chung in einem Video: Nie ist er komplett zu sehen. In einem Katalog finden sich zudem Fotos von Menschen, die alle heißen wie er: von wegen einzigartig.

Dass die eigene Lebensgeschichte und der Weg, damit umzugehen, durchaus einzigartig sind, zeigt Eva Graudenz in ihren filmischen Arbeiten. Ihre Beschäftigung mit dem Thema Resilienz inszeniert sie märchenhaft. Ihre Filme, in denen sie vermeintlich fest Definiertes hinterfragt, berühren und faszinieren zugleich – mit Mut zur Emotion und mit Leichtigkeit.

Großformatige Malerei steuert Stephan Popella bei. Ein Mensch mit Supermarkttüte über dem Kopf setzt den Identitätsverlust durch Konsumterror trefflich ins Bild. Anderen seiner Protagonisten gibt er einen Stammbaum in Form einer Ahnengalerie mit: Da trifft „Mutti" Merkel auf Erich Honecker und der mutmaßliche Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald auf den Nazi von Rostock-Lichtenhagen.

Grafische Arbeiten, für die er auf der Suche nach Objektivität und einer „gnadenlosen" Sicht auf sich selbst mit dem Abdruck seines eigenen Körpers experimentiert hat, zeigt Rolf Löhrmann. Auch Ulrich Heemann ist sein eigenes Modell. Der Fotograf zeigt inszenierte Fotos, mit denen er untersucht, was den Menschen von jeher ausmacht, was ihn leben lässt, ihn umtreibt, ihn tötet – und dass sich daran über die Jahrtausende wenig geändert hat. Beruhigend oder erschreckend? Auch das: eine Frage des Selbstverständnisses.

Dass der Mensch stets Teil eines Netzwerkes ist, das das Selbst bestimmt, zeigt Hermann Beneke mit seinem „Gespinst" aus Stahldraht. Bei Alexander Roschke wird das Selbst Teil der Landschaft. Videos von Sophia Grutsch, Graphisches von Christian Krieter und eine Installation von Hella Frowein-Hagenah komplettieren die Schau, die bis zum 15. September täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen ist.

Handwerkermarkt und Musik

Am Samstag und Sonntag findet jeweils von 10 bis 18 Uhr der Kunsthandwerkermarkt auf dem Schloßplatz statt. Dazu gibt’s Musik. Den Auftakt macht am Samstag ab 11.30 Uhr das Duo Panama Red mit Akustik Folk. Ab 15 Uhr gibt’s Roots Reggae mit Yah Meek and „The Uprising". Der Sonntag beginnt um 11 Uhr mit Bossa & Latin von Bossa Café, ehe ab 14 Uhr King Kreol Rock’n‘Roll präsentieren.

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