Die Galerie Haus Eichenmüller zeigt Bilder von Schauder und Schrecken

Thomas Krügler

  • 0
Verletzlichkeit: Die Künstler Frank J. Schäpel (links) und Weizenfeld vor dem Tryptichon „Großes Blutbild". - © Thomas Krügler
Verletzlichkeit: Die Künstler Frank J. Schäpel (links) und Weizenfeld vor dem Tryptichon „Großes Blutbild". (© Thomas Krügler)

Lemgo. Eckhard Heitlage hat unter den 60 Gästen der ersten Ausstellungseröffnung nach der Sommerpause im Eichenmüllerhaus viele neue Gesichter begrüßen können. Unter dem Titel "Verletzlichkeit" laden der Kunstverein und die Alte Hansestadt Lemgo bis Ende des Monats zur Doppelausstellung von Frank J. Schäpel und Weizenfeld ein.

Der Berliner Künstler Frank J.Schäpel beendete sein Kunststudium als Meisterschüler von Georg Baselitz. In eher kleinformatigen Werken richtet er den Blick auf die Transformation und das Verschwinden des heutigen Menschen. Dabei interessieren ihn Anomalien und grenzwissenschaftliche Phänomene. Totenschädel, Darstellungen innerer Organe und eine Installation über Ufosichtungen bilden den Schwerpunkt.

Weizenfeld ästhetisiert Krankheit und körperliches Gebrechen in Blutbildern, Befunden und Darstellungen. Vier Behandlungsstühle fangen den Blick des Betrachters. Schwer zu fassen sind die großformatigen Bilder, die Schauer und Schrecken auslösen. Die Augen davor verschließen sollte niemand, denn die Qualen der Menschen sind real. Seinen Künstlernamen „Weizenfeld" verwendet der 1952 in Herford geborene Bernd Weitkamp seit 1994 als „Durchhalteparole" trotz der Schrecken in der Welt die Hoffnung nicht aufzugeben.

Ann Kristin Kreisel, Kunsthistorikerin des Museums Marta in Herford, betonte in ihrer Einführung, dass der Titel "Verletzlichkeit" beide Künstler verbinde. Erst durch seine Verwundbarkeit werde der Mensch menschlich. Verletzlichkeit begründe sich laut Hegel immer auf die Beziehung zum Anderen. Abgrenzung vom Anderen und Fremden sei ein psychologischer und politischer Reflex, der den Menschen unmenschlich mache. In der Auseinandersetzung und dem Austausch mit dem Anderen werde der Mensch erst wirklich Mensch und bewege sich vorwärts.

Beide Künstler beschäftigen sich mit dem Anderen in uns, mit dem menschlichen Sein und seiner Körperlichkeit. Frank J. Schäpel hat für seine anatomischen Werke Präparierkurse besucht. Seine Bilder von Gehirn, Lunge und Herz verbinden fotorealistische Strukturen auf hochästhetische Weise mit Figürlichem. Er hinterfragt unser Weltbild, indem er paranormale Ufosichtungen auf einer Landkarte kartographiert. Dabei geht es um das Eindringen von etwas Fremden in unseren Lebensbereich. Eine Ufosichtung in Brasilien malt er nach fotografischer Vorlage in zahlreichen Ausführungen.

Die medizinische Sicht auf den Körper spielt auch bei Weizenfeld eine große Rolle. In seiner „Wundmalerei" beschäftigt er sich mit nichtheilenden Wundmalen. Das Tryptichon referiert auf das kunsthistorische Urmotiv der Kreuzigungsszene. Eine Matratze mit einem 70iger Jahre Popmuster lässt Körperumrisse des Gekreuzigten erkennen.

Die Doppelausstellung ist bei freiem Eintritt von Donnerstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr bis zum 29. Oktober zu sehen. Am Sonntag, 15.10. findet um 16 Uhr eine Lesung mit Wolf von der Burg und ein Künstlergespräch statt.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!