Dirigent, Hochschullehrer, Kantor und Komponist feiert 90. Geburtstag

Alexander Wagner hat das musikalische Leben in Detmold auf vielfältige Weise geprägt

Barbara Luetgebrune

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Alexander Wagner hat in Detmold viele musikalische Spuren hinterlassen und Generationen angehender Musiker in ihrem Werdegang begleitet. - © Vera Gerstendorf-Welle
Alexander Wagner hat in Detmold viele musikalische Spuren hinterlassen und Generationen angehender Musiker in ihrem Werdegang begleitet. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold. Prof. Alexander Wagner ist am Dienstag 90 Jahre alt geworden. Gefeiert wird sein Ehrentag im konzertanten Doppelpack – am 11. Juni in der Christuskirche und am 12. Juni im Konzerthaus der Hochschule für Musik. Dies ist nicht etwa Ergebnis einer schlechten Abstimmung unter den Veranstaltern, sondern vielmehr Spiegel jenes Zweiklangs, der sein Berufsleben über vier Jahrzehnte hinweg bestimmt hat.

1949 wird Wagner Kantor und Organist an der Christuskirche, ein Amt, das er bis 1994 ausübt. 1957 erhält er den Ruf an die Detmolder Musikhochschule – bis 1992 wirkt er dort als Professor für Chorleitung und Dirigieren.
Wagners beruflicher Weg deutet sich schon früh an – wenngleich er selbst das zunächst nicht wahrhaben will. Als er mit 16 Jahren in Berlin sein Abitur macht, insistiert sein Direktor, der ihm zuvor schon die Leitung des Schulchores anvertraute: Du musst Lehrer werden. „Das war für mich ein Drohbild", erinnert sich Wagner. Er entscheidet sich für ein Musikstudium in Berlin, wählt die Fächer Klavier und Tonsatz – „aber nicht mit der Perspektive, diesen Beruf jemals auszuüben. Mir war klar: Ich würde Soldat werden, würde den Krieg sowieso nicht überleben. Das hatte ich ja jede Woche in der Schule erlebt, wenn bekannt gegeben wurde, wer nun wieder gefallen war."

Information

Ehrenkonzert

Das Ehrenkonzert der Hochschule für Musik beginnt am Sonntag, 12. Juni, um 11.30 Uhr im Konzerthaus an der Neustadt. Gestaltet wird es von Dozenten, Studierenden und Ehemaligen. Der Eintritt ist frei. Bereits am Samstag, 11. Juni, beginnt um 19.30 Uhr in der Christuskirche am Kaiser-Wilhelm-Platz das Ehrenkonzert der Kantorei. Die Leitung hat Burkhard Geweke, Wagners Nachfolger als Kantor und Organist. An der Orgel ist Christoph Grohmann zu hören. Der Eintritt ist frei, am Ausgang wird eine Kollekte für die Arbeit der Kantorei gesammelt.

Nach Kriegsende landet Alexander Wagner in Braunschweig, wo er eine Stelle als Klavierlehrer an der Städtischen Musikschule erhält. Sein Studium setzt er parallel in Hannover fort, legt dort sein Staatsexamen ab. „Aber gelernt hast du gar nichts", stellt er hinterher fest. Und beschließt: „Jetzt suchst du dir eine Stelle in Detmold, und dort studierst du dann so richtig." Gesagt – getan. Im unzerstörten Detmold, wo sich an der frisch gegründeten Akademie die Crème der deutschen Musikprofessoren versammelt hat, trifft Wagner auf Kurt Thomas, der nicht nur als Lehrer prägend für seine weitere Laufbahn werden soll.

Als dieser 1956 zum Thomaskantor in Leipzig berufen wird, wird Wagner zu seinem Nachfolger als Professor für Chorleitung und Dirigieren ernannt. „Das hätte ich niemals für möglich gehalten", erinnert sich der Jubilar. „Kurt Thomas war eine solche Größe. Es wäre Hybris gewesen, zu sagen, ich melde mich auf diese Stelle." Ein Traum war es gleichwohl. „Mein Mann hat einmal gesagt: Für das Angebot dieser Stelle würde ich einen Eimer Würmer essen", erzählt Liebgard Wagner lachend. Das tat nicht not.
Generationen angehender Musiker begleitet Wagner zum Examen. „Wichtig war mir, dass die Schüler das Handwerk lernen, mit dem sie in der gesellschaftlichen Praxis leben können", sagt er.

Das Beste machen aus dem Möglichen, egal ob sie vor einem Schulchor oder vor einer Kantorei stehen: „Das ist die Aufgabe, die die Schüler später vorfinden", sagt er. Für entscheidend, um diese zu meistern, hält Wagner die Kenntnis um das je nach Komponist historisch richtige Klangbild und das bei Chormusik so wichtige Durchdringen der geistigen Aussage eines Werkes. „Ein Werk im Studium anwachsen zu lassen, seine sprachliche Dichte zu begreifen und zu verstehen, was der Künstler sagen will, über die Töne hinaus: All das habe ich versucht, meinen Schülern zu vermitteln", sagt der Jubilar.

Intensiv überprüft er seine Lehrmethoden stets in der eigenen Praxis: in der Leitung der Kantorei der Christuskirche, aber auch in der Arbeit mit dem Chor der Schulmusikabteilung der Hochschule. „Wir haben jedes Semester ein Programm einstudiert, das zum Abschluss vorzeigbar war", sagt Wagner.

Mit einer Menge Erfolg: Zweimal pro Jahr schaffen er und seine Sänger es mit ihren Programmen in den WDR. „Das waren Produktionen, keine Mitschnitte", sagt Wagner rückblickend. Das Kompliment der Radiomacher, sein Ensemble sei einer der wenigen stets sendefähigen Chöre, wertet er als Erfolg für seine Methode.

Wagner komponiert selbst, betätigt sich auch als Autor, indem er das von Kurt Thomas verfasste dreibändige „Lehrbuch der Chorleitung" überarbeitet und den renommierten Reclam-Chormusik-Führer herausgibt. Die zentrale Rolle in seinem beruflichen Leben spielt jedoch die Lehre. Ein Großaufgebot seiner ehemaligen Schüler wird nun das Ehrenkonzert gestalten. „Und zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich überhaupt nicht, was mich erwartet." Alexander Wagner lacht. Eine ganz neue Erfahrung für den stets souveränen Regisseur am Pult.

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