Klavierstars eröffnen Saison der Meisterkonzerte

Yaara Tal und Andreas Groethuysen überzeugen in Detmold mit überschäumender Spielfreude und klanglicher Brillanz. Professionalität und Lockerheit paaren sich zu einer nuancenreichen Darbietung

Thomas Krügler

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Perfektes Zusammenspiel: Yaara Tal und Andreas Groethuysen ziehen ihr Publikum als Klavierduo in den Bann. - © Thomas Krügler
Perfektes Zusammenspiel: Yaara Tal und Andreas Groethuysen ziehen ihr Publikum als Klavierduo in den Bann. (© Thomas Krügler)

Detmold. Ein hochkarätiges Klavierduo hat die Saison der Meisterkonzerte eröffnet. Yaara Tal und Andreas Groethuysen holten die große Welt der Klaviermusik ins Konzerthaus und mehr als 450 Gäste hörten zu.

Als die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Partner Andreas Groethuysen sich 1985 zusammenschlossen, hatte das Folgen für die Gattung Klavierduo. Ihre Neugierde holte viele unbekannte Werke dieser Besetzung hervor. Inzwischen sind sie eines der programmatisch spannendsten und klanglich vollkommensten Duos weltweit, das fünfmal den Echo Klassik und mehrfach den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten hat.

Der erst 16-jährige Mendelssohn schuf 1825 mit dem Streichoktett op. 20 ein beeindruckendes Werk, das er selbst für Klavier zu vier Händen bearbeitet hat. Das Klavierduo Tal & Groethuysen lässt den jugendlichen Schwung der Komposition erstrahlen. Wie aus einem Guss erklingen hochvirtuose Einwürfe. Der feinfühlige Bass Groethuysen schenkt Tal die Freiheit, in großer Frische die Oberstimme aufblühen zu lassen.

Professionalität und Lockerheit paaren sich zum nuancenreichen Klangfarbenspiel mit orchestraler Intensität. Das melancholische Andante lädt zum Träumen ein. Lustig und spritzig mit enormer Feinmotorik erklingt das Scherzo, bevor der Schlusssatz ohne Hektik und Effekthascherei in den kontrapunktischen Ozean der Tasten eintaucht.

Die „Große Fuge" op. 134 wurde ursprünglich für ein Streichquartett komponiert und von Ludwig van Beethoven für Klavier zu vier Händen bearbeitet. Die Künstler spielten das Werk in Gedenken an den grandiosen Bratscher des Artemis Quartetts, Friedemann Weigle, mit dem sie musizierten und der im vergangenen Jahr verstarb. Das spröde Thema am Rande der Atonalität erhält großen Ausdruck. Der polyphone Charakter tritt in den Hintergrund und gibt verschiedenen Episoden Raum, die mit enormer Ausdruckskraft erklingen.

Den Abschluss bilden Max Regers Variationen und Fuge für zwei Klaviere über ein Thema von Beethoven op. 86 aus dem Jahr 1904. Mit minimalem Blickkontakt bilden Yaara Tal am Steinway- und Andreas Groethuysen am Bösendorfer-Flügel eine perfekte Klangsymbiose. Das Thema wird sehr musikalisch vorgestellt. Impulsiv und mit viel Esprit erklingen die kontrastreichen Variationssätze in vollendetem spätromantischen Ausdruck. Eine große Fuge erhebt sich mit Macht und mündet in monumental pianistischem Glockenglanz. Überschäumende Spielfreude und klangliche Brillanz sorgten für einen Hörgenuss ersten Grades der zwei Zugaben verlangte.

„Herzlich tut mich verlangen" aus den 11 Choralvorspielen op. 122 von Brahms beeindruckte mit religiöser Tiefe und die Walzerbearbeitung von Victor Babin aus dem „Rosenkavalier" von Richard Strauss entließ die Hörer beschwingt.

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