Servicetechniker führt durch Erich-Thienhaus-Institut der Musikhochschule

Barbara Lütgebrune

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Im Studio: Dieser Raum, so berichtet Servicetechniker Malte Heins, eigne sich gut, um größere Ensembles aufzunehmen. Oft kommt dabei auch die Hammondorgel zum Einsatz. - © Vera Gerstendorff-Welle
Im Studio: Dieser Raum, so berichtet Servicetechniker Malte Heins, eigne sich gut, um größere Ensembles aufzunehmen. Oft kommt dabei auch die Hammondorgel zum Einsatz. (© Vera Gerstendorff-Welle)

Detmold. Die erste Tür steht offen, an der zweiten aber ist Schicht: Wer in die Schmiede der weltweit gefragten Detmolder Tonmeister möchte, muss klingeln. Diesmal öffnet Malte Heins die Tür – ein Glücksfall. Der Servicetechniker des Erich-Thienhaus-Institutes (ETI) kennt sich im ganzen Haus prima aus: der perfekte Mann für einen geführten Rundgang.

Malte Heins ist Mediengestalter Bild und Ton und absolviert nebenberuflich zurzeit eine Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker für Elektrotechnik. Vor acht Jahren kam er ans ETI. Er hat große Projekte betreut wie 2009 die Verkabelung der Klassik-Regie und 2012 die Erneuerung der Regie von Institutsleiter Prof. Michael Schubert. Im Alltag verwaltet und wartet er das technische Equipment des Hauses, und davon gibt es im Tonmeister-Institut natürlich jede Menge. Auf geht’s – einmal quer durchs ETI.

Das Labor: „Hier absolvieren die Studenten elektrotechnische Übungen. Sie bauen Schaltungen auf oder üben das Löten", sagt der Techniker. Es gibt einen Computer mit einem Messplatz, so können zum Beispiel die Frequenzgänge von Mikrofonen gemessen werden, die im direkt angeschlossenen schalltoten Raum positioniert werden.

Der Technikraum: Hier werden Mikros, Verstärker & Co. aufbewahrt, und dafür gibt’s seit kurzem ein Gimmick, auf das Malte Heins „ziemlich stolz" ist. Der Schrank, in dem das Equipment liegt, öffnet sich nur, wenn die Studenten oder Mitarbeiter ihr Passwort in den dazugehörigen Rechner eingeben. Per Scanner wird dann jedes Gerät erfasst, das sie ausleihen. „So weiß ich immer, wer welches Mikro hat", erläutert Malte Heins. Nicht ganz unwichtig bei den Preisen, mit denen die Geräte zu Buche schlagen. Die Software für den Aufbewahrungsschrank haben zwei Studenten entwickelt.

Im Technikraum lebt zudem ein stummer, aber extrem aufnahmefähiger Zeitgenosse: der Neumann-Kunstkopf namens KU 100. „Den kann man in einen Konzertsaal setzen und dann via Kopfhörer hören, wie der Klang an genau der Stelle ist. So lässt sich die Akustik in Konzertsälen gut beurteilen, man kann nachvollziehen, welchen Höreindruck das Publikum hat", erklärt der Servicetechniker.

Das Lager: Die große Kabelwand, eine Erfindung von Malte Heins persönlich, ist ein probates Mittel gegen Kabelsalat. Ein weiteres Regal, in dem Verstärker in Schubladen lagern, ist an einem „Putz- und Flicktag" entstanden – einer jahrzehntealten Tradition im ETI, wie Malte Heins berichtet. „Diese Tage gibt’s zweimal im Semester, da treffen sich alle, um die Ausrüstung zu sortieren und aufzuräumen, teils auch zu reparieren. Das ist extrem sinnvoll bei so viel Technik, die von vielen unterschiedlichen Leuten benutzt wird."

Das Studio: Hier sieht es nicht nur nach Technik, sondern auch nach Musik aus. Verteilt zwischen mobilen Wänden, mit denen verschiedene akustische Räume erzeugt werden können, stehen ein Klavier, das die Studenten zum Üben des Partiturspiels nutzen, ein MIDI-Flügel, der digital gesteuert werden kann, ein Drumset und auch solche „Schätzchen" wie ein Fender-Rhodes-Piano und eine Hammondorgel. „Die gehört eigentlich einem Studenten, der aber in seiner Wohnung keinen Platz dafür hat. Sie wird sehr gern für Aufnahmen genutzt, kürzlich erst von der Sebastian-Müller-Band", berichtet Malte Heins.

Die Regieräume: In der Regie 1 wird vor allem Popmusik produziert, die Regie 2 ist für die Klassik reserviert. Über dem Mischpult bietet ein großer Monitor den direkten Blick ins Konzerthaus. Den braucht es. „Wenn’s kracht, weil der erste Geiger ein Mikro umgeworfen hat, muss man jemanden hinschicken", sagt der Techniker.

Der Hallraum: Hier klingt es wie im Schwimmbad. Der hohe Raum mit seinen gekachelten, nicht parallel zueinander verlaufenden Wänden wurde früher, als es noch keine digitalen Hallgeräte gab, zur Verhallung von Tonmaterial genutzt. Heutzutage werden dort größtenteils akustische Messungen gemacht.

Der Aufenthaltsraum: Das Wohnzimmer ist das eigentliche Herzstück des ETI. In dem Raum mit seiner so abgelebten wie gemütlichen Sitzgruppe verbringen Studenten und Mitarbeiter ihre freie Zeit. Wichtigstes Möbelstück: die Kaffeemaschine. „Wir werden gern besucht, weil es hier immer guten Kaffee gibt", erzählt Malte Heins. Und wenn im Haus Aufnahmen laufen – die Studenten nehmen zu Übungszwecken regelmäßig Demobänder für Bands und Ensembles auf – wird das Wohnzimmer zum Aufenthaltsraum für die Musiker. Wegen der stets vorhandenen Geräuschkulisse am Tag laufen die Aufnahmen meistens spät abends oder nachts, wenn es still geworden ist um das ETI – was wiederum die fast allnächtliche Festbeleuchtung im Tonmeister-Institut erklärt.

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