Bettgenossen für die Wohlfühltemperatur

Silvia Tyborowski sammelt Wärmflaschen: Ausstellung ab 3. Oktober im Ziegeleimuseum Lage

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Alle wollten Wärme: Silvia Tyborowski zeigt im Industriemuseum Ziegelei Lage einen kleinen Teil ihrer Wärmflaschensammlung. Foto: Krull
Alle wollten Wärme: Silvia Tyborowski zeigt im Industriemuseum Ziegelei Lage einen kleinen Teil ihrer Wärmflaschensammlung. Foto: Krull

Von Karl-Heinz Krull

Sie heißen Wärmflaschen, Bettwärmer, Wärmeflaschen oder Bettflaschen. Und sie wärmen uns selbstlos auch dann, wenn uns sonst nichts auf Wohlfühltemperatur bringt. Aber ihre Blütezeit ist vorbei.

Lage. Bei Silvia Tyborowski wärmen sich rund 120 Modelle gegenseitig auf langen Regalbrettern. Ins Bett kommen sie jedoch nur noch selten. "Eine Freundin meiner Tochter wollte unbedingt mal eine meiner Wärmflaschen mit ins Bett nehmen. Es hat ihr sehr gefallen", lächelt Silvia Tyborowski, und schon denkt man an warme Betten in kalten Nächten.

Was der Besuch da im Bett hatte, hat aber mit der Kunststoffwärmflasche, wie es sie im Drogeriemarkt zu kaufen gibt, wenig Ähnlichkeit. Die Wärmespeicher der Hausherrin sind aus Kupfer, aus verzinktem Blech, aus Messing, aus Keramik oder aus Zinn. Alles Unikate. Sie sehen aus wie große Eier, wie Zylinder, wie Bücher, wie Pfannen oder wie überdimensionierte Linsen. Die Vielfalt scheint unerschöpflich und doch lieferten sie ihren Besitzern nur eins: wohlige Wärme und das nicht nur im Bett.

Silvia Tyborowski zeigt das kleine Zinnmodell, das im Muff mitgenommen werden konnte. Das Modell mit den Aussparungen für die Babyflaschen, das gleich zwei Dinge auf einmal erledigte. Die halbrunden Flaschen, die, mit Gurt am Körper befestigt, Nieren, Ischiasnerv und Hexenschuss wärmten. Kutscher stellten ihre Füße drauf, Jäger hatten eine in der Tasche, und sogar in den Puppenstuben gab es sie in klein.

Welche Rolle die Wärmeflasche im Alltag spielte, ist kaum dokumentiert. Ihre Bedeutung kann man aber erahnen, wenn man die liebevoll verzierten Modelle mit Datum und Namen sieht, die Silvia Tyborowski gesammelt hat. "Die Vielfalt fasziniert mich. Es ist ein Gegenstand der Alltagskultur, der in Vergessenheit gerät", sagt sie. Die Wärmflaschenkultur liegt am Boden - ruiniert vom warmen Haus. Überall Heizung, keine kalten Zimmer, nirgendwo ziehts. Wir greifen allenfalls noch zur Heizdecke oder zum Körnerkissen. Die machen, anders als ihre metallenen Ahnen, aber nicht viel her.

1999 hatte Silvia Tyborowski in dem von ihrer Familie gekauften Haus ihre erste kupferne, eiförmige Wärmeflasche entdeckt. Die Jahre danach waren geprägt von der Suche nach anderen Modellen auf Flohmärkten, im Internet, im Frankreich- oder Holland-Urlaub. Jetzt wird ein Teil ihrer Sammlung im Ziegeleimuseum Lage gezeigt. Ein passender Ort, denn in schlecht gedämmten und sparsam beheizten Zieglerkotten waren Wärmeflaschen unverzichtbar.

Die Ausstellung wird am Samstag, 3. Oktober, um 15 Uhr eröffnet und ist bis Ende November zu sehen.

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