Stockhausen als Gesamtkunstwerk

Merve Kazokoglu gibt außergewöhnlichen Soloabend im Detmolder Konzerthaus

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Starke Vorstellung: Merve Kazokoglu bei ihrem Solabend im Detmolder Konzerthaus.  - © Foto: Kahle
Starke Vorstellung: Merve Kazokoglu bei ihrem Solabend im Detmolder Konzerthaus.  (© Foto: Kahle)

Detmold (ska). Zwei Werke der deutschen Romantik von Weber und Brahms, eingefasst von Kompositionen von Karlheinz Stockhausen: Eine ungewöhnliche, aber glückliche Programmfolge hatte Merve Kazokoglu, Klarinettistin aus der Klasse von Prof. Thomas Lindhorst, für ihr Konzertexamen gewählt.

Stockhausens Komposition "In Freundschaft" für Klarinette solo von 1977 zeigt in einer Spieldauer von 15 Minuten die ganze Bandbreite dessen, was auf der Klarinette möglich ist. Schon bei den ersten Tönen lauscht das Publikum mit gespannter Aufmerksamkeit. Mit Merve Kazokoglu hat eine Künstlerin die Bühne betreten, die das Stück souverän interpretiert und mit ihrer Persönlichkeit, Körperbewegung und Mimik die Musik mit Leben erfüllt.

Die Bewegungen erklären die Musik, geben ihr eine räumliche Dimension und haben dadurch eine tragende Funktion. Es folgt das frühromantische "Grand Duo concertant" von Carl Maria von Weber, das besonders im Schlusssatz die für Weber typische Mischung von Virtuosität und Leichtigkeit erfordert.

Merve Kazokoglu und Hiroko Arimoto am Flügel beherrschen beides und lassen das Schwierige leicht erscheinen. Im langsamen, in Moll stehenden Mittelsatz zeigt Merve Kazokoglu die Fähigkeit, eine getragene Melodielinie im Piano mit großer Intensität und wunderbarem Legato zu erfüllen. Man sagt, die Klarinette sei der menschlichen Stimme am ähnlichsten: Hier konnte man es hören.

Nach der Pause folgte eine gelungene und reife Interpretation der Sonate f-Moll op. 120 mit großer Ausdrucksbreite zwischen Virtuosität und romantischer Empfindsamkeit. Berückend schön gespielt das Thema zu Beginn des zweiten Satzes! Am Ende des Konzertes stand mit dem Solostück  "Der kleine Harlekin" wieder Stockhausen,  der für dieses Werk ein Harlekinkostüm und eine Choreographie vorschreibt. Merve Kazokoglu spielt und tanzt das Stück  mit Grazie und dem Spaß einer echten Komödiantin. Sie verlässt die Bühne, nimmt vor der Orgel Platz, geht durch den Zuschauerraum…  Es entsteht eine Einheit von Musik, Tanz, Licht und Raum: Musiktheater jenseits der Opernbühne.
Merve Kazokoglu führt einen intensiven Dialog mit dem Publikum, das nach dem letzen Ton mit begeistertem Applaus für einen faszinierenden Konzertabend dankt.

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