Ein selten schönes Konzert…

Drei herausragende Musiker und das Kammerorchester bereiten dem Publikum ein Fest

Von Andreas Schwabe

Stürmischer Beifall ergoss sich über die herausragende Klarinettistin Merve Kazokoglu. - © Foto: Schwabe
Stürmischer Beifall ergoss sich über die herausragende Klarinettistin Merve Kazokoglu. (© Foto: Schwabe)

Detmold. Mit mehr als 400 Veranstaltungen tritt die Hochschule für Musik im Jahr an die Öffentlichkeit. Und immer wieder hebt sich ein Konzert aus der Fülle hervor.

So am Freitagabend. Da gaben drei herausragende Musiker ein selten schönes Konzert mit dem Detmolder Kammerorchester. Gleich in mehrfacher Hinsicht war dies etwas ganz Besonderes. Zum einen standen Komponisten auf dem Programm, denen der übliche Konzertbetrieb keine Aufmerksamkeit schenkt, obwohl ihre Musik auf höchstem Niveau Einblicke in die Suche nach nationalen beziehungsweise regionalen Klangbildern gibt. Wichtiger war aber vielleicht, dass die zahlreichen Besucher von den drei Ausführenden in Gipfellagen musikalischer Interpretation hinaufgeführt wurden, die in ganz besonderer Weise das Wesen des Musizierens offenbarten.

Die beiden Klarinettistinnen Azusa Katayama und Merve Kazokoglu sowie der Gitarrist Juan Carlos Arancibia haben jene Stufe der Virtuosität erreicht, auf der ihre Instrumente ihre gesamte Welt an Ausdrucksmöglichkeiten mit unendlicher Leichtigkeit vor den Hörern auszubreiten vermögen. Die Schönheit ihres Musizierens wurde so zur wirklich hörbaren Utopie eines Daseins, in dem dem Leben jede Mühe genommen wird. Vielleicht ist es immer wieder diese fühlbare "Erkenntnis", die die Zuhörer zu überschäumenden Begeisterungsstürmen hinreißt.

Unter den Zuhörern waren auch jene, die diese Freude mit Stolz erfüllt haben wird: die Professoren Thomas Lindhorst und Thomas Kirchhoff. Lindhorst hat den beiden Klarinettistinnen bei der Ausformung ihres übergroßen Talents beigestanden, während Kirchhoff dem Gitarristen zur wegweisenden Hilfestellung wurde. Alle drei "mussten" vorher den Soloabend und die Repertoireprüfung als die beiden wesentlichen Bestandteile der höchsten Ausbildungsstufe, die eine Musikhochschule anbieten kann, mit Auszeichnung bestehen, um als Solisten vor einem Orchester auftreten zu dürfen.

Professor Karl-Heinz Bloe­meke formte das Orchester zu einem gleichwertigen musikalischen Partner der Solisten, der die auch an ihn gestellten hohen Ansprüche der Komponisten so zu meistern wusste, dass sie den Erfolg der drei nachhaltig unterstützten. In dieser Hinsicht stellte das Klarinetten-Konzert des Dänen Carl Nielsen (1865 – 1931) die höchsten Anforderungen an Solistin und Orchester. Seine Musik entfaltet eine an Richard Strauss erinnernde Komplexität, in der etwa eine an dänische Volksmusik angelehnte Melodik oder eine als dänisch hörbare "Mentalität" der Musik, wenn überhaupt, nur ganz unterschwellig vernehmbar ist. Der Klarinette bietet dieses Konzert allerdings immer wieder fast bizarr ausgemalte Räume an, in denen dieses Instrument seine schier unerschöpflichen Charaktere herrlich auszuspielen vermochte.

Dass Aaron Copland (1900 -1900) die Klarinette in seinem Concerto auf eine Reise durch die USA schickt, war weit leichter mitzuhören. Azusa Katayama durchstreifte erst mit viel pastoraler Innigkeit die offenen Weiten Amerikas, bevor sie sich mit viel Humor in die swingenden Turbulenzen eines aufregenden Stadtlebens stürzte.

Juan Carlos Arancibia spielte mit dem Kammerorchester das berühmteste Konzert für sein Instrument, in dem der Komponist Joaquin Rodrigo (1901 – 1999) seine Hörer tief in die musikalische Seele Spaniens hineinführt. Dabei gelang es den Ausführenden hörbar zu machen, warum das Adagio dieses Konzertes einen weit über die klassische Musik hinausreichenden Weltruhm erlangte.

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