Der Verein "Ausrangiert und Abgeschoben" gibt Hunden eine zweite Chance

Die Mitglieder vermitteln gequälten und abgegebenen Tieren ein neues Zuhause

Alexandra Schaller

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Toben durchs Gras: Sandra Klatt (links) und Nina Weist vom Verein „Ausrangiert und Abgeschoben" spielen mit ihren Schützlingen, die in der Vergangenheit viel Schlimmes erlebt haben. - © Alexandra Schaller
Toben durchs Gras: Sandra Klatt (links) und Nina Weist vom Verein „Ausrangiert und Abgeschoben" spielen mit ihren Schützlingen, die in der Vergangenheit viel Schlimmes erlebt haben. (© Alexandra Schaller)

Lage. Sieht man den zweieinhalbjährigen polnischen Mischlingsrüden Buddy mit seinen drei vierbeinigen Kollegen friedlich über die Wiese tollen, kann man sich kaum vorstellen, was diese Tiere schon erleben mussten. Sie sind sie nur einige von unzähligen gequälten, vernachlässigten oder abgegebenen Hunden, um die sich der Verein „Ausrangiert und Abgeschoben" kümmert.

„Neben Besitzern, die ihren Hund abgeben wollen oder müssen, kümmern wir uns vor allem um Hunde von sogenannten Hinterhof-Vermehrern. Diese produzieren meist unter schrecklichen Bedingungen Billig-Welpen", erzählt Nina Weist, zweite Vorsitzende des Vereins. Über den Amtsveterinär, von den Besitzern selbst oder über Mundpropaganda erfährt der Verein von „ausrangierten" Zuchthunden, die Weist und ihre Kollegen dann in ihre Obhut nehmen. „Wir bringen die Tiere zuerst in Pflegestellen unter", erklärt die Erzieherin das Vorgehen.

Information
40 Pflegestellen

Der Verein „Ausrangiert und Abgeschoben" ist 2010 ins Leben gerufen worden. In den vergangenen sechs Jahren wurden von insgesamt 420 Hunden auch 49 nach Lippe vermittelt. Im gesamten Kreisgebiet gibt es derzeit rund zehn Pflegestellen, die einen Hund betreuen – davon zwei in Lage. Deutschlandweit zählen rund 40 Pflegestellen zum Verein. Ein Team aus gut 15 Helfern betreut diese Pflegestellen, organisiert Fahrketten oder übernimmt die Nachbetreuung der Hunde. Sämtliche Arztkosten, die der Pflegestelle anfallen, werden übernommen.

Auch Sandra Klatt betreut derzeit neben ihren fünf eigenen Hunden die zwei polnischen Welpen Mille und Olek. Über den Fortschritt der Kleinen führt sie im Internet auf der Vereinsseite Tagebuch, um Interessenten über Charakterzüge und Können der Vierbeiner zu informieren. Dennoch kann es von einigen Wochen bis hin zu über einem Jahr dauern, bis sich ein neues und vor allem passendes Zuhause findet.

Die Welpen sind oft krank

„Viele Hunde sind zu Beginn krank und oft lebenslang traumatisiert. Man muss ihnen Zeit lassen, sich einzugewöhnen. Manche haben nie das Tageslicht gesehen, sind nie über eine Wiese gelaufen. Sie beginnen ein ganz neues für sie unbekanntes Leben", weiß die ausgebildete Hundetrainerin. Daher gilt die Devise: „Wer einem Hund ein Zuhause geben will, der sollte vorerst nichts erwarten. Umso größer ist hinterher die Freude über die kleinen Fortschritte und das Vertrauen, das einem der Hund schenkt", sagt auch Weist, die ihr Zuhause ebenfalls mit fünf Hunden teilt.

Schuld an den teils erschreckenden Zuchtumständen sei letztlich unsere Gesellschaft, fügt sie an: „Wer für seine Maniküre mehr Geld ausgibt als für einen Hund, der sollte seine Haltung überdenken. Denn erst durch diese ,Geiz-ist-Geil’-Einstellung können Hinterhof-Vermehrer weiter bestehen", betont die 42-Jährige, die weiß, dass die gesparten Kosten einen schnell einholen: „Die Welpen sind oft krank, unterernährt und werden zu früh von ihrer Mutter getrennt. Die Nachsorge wird dann später umso teurer."

Obwohl der Verein auch Hunde aus Belgien oder Polen nach Deutschland holt, ist es allen wichtig, sich vor allem um Schützlinge aus Deutschland zu kümmern: „Pro Jahr holen wir im Schnitt etwa sechs Hunde nach Deutschland. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass auch unsere Tierheime voll sind. Und jeder Hund, der in einer unserer Pflegestellen untergebracht ist, soll auch zeitnah eine Chance auf ein neues Zuhause haben", betont Nina Weist.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.ausrangiert-und-
abgeschoben.de.

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