Lage muss 150 Jahre alte Kastanie fällen lassen

Der mächtige Baum ist von einem Bakterium befallen, das ihn von innen schwächt

Wolfgang Becker

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Kein gutes Zeichen: Pilze haben sich auf der Rinde der bereits stark geschwächten Kastanie angesiedelt. Pfarrer Rainer Stecker (rechts) und Bauausschussvorsitzendem Klaus Kubach bleibt keine andere Wahl als die Fällung in Auftrag zu geben. - © Wolfgang Becker
Kein gutes Zeichen: Pilze haben sich auf der Rinde der bereits stark geschwächten Kastanie angesiedelt. Pfarrer Rainer Stecker (rechts) und Bauausschussvorsitzendem Klaus Kubach bleibt keine andere Wahl als die Fällung in Auftrag zu geben. (© Wolfgang Becker)

Lage. Rund 150 Jahre hat die mächtige Kastanie auf dem Platz vor der Marktkirche auf dem Buckel. Generationen von Kirchgängern haben sich an ihr erfreut, doch jetzt naht das Ende des Baumes mit dem stattlichen Stammumfang von fast 3,50 Metern. Am Montag, 21. November,werden sich Spezialisten eines Gartenbauunternehmens daran machen, die Kastanie fachmännisch zu fällen.

Der Grund: Ein Bakterium namens „Pseudomonas syringae" hat den Riesen mit einer Höhe von rund 15 Metern befallen und schädigt ihn von innen. „Erkennbar ist das an den lichten Stellen, an den früh gelb werdenden und dann noch vor dem Herbst herabfallenden Blättern", weiß Pfarrer Rainer Stecker. Auch sei es in der Vergangenheit schon des öfteren vorgekommen, dass größere Äste bei stärkerem Wind abgebrochen und zu Boden gestürzt seien. „Um die Menschen, die über den Kirchplatz gehen, nicht zu gefährden, haben wir uns vom Kirchenvorstand schweren Herzens entschlossen, den Baum fällen zu lassen", so der stellvertretende Vorsitzende.

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Bakterium ist bundesweite Plage

Erst beginnen sie zu „bluten",ein harziger Saft tritt aus, dann werden die Wunden in der Rinde von Pilzen befallen, und schließlich geht alles ganz schnell: Eben noch prächtige Rosskastanien verfaulen bei lebendigem Stamm. Bevor ihr morsch gewordenes Geäst Menschen erschlägt, müssen sie gefällt werden. „Uns blutet das Herz, uns von unserer Kastanie auf dem Kirchplatz trennen zu müssen, aber uns bleibt keine andere Wahl", bedauert Pfarrer Rainer Stecker die bevorstehende Fällung. Schuld an der Baumkrankheit ist „Pseudomonas syringae pv. aesculi." Das gefräßige Bakterium ist bundesweit zu einer Plage geworden.

In die gleiche Kerbe haut Bauausschussvorsitzender Klaus Kubach. „Dass der Baum schwer krank ist, erkennt man auch am zunehmenden Pilzbefall. Zudem ist die Rinde in Bodennähe schon ganz faul", ergänzt er. In erster Linie würden von dem Bakterium Bäume befallen, die zwischen 100 und 150 Jahre alt sind. Die Kastanie vor der Marktkirche sei wahrscheinlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der evangelisch-reformierten Gemeinde gepflanzt worden. „Die Stadt hat uns zur Auflage gemacht, für Ersatz zu sorgen", erläutert Bauausschussvorsitzender Kubach. Weil die Kastanie so bedeutend sei, sei ein Baum als nicht ausreichend angesehen worden. Acht sollten es sein. Doch schließlich habe man sich auf eine Linde geeinigt. Der bereits etwa sechs Meter hohe Baum wird nach dem Gottesdienst am 4. Dezember auf dem Kirchplatz gepflanzt.

„Das passt auch sehr gut zu unserem Lutherjahr, das wir jetzt eröffnet haben. Eine Baumpflanzung gilt ihm als Zeichen der Hoffnung", erklärt Pfarrer Stecker. Der Kirchplatz wird am 21. November komplett gesperrt. Die Kastanie werde zunächst von oben gekürzt und dann Stück für Stück abgetragen. Der Stumpf, so Klaus Kubach, werde komplett ausgefräst und dann ausgegraben. „Damit wollen wir sicher gehen, dass keine Bakterien im Boden zurückbleiben." Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf 2300 Euro.

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