Bruno Hose ist auch nach einem halben Jahrhundert als Anwalt aktiv

Wolfgang Becker

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Bruno Hose mit der von ihm bei kühler Witterung heiß geliebten Kopfbedeckung. Mittlerweile pendelt er zwischen Lage und seiner neuen Wahlheimat auf den Philippinen. - © Wolfgang Becker
Bruno Hose mit der von ihm bei kühler Witterung heiß geliebten Kopfbedeckung. Mittlerweile pendelt er zwischen Lage und seiner neuen Wahlheimat auf den Philippinen. (© Wolfgang Becker)

Lage. Sein Name steht immer noch ganz oben auf der Plexiglas-Tafel am Eingang zur Kanzlei in der Gerichtsstraße. Zwar ist Bruno Hose schon 2013 aus dem von ihm vor genau 50 Jahren gegründeten Anwaltsbüro ausgeschieden, doch so ganz kann er die Finger von der Juristerei, speziell dem Insolvenzrecht, noch nicht lassen.

Auch mit knapp 85 Jahren ist der Lagenser noch in dem Beruf aktiv, der sein Leben bestimmt hat. „An einem Fall arbeite ich noch. Dabei geht es um ein ehemals großes Bauunternehmen aus dem südostlippischen Raum", sagt Hose. „Wenn ich den in den nächsten Wochen abgeschlossen habe, dann ist endgültig Schluss." Obwohl – es gibt noch frühere langjährige Mandanten, die ihn anrufen, sich nach seinem Befinden erkundigen und ganz beiläufig einen juristischen Rat von ihm haben wollen. „Ich habe mich aber verpflichtet, dergleichen nicht mehr zu geben."

Am 5. Dezember 1966 eröffnete Bruno Hose in der Gerichtsstraße in Lage seine Rechtsanwaltskanzlei, die er von dem verstorbenen Dr. Plessmann übernahm. Zuvor hatte er bei verschiedenen Kollegen gearbeitet, erlernte bei ihnen das Lesen von Bilanzen und war vorübergehend sogar Geschäftsführer einer Maschinenfabrik. „Diese Zeit hat mir das Rüstzeug für meine spätere Tätigkeit im Insolvenzrecht verschafft", erinnert er sich. Damals sei diese Sparte der Rechtspflege nicht sonderlich beliebt bei den Juristen gewesen. 1970 erhielt er die Zulassung als Notar, 1979 habe er die höchste Zahl an Beurkundungen verzeichnet, die jemals in Lippe vorgenommen wurden. Fünf Jahre zuvor trat Dr. Horst Rodekamp mit in die Praxis ein, die sich im Laufe der Jahre zur größten Kanzlei im Kreis Lippe entwickelte.

An seinen spektakulärsten Fall kann sich Bruno Hose noch sehr gut erinnern. Ein Betrieb war in Konkurs gegangen, und im Laufe des Verfahrens brachte der Rechtsanwalt die betrügerischen Finanzmanipulationen des einstigen Firmenchefs ans Licht. Der erhielt dafür vom Gericht später die Quittung: zehn Jahre Haft ohne Bewährung.

Im Laufe der Zeit habe sich das Prozedere der Verfahren verändert. Habe früher die Befriedigung der Ansprüche der Gläubiger im Vordergrund gestanden, so gehe es heute eher um den Erhalt von Arbeitsplätzen, um die Sicherung eines Wirtschaftsstandortes. Rückblickend ist Bruno Hose mit sich und seinem Lebenswerk im Reinen. Seinen 85. Geburtstag feiert er am 15. Dezember im kleinen Kreis mit Kindern, Enkeln und engen Freunden. Zum 50. Jubiläum seiner Kanzlei am 5. Dezember geht er mit früheren Mitarbeitern essen. Weihnachten will er dann wieder in seiner Wahlheimat Angeles auf den Philippinen sein.

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Hose brachte den Anwaltsverein in ruhiges Fahrwasser


Zehn Jahre lang war Bruno Hose Vorsitzender des Lippischen Anwaltvereins, 16 Jahre im Vorstand der Rechtsanwaltskammer Hamm und dort 14 Jahre Vorsitzender des Fachausschusses Insolvenzrecht. „Nach einer turbulenten Zeit ist es Bruno Hose mit Bravour gelungen, den Lippischen Anwaltverein wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen", erinnert sich sein Nachfolger als Vorsitzender, Rechtsanwalt und Notar Klaus-Peter Hohenner aus Blomberg.

Damit habe er ein Prinzip der Nautik umgesetzt, für die sich sein Lagenser Kollegen als passionierter Segler und Inhaber aller Patente doch so sehr begeistere. „In vielen Bereichen ist er Vorbild für die nachfolgende Generation", so Hohenner, der mittlerweile sein Amt an Wolf-Dieter Tölle (Detmold) weiter gegeben hat.⋌ (be)

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