Interview: Vitamin D ist nicht alleine durch Lichteinstrahlung zu decken

Cordula Gröne

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Sonne ist wichtig. Dennoch reicht sie meist nicht aus um den Vitamin D Bedarf zu decken. - © Symbolbild: Pixabay
Sonne ist wichtig. Dennoch reicht sie meist nicht aus um den Vitamin D Bedarf zu decken. (© Symbolbild: Pixabay)

Lage. An vielen Wintertagen lässt sich die Sonne nicht 
blicken, und die Kälte lädt nicht unbedingt zum Spaziergang ein. Doch die magere Lichtausbeute kann für viele Menschen gesundheitliche Folgen haben, weil zu wenig Vitamin D in der Haut produziert wird. Darauf weist der Lagenser Allgemeinmediziner Dr. Uwe Burghardt im LZ-Interview hin.

Ist das Vitamin D ein unterschätztes Vitamin?

Dr. Uwe Burghardt: Auf jeden Fall. Es ist von der Grundstruktur eher ein Hormon, wird aber seit der Aufklärung über diese Dinge unter die Vitamine eingruppiert. Obwohl es in seinen Wirkungen über die Vitamine hinaus geht. Es wird mit Sonneneinwirkung über Vorstufen in der Haut gebildet und letztlich dann in den Nieren aktiviert.

Welche Wirkungen hat es?

Dr. Burghardt: Wir haben an vielen Geweben im Körper einen Vitamin-D-Rezeptor. Es wurde festgestellt, dass viele Stoffwechselprozesse davon abhängen – bis zum Knochenstoffwechsel. Das Vitamin hat Einfluss auf das Immunsystem, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen. Es wirkt vorbeugend gegen Krebs und wird auch in der Krebstherapie eingesetzt. Es hilft bei entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems wie Multiple Sklerose und allgemein bei Auto-Immunerkrankungen, und es kann einer Demenz vorbeugen. Bei älteren Menschen erhält es die Mobilität über eine Verbesserung der Muskelfunktion und wirkt damit Sturzgefahren entgegen.

Das ist eine ganze Menge. Wie äußert sich denn ein Mangel?

Dr. Burghardt: Das ist schwierig, weil die Symptome und Wirkungen vielfältig sein können. Osteoporose kann durch einem Mangel an Vitamin D hervorgerufen werden, weil es für die Aufnahme von Calcium aus dem Darm notwendig ist, oder auch Depressionen. Wenn jemand hier sitzt und ständig Infektionen hat und ich unter anderem einen Eisenmangel ausgeschlossen habe, dann findet sich häufig ein Vitamin-D-Mangel. Vier von fünf Patienten haben einen solchen.

Wie kann jeder vorbeugen?

Dr. Burghardt: Man sollte mindestens 15 Minuten etwa 25 Prozent der Hautoberfläche, also Kopf, Hände und Arme, täglich der Sonne aussetzen, um eine ausreichende Bildung in der Haut zu haben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt, dass man täglich rund 20 Mikrogramm über die Ernährung aufnehmen aufnehmen sollte, im Schnitt nehmen wir aber nur 2 Mikrogramm auf – das ist also deutlich zu wenig.

Über die Ernährung kann man den Bedarf nicht decken?

Dr. Burghardt: Höchstens mit Lebertran. Sie wollen aber sicher auch nicht täglich 500 Gramm fetten Seefisch zu sich nehmen. Insbesondere haben Schwangere häufig einen Mangel. Untersuchungen zeigen aber die Wichtigkeit der Vitamin D-Versorgung für die weitere Entwicklung des Kindes. Dazu kommt, dass wir hier in unseren Breiten von Oktober bis April einen niedrigen UV-Index haben. Der sollte über 3 liegen, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion in der Haut anzuregen. Den erreichen wir aber in dieser Jahreszeit nicht mehr. Viele Patienten haben schon im Oktober einen schlechten Vitamin D-Spiegel, obwohl sie im Sommer viel draußen waren. Das kann an der Verwendung von Sonnenschutz, Sonnencreme und Make-up liegen, und wir alle halten uns mehr in geschlossenen Räumen auf.

Wie kann man den eigenen Vitamin-Spiegel ermitteln?

Dr. Burghardt: Es empfiehlt sich, das über eine Blutuntersuchung prüfen zu lassen. Der ideale Vitamin-D-Spiegel liegt bei 30 bis 35 Nanogramm pro Milliliter. Bei einem Mangel muss man den eigenen Speicher erst auffüllen und bei Bedarf sogar täglich 20.000 Einheiten in Form einer Tablette einnehmen. Die Messung von vorhandenem Vitamin D geschieht nach einem Standard von internationalen Einheiten. Die aktuelle Empfehlung liegt zwischen 2.000 bis 4.000 Einheiten pro Tag.

Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten?

Dr. Burghardt: Ich kann leider nicht bei jedem Problem eine Untersuchung veranlassen. Es handelt sich aktuell um eine individuelle Gesundheitsleistung. Die Kosten von etwa 32 Euro muss der Patient zur Zeit noch selbst bezahlen.

Paula erklärt's!

Vitamine sind winzigkleine Stoffe, die jeder Körper braucht, um gesund zu bleiben. Sie befinden sich in Obst und Gemüse, Milch, Nüssen oder Fleisch.Vitamine sind wichtig damit Du nicht krank wirst, für die Nerven und Augen, die Verdauung, Dein Wachstum und vieles mehr.Da Dein Körper Vitamine selbst gar nicht oder zu wenig selbst herstellen kann, musst Du sie über die Nahrung zu Dir nehmen.

Einige Vitamine sind wasserlöslich, andere lösen sich auch im Körper nur zusammen mit Fett auf, weswegen man dann immer ein bisschen Fett dazu essen sollte. Die meisten Vitamine nimmst Du mit dem Essen zu Dir, vor allem durch Obst und Gemüse. Deshalb ist es wichtig, täglich möglichst fünf Portionen davon zu essen.

Eine Portion ist so groß, dass sie in deine Hand passt. Die meisten Menschen nehmen so genug Vitamine zu sich. Wer sich allerdings vegan ernährt, also kein Fleisch und keinen Fisch ist, sollte das Vitamin B 12 in Form von Tabletten essen, um einen Mangel im Körper zu vermeiden. Das Vitamin ist wichtig, damit Nerven, Blut und der Stoffwechsel gut arbeiten können.

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