Lagenserin gesteht Giftanschlag-Androhung vor Gericht

André Gallisch

  • 0
Vor Gericht: (von links) Rechtsanwältin Susanne Weiß, Angeklagte Kirsten K. (Name geändert) und Hauptwachtmeister Reinhard Kleesiek. - © Archivfoto: André Gallisch
Vor Gericht: (von links) Rechtsanwältin Susanne Weiß, Angeklagte Kirsten K. (Name geändert) und Hauptwachtmeister Reinhard Kleesiek. (© Archivfoto: André Gallisch)

Detmold/Lage. Die E-Mail-Androhung eines Giftanschlags, verbunden mit Geldforderungen, hatten am 7. November 2016 für helle Aufregung beim Jugendamt Lage gesorgt. Als Reaktion darauf wurden Gebäude der Stadtverwaltung evakuiert. Seit gestern muss sich Kirsten K. (Name geändert) unter anderem wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Detmold verantworten.

„Ich wollte Angst verbreiten", nannte die 31-Jährige ihren Beweggrund. Niemals habe sie vorgehabt, diese Drohung in die Tat umzusetzen, geschweige denn, die Geldforderungen von mal 100.000, mal 200.000 Euro wirklich ernst gemeint.

Information
Die Verhandlung wird am 25. April ab 10.30 Uhr am Gericht fortgesetzt.

Jahrelang seien ihre Meldungen bei Jugendamt und Gericht – nach ihrer Darstellung Schikanen bis hin zu „Morddrohungen" vom Vater ihrer Tochter – nicht gewürdigt worden. Im Gegenteil, das Ganze habe dazu geführt, dass ihr das Kind weggenommen worden sei und es mittlerweile bei dessen Vater lebe.

Auslöser für die Drohmails sei ein Anruf des Jugendamtes – „hinter meinem Rücken" – in einer Therapieeinrichtung gewesen. Dort sei sie nach einem psychischen Zusammenbruch in stationärer Behandlung gewesen. Im Alter von 18 Jahren sei eine psychische Erkrankung bei ihr das erste Mal diagnostiziert worden.

Die Idee, die Jugendamtsmitarbeiter in Angst und Schrecken zu versetzen, sei am Ende der Therapie in ihr gewachsen. Unter starkem Alkoholeinfluss – „eine halbe Flasche Wodka" – habe sie erstmals am Sonntag, 6. November, den noch in nüchternem Zustand verfassten Text über das Kontaktformular der Stadt Lage abgesandt.

Amokläufe und Anschläge angekündigt

Am darauffolgenden Montag habe sie dann, erneut unter Alkohol, weitere Mails mit Geldforderungen und Übergabemodalitäten versandt. „Ich war die ganze Zeit Zuhause", erzählte die Angeklagte. Sie habe überhaupt kein Interesse daran gehabt, zu prüfen, ob man auf ihre Geldforderungen eingegangen sei. Auch die ebenfalls per E-Mail an fünf Lagenser Schulen versandte Ankündigung von Amokläufen habe sie niemals in die Tat umsetzen wollen.

In einer weiteren Anklageschrift werden Kirsten K. die Brandlegung in ihrer damaligen Lagenser Wohnung im März 2015 sowie Anschlagsdrohungen gegen eine Spielothek, den Bahnhof und das Rathaus auf der Online-Anzeigen-Seite der Polizei NRW im Juni und Widerstand sowie Beleidigung von Polizeibeamten im August 2015 vorgeworfen.

Eine vorsätzliche Brandstiftung in ihrer Wohnung bestreitet Kirsten K. vehement - obwohl dem Gericht eine E-Mail der Angeklagten vom Morgen dieses Tages vorliegt, in der sie schreibt: „Ich geh heute noch etwas anstellen – um aus dem Leben zu gehen."

Sie vermutet, der Brand könne durch herabgefallene Zigarettenglut ausgelöst worden sein. Die Mails an die Polizei NRW bestreitet sie. Die Gegenwehr gegen Polizeibeamte, die sie mit Feuerzeug und Flaschenöffner beworfen und mit einer Schere bedroht haben soll, räumte sie ebenso ein wie Beleidigungen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!