Otto Lücke fällt bei der Wahl durch

Wolfgang Becker

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Sichtlich verärgert: Otto Lücke kurz nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses mit der Vorsitzenden der FWG-Fraktion im Rat der Stadt Lage, Angelika Schapeler-Richter. - © Wolfgang Becker
Sichtlich verärgert: Otto Lücke kurz nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses mit der Vorsitzenden der FWG-Fraktion im Rat der Stadt Lage, Angelika Schapeler-Richter. (© Wolfgang Becker)

Lage. Eigentlich nur eine Formalie, doch die geriet zu einem Desaster. Otto Lücke von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) sollte in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause zum dritten stellvertretenden Bürgermeister der Stadt gewählt werden. In geheimer Abstimmung sprachen sich jedoch 19 Ratsmitglieder gegen den 76-Jährigen aus, nur 16 für ihn.

Sichtlich erschüttert nahm Otto Lücke, der vor gut 15 Jahren von den Freien Demokraten zu den Freien Wählern gewechselt war, das Ergebnis der Auszählung zur Kenntnis. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Resultats wandten sich die Politiker wieder der Tagesordnung zu, kommentiert wurde der Wahlausgang von niemandem.

Zu Beginn der laufenden Legislatur hatten die einzelnen Fraktionen der Zählgemeinschaft aus CDU, FDP, FWG, BBL und Aufbruch C vereinbart, dass Otto Lücke jetzt in der Mitte das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters von der Liberalen Gerda Gaus übernehmen sollte.

„Wie sich jetzt gezeigt hat, war es ein ärgerlicher Fehler von mir, mich 2014 auf diese Absprache einzulassen. Ich hätte besser damals direkt nach der Kommunalwahl dieses Amt übernehmen sollen. Dann wäre Gerda Gaus eben jetzt gewählt worden", sagte Otto Lücke am Freitag im Gespräch mit der LZ. Damals sei lange mit der Zählgemeinschaft diskutiert worden, schließlich habe er sich zu der Regelung breitschlagen lassen.

Der 76-Jährige ist ein Urgestein der Lagenser Lokalpolitik, in der er seit gut 40 Jahren mitarbeitet und sich stets kritisch zu verschiedensten Themen äußert. Auch Streit mit Fraktionskollegen geht er nicht aus dem Wege – das war schon bei den Freien Demokraten so und ist bei der FWG nicht anders geworden. Ebenso bekannt ist Otto Lücke auch für seine unkonventionellen Ideen. So hatte er bei der Diskussion um die Friedhofskapelle in Hagen kurzzeitig in Erwägung gezogen, sie selbst privat zu übernehmen, um sie vor dem Abriss zu schützen.

Im Herbst soll im Lagenser Rat ein nächster Versuch gestartet werden, das Amt des dritten stellvertretenden Bürgermeisters/der dritten stellvertretenden Bürgermeisterin zu besetzen. Hauptamtlicher Bürgermeister Christian Liebrecht (CDU) bedauerte, dass es im Rat nicht gelungen sei, einen Nachfolger für Gerda Gaus zu installieren, die Mitte August ausscheidet. Ihr Ratsmandat behält sie aber.

Die anfallende repräsentative Arbeit müsse nun, so Liebrecht, zwischen ihm und seinen beiden anderen Stellvertreterinnen Monika Rieke (SPD) und Sabine Fieke (CDU) aufgeteilt werden. „Wichtig ist, dass die Vakanz Anfang September beendet ist", sagte der Bürgermeister.
Es sei allein mit Blick auf die Vorweihnachtszeit mit 15 adventlichen Feiern ein Unterschied, ob dieses Pensum durch Vier oder durch Drei geteilt werde.

Wahl muss geheim sein

Nach der Gemeindeordnung von Nordrhein-Westfalen müssen stellvertretende Bürgermeister geheim gewählt werden, wenn es, wie in diesem Fall, um eine Nachwahl geht. Gewählt ist die vorgeschlagene Person, wenn sie mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erreicht hat. Stimmberechtigt sind der Bürgermeister und alle Ratsmitglieder.

Kommentar: Die Politik kann unerbittlich sein

Von Wolfgang Becker

Durchgefallen, nicht gewählt: Das ist mehr als bitter für Otto Lücke, aber auch für das Ansehen der Lokalpolitiker in Lage, die dem nicht immer bequemen Ratsherrn mal ordentlich eins auswischen wollten, was ihnen auch trefflich gelungen ist. Stimmen aus seinem eigenen Lager der Zählgemeinschaft verhinderten zusammen mit denen aus der Opposition seine Wahl zum dritten stellvertretenden Bürgermeister. Dabei war zu Beginn der Legislatur etwas anderes abgesprochen: Lücke sollte in der Mitte der Wahlperiode Gerda Gaus ablösen und bis Herbst 2020 repräsentative Aufgaben übernehmen.

Jetzt zeigt sich, dass nicht nur einige Alte im Rat noch eine Rechnung mit Otto Lücke offen hatten, der einst von der FDP zur FWG wechselte, was ihm manche bis heute nicht verziehen haben. Auch scheint die Absprache von 2014 in der Zählgemeinschaft aus CDU, FDP, FWG, BBL und Aufbruch C nicht mehr allzu viel zu gelten.

Ermüdungserscheinungen, Risse gar, sind deutlich erkennbar. Otto Lücke wird der Makel seiner Nichtwahl nun bis zum Ende seiner politischen Laufbahn anhängen. Wenigstens verkniffen sich einige Ratsmitglieder hämische Kommentare – so viel Anstand besaßen sie dann doch noch.

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