Erinnerungen von überlebenden jüdischen Frauen

Dr. Hans-Jürgen Gaber berichtet über das Leben von vier Autorinnen nach den Nazi-Gräultaten

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Lage (tos). In einer Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus haben die Volkshochschule Lippe-West und die Musikschule jüdische Autorinnen aus der Region ins Blickfeld gerückt.

Unter dem Titel "Frauen im Judentum" hat Referent Dr. Hans-Jürgen Gaber den zahlreichen Zuhörern das Leben und Wirken der aus Lippe stammenden Ruth Margalit (geboren 1931), Ruth Michaelis-Jena (1905 bis 1989), Irma Fechenbach-Fey (1895 bis 1973) und Karla Raveh (geboren 1927) nahe gebracht.

Einfühlsam beleuchtete der Referent, wie die vier Frauen die Gräuel des Dritten Reichs überlebten und wie sie die Zeit danach empfanden. Gaber ließ sie durch ihre eigenen Texte sprechen. Bilder illustrierten seinen Vortrag.

Ruth Michaelis-Jena arbeitete zunächst als Buchhändlerin in Detmold. Sie emigrierte 1938 nach Schottland, wo sie später als Sammlerin englischer und schottischer Märchen bekannt wurde. Auch Irma Fechenbach-Fey gelang es nach der Verhaftung ihres Mannes Felix Fechenbach (1894 bis 1933) im Jahr der Machtergreifung Hitlers ins Exil in die Schweiz und von dort aus weiter in die Vereinigten Staaten zu gelangen.

Ruth Margalit überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt und wanderte später mit ihrem Ehemann nach Israel aus. Nach Kriegsende ging auch die Lemgoerin Karla Raveh, geborene Frenkel, nach Israel. Sie hatte die beiden Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt, doch fast ihre gesamte Familie wurde dort ermordet. In der Vergangenheit war sie des Öfteren in Lippe zu Gast und hat als Zeitzeugin vor allem in Schulen über ihr Leben berichtet. Früher kam sie regelmäßig nach Lemgo und wohnte in der Echternstraße 70, in dem Haus, in dem ihre Familie bis 1942 gelebt hat.

Karla Raveh ist Ehrenbürgerin von Lemgo. Sie hat ein Buch verfasst, in dem sie ihre Zeit vor, in und nach dem Krieg schildert. In diesem Buch sind auch die Erinnerungen ihrer Großmutter Rosenberg enthalten.

Umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung von musikalischen Beiträgen, die von Doris Kahle (Flügel) und Antje Grünwald (Cello) dargeboten wurden. Sie ließen Stücke jüdischer Komponistinnen wie Lena Stein-Schneider (1874-1958) oder Vally Weigel (1894-1982) erklingen und skizzierten deren erschütternden Lebensläufe. 

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