Waddenhauser soll für kurze Bahnfahrt 210 Euro zahlen

Ernst-August Lander wird wegen Schwarzfahrens von Sylbach nach Lage zur Kasse gebeten

Von Wolfgang Becker

210 Euro für

kurze Bahnfahrt - © Lage
210 Euro für
kurze Bahnfahrt (© Lage)

Lage-Waddenhausen. Eine Fahrt mit der Westfalen-Bahn von Sylbach nach Lage kostet normalerweise 3,30 Euro. Ernst-August Lander kommt die sechs Kilometer lange Reise sehr viel teurer zu stehen: Er soll 210 Euro zahlen.

Vor einem Jahr wollte der Waddenhausener nach Lage, um eine Besorgung zu machen. Weil seine Ehefrau an diesem Morgen das Auto brauchte, nahm er den Zug. "Im Bahnhof Sylbach gibt es weder einen Fahrkartenschalter, noch einen Fahrkartenautomaten. Also bestieg ich den Zug nach Lage gezwungenermaßen ohne Fahrausweis", erinnert sich der Diplom-Ingenieur und Betriebswirt.

Prompt kam der Schaffner auf ihn zu. "Als er mich erreichte, bat ich ihn, mir eine Fahrkarte zu verkaufen." Daraufhin soll der Schaffner nach Landers Schilderungen entgegnet haben: "Sie haben keine Fahrkarte?! Das kostet 40 Euro Strafe." Die Erwiderung, er habe keine Karte, weil er in Sylbach keine kaufen konnte, habe der Bahnbedienstete nicht gelten lassen und darauf hingewiesen, dass im Zug Schilder angebracht seien, auf denen darauf aufmerksam gemacht wird, dass es am Ende des Zuges einen Automaten gibt.

Ernst-August Lander ist vom Amtsgericht verurteilt worden - © Foto: Becker
Ernst-August Lander ist vom Amtsgericht verurteilt worden (© Foto: Becker)

"Nach 40 Jahren-Bahn-Abstinenz war mir nicht bekannt, dass ich zunächst alle Hinweisschilder lesen muss. Um so weniger, wenn der Schaffner direkt vor mir steht. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass die Bahn ein Dienstleistungsunternehmen ist, und man sich mit Fragen und Wünschen an das Personal wenden kann. Außerdem war der Automat am Zugende hinter dem Schaffner, so dass ich an ihm hätte vorbeigehen müssen, und dann hätte er mich natürlich auch nach der Fahrkarte gefragt", wundert sich Lander.

Für die Westfalen-Bahn ist er ein ertappter Schwarzfahrer. Weil er sich weigerte, das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro zu zahlen, ging die Sache vor den Kadi. Das Amtsgericht Detmold verurteilte den Waddenhausener zur Übernahme aller Kosten und Gebühren, die sich mittlerweile auf 209,64 Euro belaufen.

"Das Thema ist für die Westfalen-Bahn jetzt vom Tisch", sagt Unternehmenssprecher Thomas Kopp. Das Gericht habe ein Urteil gefällt. Es sei eben nicht so wie vom Beklagten geschildert, dass dieser auf den Kundenbetreuer im Zug zugegangen sei. Vielmehr habe Lander abgewartet und erst auf Ansprache offenbart, dass er keinen Fahrausweis habe. Angesichts von 9.000 bis 10.000 Schwarzfahrern im Jahr nehme Kopp das Urteil der Detmolder Richter mit Genugtuung auf. Ernst-August Lander will die Entscheidung auf keinen Fall akzeptieren und eine Schiedsstelle einschalten.

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