Stadtverwaltung beobachtet demografischen Wandel in Lage

Die Zahl der leeren Häuser wird steigen

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Lage will junge Menschen in überalterte Viertel locken - © Lage
Lage will junge Menschen in überalterte Viertel locken (© Lage)

Lage (as). Die Gesellschaft wird älter: Immer weniger Kinder stehen immer mehr Senioren gegenüber. Der demografische Wandel wird auch Lage verändern. Darüber hat die Stadtverwaltung sich Gedanken gemacht.

"Quartiersbezogene kommunale Altenhilfeplanung" ist der etwas sperrige Titel, unter dem die zu erwartenden Veränderungen untersucht werden. Den Mitgliedern des Sozialausschusses stellten Torsten Fisahn, IT-Fachteamleiter, und Corinna Vogt vom Fachteam Sozialverwaltung jetzt erste Ergebnisse vor, in denen es um die Auswirkungen der Sozialstruktur durch die demografische Entwicklung geht.

Eine erste Erkenntnis daraus lautet: Die kommunale Seniorenpolitik muss sich neu ausrichten. Sie muss laut Fisahn die Wohnsituation, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Versorgungsstrukturen im Blick haben. Man müsse kleinteilig und dezentral denken und die Betroffenen am Prozess beteiligen.

Gebäude wie diese gibt es an mehreren Stellen in Lage. Leer stehende Häuser und Wohnungen jüngeren Datums sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar - ihre Zahl wird in den kommenden Jahren jedoch zunehmen. - © Foto: Asbrock
Gebäude wie diese gibt es an mehreren Stellen in Lage. Leer stehende Häuser und Wohnungen jüngeren Datums sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar - ihre Zahl wird in den kommenden Jahren jedoch zunehmen. (© Foto: Asbrock)

Laut Torsten Fisahn wird es in Lage künftig Wohnquartiere geben, die schrumpfen, aber auch solche, die wachsen. Besonders problematisch wird es in Vierteln mit einer gleichartigen Bevölkerungsstruktur, wie beispielsweise der Papageiensiedlung: "Dort brennt es lichterloh", so Fisahn. Das liegt daran, dass die Häuser der Siedlung alle zur etwa gleichen Zeit gebaut wurden und die Bewohner etwa gleich alt sind. An Schaubildern zeigte Fisahn, dass in wenigen Jahren zunehmend Häuser nur noch von allein stehenden Älteren, zumeist Frauen, bewohnt werden und schließlich leer stehen - ein Effekt, der die Innenstadt ebenso trifft wie die Ortsteile.

Das Verhältnis der Rentner zur Erwerbsbevölkerung ist in Lage überdurchschnittlich hoch: Landesweit liegt dieser Quotient bei 33, in Lage bei 38. Hinzu komme, dass Lippe und Lage Abwanderungsregionen seien: Junge Leute verließen die Stadt und kämen vielfach später nicht zurück. Dieser Anteil liegt nach Fisahns Worten lippeweit bei 20,8 Prozent, für Lage sogar bei 23,5 Prozent.

Für eine überalterte Siedlung bedeutet das: Immer mehr Ältere wohnen zu zweit, schließlich allein in zu großen, energetisch mangelhaften Häusern. Nachbarn sterben, die Nachbarschaftshilfe wird weniger, es drohen Vereinsamung und leere Straßenzüge. "Man muss versuchen, junge Menschen in die Quartiere zu bekommen", so Fisahn. Diese müssen dazu natürlich attraktiv und mit entsprechender Infrastruktur ausgestattet werden.

Corinna Vogt versprach den Mitglieder des Sozialausschusses, die trockenen Fakten durch Quartiersbegehungen zu beleben. Die ersten soll es zu Beginn des neuen Jahres geben.

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