Tatort Primkerstraße: Betrunkene randalieren in Flüchtlingsunterkunft

Im ehemaligen Jugendzentrum leert die Horde einen Feuerlöscher

Till Brand

Jetzt Flüchtlingsheim: Das ehemalige Jugendzentrum ist verwüstet worden. - © Stadt Lemgo
Jetzt Flüchtlingsheim: Das ehemalige Jugendzentrum ist verwüstet worden. (© Stadt Lemgo)

Lemgo. In der Nacht zu Samstag hat eine Horde Jugendlicher in der Asylbewerberunterkunft an der Primkerstraße randaliert. Fremdenfeindliche Motive hegten die jungen Männer im alten Jugendzentrum ersten Erkenntnissen zufolge zwar nicht, gleichwohl schlossen sich Flüchtlinge kurzerhand in ihren Zimmern ein – aus Vorsicht.

Am Ende nahm der Zwischenfall ein kurioses Ende. Doch der Reihe nach: Gegen 3 Uhr war die Handvoll Jugendlicher in die Unterkunft eingestiegen – möglicherweise, um in den ihnen womöglich von früher bekannten Räumen auf die Toilette zu gehen. Denn dort, im Untergeschoss, nahm die Verwüstung, die die Polizei nach Angaben ihres Pressesprechers Uwe Bauer am Samstagmorgen aufgenommen hat, ihren Anfang.

Nach Angaben von Thomas Lenniger vom Sozialamt der Stadt fingen die Jugendlichen bei den Toiletten im Keller an, einen Feuerlöscher leer zu sprühen – die Spur zog sich bis ins Erdgeschoss hinauf, so dass die Stadtverwaltung kurzfristig eine Putzkolonne kommen ließ. „Das sah aus wie nach einem leichten Schneefall", ärgert sich Lenniger.

Der Lärm, den die Horde bei ihrem Dummejungenstreich mitten in der Nacht anrichtete, ließ die schlafenden Asylbewerber aufschrecken, die nach LZ-Informationen vorsichtshalber ihre Zimmertüren absperrten. Als das wohl wenige Minuten währende Gastspiel der Krawallbrüder vorbei und es still im Haus geworden war, lugten die ersten hervor, sahen die Verwüstung, riefen aber zum Bedauern von Thomas Lenniger nicht sofort die Polizei. Als die Feuerwehr vorfuhr, weil ob der Staubentwicklung der Rauchmelder angesprungen war, waren die Täter schon über alle Berge.

Gleichwohl ist Rathausmitarbeiter Thomas Lenniger guter Dinge, die Täter dingfest zu machen. Wie das? Nachdem alle wieder zu Bett gegangen und die Feuerwehr abgerückt war, muss es einen der Täter noch mal an den Ort des Geschehens gezogen haben. Ob seine schwache Blase verantwortlich dafür war, darüber kann nur spekuliert werden.

Fest steht: Die Rückkehr dürfte Folgen haben. Denn als die ersten Flüchtlinge gegen 6 Uhr aufwachten, stießen sie auf den jungen Mann. Unbequem auf einer Treppenstufe schlafend, halb liegend, halb sitzend. Neben ihm: ein Putzeimer. Ob er damit den Schaden beseitigen oder sich zur Not in die Plastikschüssel erleichtern wollte, ist nicht überliefert. Als die Flüchtlinge kurz darauf wieder nach dem Jungen sehen wollte, war er weg.

Was bleibt? Fotos des Lausbuben, die die Flüchtlinge von ihm schossen. Lenniger denkt, so einen Adressaten für die Rechnung der Reinigungsfirma ausfindig zu machen. Nach Angaben von Uwe Bauer hat die Polizei den Staatsschutz eingeschaltet, da sich der Vorfall im Flüchtlingsheim abgespielt hat. Die Kollegen wollen am heutigen Dienstag kommen, um den Fall zu prüfen.

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