Digitalisierungsprojekt: Stadtarchiv sichert 60 alte Filme

Tobias Schneider

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Digitalisierungsprojekt im Stadtarchiv: Mitarbeiter Sven Schmidt sitzt konzentriert an seinem Arbeitsplatz im Süsterhaus und überspielt alte VHS-Kassetten und Super-8-Filme auf den Rechner. - © Tobias Schneider
Digitalisierungsprojekt im Stadtarchiv: Mitarbeiter Sven Schmidt sitzt konzentriert an seinem Arbeitsplatz im Süsterhaus und überspielt alte VHS-Kassetten und Super-8-Filme auf den Rechner. (© Tobias Schneider)

Lemgo. Ein VHS-Kassette ist Sven Schmidt besonders im Gedächtnis geblieben: "Das Videoband aus den 80er Jahren hatte sich aufgelöst", erzählt er. "Deshalb war der Rekorder ganz verklebt, die Kopftrommel hatte schwarze Flecken. Alles musste aufwendig gereinigt werden", führt er aus.

Der Mitarbeiter des Stadtarchivs hat etwa einen Monat lang alte VHS-Kassetten, Super-8-Filme und Minidigitalvideos (DV) in Echtzeit digitalisiert, um die historischen Filme für die Zukunft zu erhalten. Im Laufe des Projektes hat er Aufnahmen von öffentlichen Ereignissen wie Sportveranstaltungen, Feuerwehr- oder Schützenfesten gesichtet, auf den PC überspielt und bearbeitet. Die Lemgoer konnten ihre Bänder bis zum 30. Juni im Süsterhaus abgeben.

Die Arbeit an dem Digitalisierungsprojekt hat Schmidt nach eigenem Bekunden viel Spaß gemacht. Er habe durch die Filme viel über die Geschichte und das Leben in der alten Hansestadt gelernt, sagt der Detmolder. "Es war interessant zu sehen, wie hier früher alles mal ausgesehen hat."

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Die einzelnen Arbeitsschritte

Für das Digitalisierungsprojekt hat Sven Schmidt Filme von VHS, Super 8 und Minidigitalvideo (DV) auf den Rechner überspielt. Dazu leitete er das Material über das jeweilige Abspielgerät zu einem Digitalverteiler, der das Ganze wiederum auf den Laptop überspielte.

Mit Hilfe einer Videobearbeitungssoftware nahm Schmidt dann noch Farbkorrekturen vor. Wer ein Band abgegeben hat, kann das digitalisierte Material beispielsweise auf einer Festplatte oder einem USB-Stick abholen. Wer möchte, darf auch die Originale wieder mitnehmen. Das gesamte Videomaterial soll über kurz oder lang im Archiv einsehbar sein. Aufnahmen von privaten Familienfeiern oder Urlauben hat das Stadtarchiv nicht angenommen.

Sven Schmidt kennt sich in der Audio- und Videotechnik bestens aus. Vor seiner Stelle im Stadtarchiv hat er etwa für das Internationale Kurzfilmfestival in Detmold gearbeitet und auch Kurse in diesem Bereich gegeben. Während er seine Erfahrungen beim Digitalisierungsprojekt im Stadtarchiv schildert, sitzt er in seinem Büro im Dachgeschoss des Süsterhauses. An seinem Arbeitsplatz befinden sich neben einem kleinen Röhrenfernseher auch ein Tonbandgerät und ein Videorekorder.

Bei einigen Beiträgen sei die Bearbeitung leichter, bei anderen schwieriger gewesen, so der Experte. "Manche Filmen waren zum Beispiel altersbedingt oder aufgrund falscher Lagerung beschädigt." Auf manchen Bändern hätten sich neben den relevanten Aufnahmen noch weitere, teils ungeordnete Ausschnitte befunden, die erst sorgfältig herausgefiltert werden mussten.

Marcel Oeben, Leiter des Stadtarchivs, ist mit dem Verlauf zufrieden. Seinen Angaben nach sind in den vergangenen Wochen etwa 60 Filmträger abgegeben worden. Viele zeigten Schützenfeste aus den 70er Jahren. Auch Feuerwehrfeste oder Theateraufführungen seien dokumentiert.

Der älteste Beitrag stammt demnach von 1963. Es handelt sich um einen Super-8-Film, der von jemandem auf VHS überspielt worden war, bevor er ins Archiv kam. "Der Beitrag zeigt die 100-Jahr-Feier des TV Lemgo", berichtet Oeben.

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