Mit 21 Jahren: Lasse Huxoll ist jüngster SPD-Chef Lemgos

In seiner zweijährigen Amtszeit will er neue und vor allem auch junge Mitglieder gewinnen

Alexandra Schaller

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Vor dem Rathaus: Dort geht Lasse Huxoll mittlerweile ein und aus. Als neuer SPD-Chef will er in der Partei langfristig einiges bewegen und vor allem junge Menschen ansprechen. - © Alexandra Schaller
Vor dem Rathaus: Dort geht Lasse Huxoll mittlerweile ein und aus. Als neuer SPD-Chef will er in der Partei langfristig einiges bewegen und vor allem junge Menschen ansprechen. (© Alexandra Schaller)

Lemgo. Mit 14 Jahren ist er in die SPD eingetreten, mit 18 Jahren Ratsmitglied geworden. Jetzt wurde Lasse Huxoll mit nur 21 Jahren zum jüngsten SPD-Chef Lemgos gewählt. Im LZ-Interview spricht er über seine Aufgaben und was er sich für die kommenden zwei Jahre und darüber hinaus vorgenommen hat.

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Sie sind Lemgos jüngster SPD-Chef. Wie fühlt man sich damit?

Lasse Huxoll: Über das große Vertrauen der Delegierten war ich an dem Abend glücklich. Was mich aber noch mehr gefreut hat, waren die herzlichen Reaktionen von außen. Viele haben mich persönlich angesprochen, einige haben mir über Facebook gratuliert. Darunter viele Jüngere. Das hat mir gezeigt, dass man als junger Mensch anderen jungen Menschen offenbar näher und nahbarer scheint als vielleicht manch älterer Politiker.

Waren die Reaktionen auf Ihre Wahl durchweg positiv?

Huxoll: Aus der Öffentlichkeit und meinem privaten Umfeld bisher ja. Es gab aber auch ältere Genossen, die etwas verwundert schienen. Wenn ich dann aber mit ihnen über meine Ideen sprach, kam Unterstützung. Dafür bin ich dankbar.

Warum ist die Mischung aus Neuzugängen und erfahrenen Mitgliedern im Vorstand ein Vorteil?

Huxoll: Eine gesunde Mischung ist wichtig. Junge Menschen sind häufig idealistischer und aktionistischer, aber auch etwas unvoreingenommener. Erfahrene Mitglieder hingegen sind an vielen Stellen realistischer. So findet ein Ausgleich statt, man korrigiert sich in gewisser Weise. Zudem gibt es einige Ämter, in denen Erfahrung gefragt ist: etwa als Pressesprecher oder Kassierer. Und: Gerade langjährige Mitglieder sind bei den Lemgoern bekannt und verfügen über eine gewisse Vertrauensbasis, die man als junger Mensch noch nicht in diesem Umfang hat.

Information
Persönlich

Lasse Huxoll, Jahrgang 1995, wurde 2009 mit nur 14 Jahren SPD-Mitglied, weil er sich nach eigenem Bekunden für Helmut Schmidt interessierte. Seit dem Jahr 2014 ist er Ratsmitglied und seit diesem Monat jüngster Lemgoer SPD-Chef. Sein Amt als Juso-Vorsitzender gibt er daher ab. Außerdem ist er Mitglied im Kreisvorstand der lippischen SPD, im Landesparteirat sowie in drei Lemgoer Ausschüssen. Derzeit studiert Lasse Huxoll in Bielefeld Rechtswissenschaften. Er hat zwei Brüder und lebt mit seiner Familie in Lemgo.

Wo liegen in den kommenden zwei Jahren die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als SPD-Chef?

Huxoll: Im Kern auf dem Bundestags- und Landtagswahlkampf im kommenden Jahr. Darüber hinaus ist die Mitgliedergewinnung und vor allem -bindung ein Ziel. Langfristig wollen wir betrachten, wie wir uns künftig aufstellen müssen, um effektiv zu arbeiten. Daneben geht es aber auch darum, Veranstaltungen und unser Parteijubiläum im nächsten Jahr zu organisieren.

Welchen Herausforderungen stellen Sie sich bei der Mitgliedergewinnung?

Huxoll: Mitglieder langfristig zu mobilisieren, ist schwierig. Häufig gibt es aktuelle Themen, die die Leute ansprechen. Momentan sind das in Lemgo vor allem der „Lippegarten" – in der „großen Politik" TTIP und Ceta. Interesse, hierbei mitzuwirken, ist dann da. Wenn es aber darüber hinaus in eine langfristige kommunalpolitische Mitarbeit geht, geht der Anreiz manchmal verloren. Hier muss man frühzeitig in die Arbeit einbinden.

Ist es denn besonders schwierig, junge Menschen für Kommunalpolitik zu begeistern?

Huxoll: Teilweise schon. Aber es ist eben auch besonders wichtig. Trotzdem zeigen bei uns junge SPD-Mitglieder, – auch ich –, dass man bereits in jungen Jahren etwas bewegen kann. Es ist wichtig, die Leute direkt anzusprechen. Denn: Es ist besser, selbst zu entscheiden, als über sich selbst entscheiden zu lassen. Für die neue Beleuchtung am Skaterplatz haben sich Jugendliche ein- und auch durchgesetzt. Auch das ist Kommunalpolitik. Mit Initiativen wie dem Jugendforum wollen wir als SPD auch das Thema des Einbezuges von Jugendlichen weiter vorantreiben. Das liegt uns schon lange am Herzen – das zeigen auch unsere Initiativen der vergangenen Jahre.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die SPD mit den meisten Entscheidungen der Verwaltung einverstanden ist. Machen Sie denn keine Oppositionsarbeit?

Huxoll: Aus Prinzip bei allen Fragen eine Opposition zu sein, wäre zwar einfach, aber schwach. Was hätte die Stadt davon? Wir legen unsere Inhalte fest und arbeiten davon ausgehend konstruktiv. Wir negieren nicht, dass es große und wichtige Projekte gibt, denen wir uns nicht entgegenstellen – etwa den Bildungscampus oder die Mittelstraße. Aber: Wenn wir ein Projekt durchsetzen wollen, dann bleiben wir am Ball – so geschehen etwa beim Einbezug von Jugendlichen in die Kommunalpolitik.

Wenn wir auf die nächsten Kommunalwahlen schauen: Womit will die SPD gegenüber der „mächtigen" CDU mit dem Bürgermeister denn punkten?

Huxoll: Erst mal bin ich der Meinung, dass es in Lemgo viel besser läuft, seit die CDU keine eigenständige Mehrheit mehr hat, sondern es wechselnde Mehrheiten im Stadtrat gibt. Bei großen Projekten sind wir häufig das Korrektiv der Verwaltung. Aber wir setzen eben auch die genannten eigenen Standpunkte und bringen eigene Initiativen. Aufgabe für die nächsten Jahre ist es, das eigene Profil besser zu kommunizieren und zu schärfen. Die Botschaft ist: Mit uns geht es voran. Außerdem: Die CDU stellt zwar den Bürgermeister, im Stadtrat hat sie aber nur ein Mandat mehr als wir. Das scheint mir zumindest nicht „übermächtig".

Kommunalwahlen 2020: Sind Sie der nächste Bürgermeisterkandidat der SPD?

Huxoll: Nein, bei der Kommunalwahl im Jahr 2020 nicht. Da steht erst mal mein juristisches Staatsexamen an – ich wäre zu eingespannt.

Ganz ausschließen wollen Sie es generell aber nicht?

Huxoll: (überlegt) Für die spätere Zukunft kann ich das nicht sagen. Klar ist für mich, dass ich in Lemgo und in der Kommunalpolitik bleiben will. Wenn ich irgendwann beruflich gefestigt bin, vielleicht eine Familie habe, ist diese Frage neu zu stellen. In jedem Fall würde ich es nur mit Begeisterung und Überzeugung machen. Als Bürgermeister muss man vor allem mit Leidenschaft dabei sein und als erster Lokalpatriot vorangehen. Lust habe ich, egal in welchem Amt, etwas für meine Heimatstadt zu bewegen.

Kommentar: Ein mutiges Votum

von Thomas Reineke

Ein 21-Jähriger als Parteivorsitzender, kann das gut gehen? Die Lemgoer SPD hat mit Lasse Huxoll den jüngsten Chef ihrer Geschichte an die Spitze gewählt. Und beweist damit schon jetzt etwas: Mut.

2017 stehen Landtags- und Bundestagswahlen an. Das bedeutet auch vor Ort viel Arbeit und enormen Organisationsaufwand. Dazu muss es der Anspruch der Sozialdemokraten in Lemgo sein, irgendwann die stärkste Ratsfraktion zu werden und auch mal wieder den Bürgermeister zu stellen, der seit 17 Jahren Dr. Reiner Austermann (CDU) heißt.

Alles in allem ein sehr schweres Paket, das auf den Schultern eines 21-Jährigen abgeladen wird. Klar ist: Das wird Lasse Huxoll bei allem politischen Talent nicht allein meistern können. Hinter ihm muss ein Team aus erfahrenen Sozialdemokraten stehen und ihn unterstützen. Der Spagat dabei wird sein, dem 21-Jährigen auf der anderen Seite genug Freiraum zu lassen, seine Ideen zu verwirklichen.

Und das ist das Spannende an dem ungewöhnlichen Votum der Partei: Der junge Vorsitzende führt eine SPD, bei der die meisten Mitglieder seine Eltern oder sogar seine Großeltern sein könnten. Diese Generation muss zulassen, dass der neue Chef die Richtung vorgibt. Am Ende des Weges könnte eine runderneuerte Lemgoer SPD stehen – mit Themen, die auch die Jugend ansprechen. Die Fallhöhe ist aber auch nicht zu unterschätzen. Nicht für Huxoll selbst, aber für die Lemgoer Sozialdemokratie.

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