Halter eines Rottweilers beschwert sich über hohe Hundesteuer

Lemgoer Joachim Rauch hat „Zigo“ aus dem Tierheim geholt

Marianne Schwarzer

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Seinen Rottweiler „Zigo" möchte der Lemgoer Joachim Rauch nicht missen, auch wenn ihn dieser jährlich allein 540 Euro Hundesteuer kostet. - © Marianne Schwarzer
Seinen Rottweiler „Zigo" möchte der Lemgoer Joachim Rauch nicht missen, auch wenn ihn dieser jährlich allein 540 Euro Hundesteuer kostet. (© Marianne Schwarzer)

Lemgo-Lieme. Den Weg durch die Instanzen hat er verloren. Doch kann sich der Lemgoer Joachim Rauch nicht damit abfinden, dass er für seinen heiß geliebten Rottweiler Zigo zehn Mal mehr Hundesteuer zahlen muss als Besitzer von ungefährlich eingestuften Rassen – die zahlen 50 Euro im Jahr. „Ich erspare der Stadt die Unterbringung im Tierheim, und werde dafür bestraft", sagt der 50-Jährige.

Die große Liebe hat vor elf Jahren begonnen: Damals begegnete er dem nur wenige Monate alten Rottweilerrüden „Zigeuner", genannt „Zigo" , im Tierheim Bielefeld-Sennestadt. „Ich hatte damals noch nicht die Möglichkeit, einen Hund bei mir aufzunehmen, darum habe ich mich im Tierheim um ihn gekümmert."

„Zigo" hatte damals schon üble Dinge erlebt: Von einem Hundehalter aus der Berliner Gegend kam er in eine ostwestfälische Familie, die ihn aufs Übelste gequält haben soll, bis er schließlich vom Ordnungsamt beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht wurde.

„Ich habe sehr viel mit ihm gearbeitet", berichtet Joachim Rauch. Als er und sein Lebensgefährte ein passendes Haus in Lemgo fanden, nahmen sie den Rüden zu sich. Und bezahlten pünktlich ihre Hundesteuer, damals 48 Euro.

Doch Ende 2008 änderte der Rat die Hundesteuersatzung. Die Stadt erhebt seither für die Halter gefährlicher Hunderassen – darunter auch für Rottweiler – 540 Euro. „Das konnte ich überhaupt nicht einsehen", schüttelt Joachim Rauch den Kopf. Zwar bleibt Haltern „gefährlicher Rassen" der erhöhte Satz erspart, sobald ihr Vierbeiner den Wesenstest bestanden hat, „aber ich bin mir sicher, dass „Zigo" aufgrund seiner Vergangenheit genau den nicht bestehen würde", betont sein Herrchen.

Hundebegegnungen an der Leine seien schwierig, aber auf der Hundewiese funktioniere es prima. Rauch geht keinerlei Risiko ein, hält sich strikt an den Maulkorbzwang. Die Narbe an „Zigos" Flanke kündet von einer Beißattacke eines kleineren Hundes auf den dank Maulkorb wehrlosen Rüden.

„Hätte ich „Zigo" kein Zuhause gegeben, wäre er weiterhin im Tierheim, und das würde die öffentliche Hand täglich 15 Euro kosten. Dafür werde ich mit der erhöhten Hundesteuer bestraft", sagt er. Allerdings: „Immerhin sind Hunde aus dem Tierschutz für ein Jahr von der Hundesteuer befreit", sagt dazu Fachbereichsleiter Frank Laukamp von der Stadt Lemgo.

Davon hat Joachim Rauch aber nichts gemerkt – als „Zigo" zu ihm kam. Da galt noch die alte Hundesteuersatzung. Er hat vorbehaltlich eines Gerichtsentscheides auch den erhöhten Satz zehn Jahre lang bezahlt, macht 5400 Euro. Sein Versuch, den Steuerbescheid anzufechten, scheiterte in allen Instanzen. Die Argumentation seiner Rechtsanwältin, die Stadt habe Rottweiler zu Unrecht auf die Liste der gefährlichen Hunde gesetzt, zog nicht vor den Verwaltungsgerichten in Minden und Münster.

Laut Statistik des Landes bissen Rottweiler nun mal häufiger zu als Schäferhunde oder Dobermänner. Und auch das Argument, eine solche Hundesteuersatzung gehe zu Lasten der umliegenden Kommunen, weil es die Kosten für die Tierheime in die Höhe treibe, in denen immer öfter „gefährliche Hunde" zu Ladenhütern werden, ließen die Gerichte nicht gelten: Der „Schutz der Gesundheit und des Rechtsgutes" stehe immer noch über dem Tierschutz, heißt es.

Das Bundesverfassungsgericht ließ die Klage erst gar nicht zu. Joachim Rauch hat der Marsch durch die Instanzen etwa 3.000 Euro gekostet: „Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich „Zigo" vielleicht nicht genommen. Aber jetzt möchte ich ihn um keinen Preis missen."

Tierschützer kritisiert Hundesteuer

Den Frust des Lemgoer Hundehalters kann Christopher Imig, Vorsitzender des Vereins „Tierschutz der Tat" als Träger des Tierheims in Detmold, sehr gut verstehen. Er glaubt, dass Rauch juristisch falsch beraten wurde.

„Die Rechtsanwältin hat falsch argumentiert. Der Skandal ist, dass das Land und die Städte Hunde nur aufgrund ihrer Rasse als gefährlich einstufen. Das müsste endlich mal einer bis zur letzten Instanz durchfechten", sagt Imig, der selbst Jurist ist. Denn längst hätten renommierte Fachleute wie die bekannte Verhaltenswissenschaftlerin Dr. Dorit Feddersen-Petersen nachgewiesen, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nichts mit der Rasse zu tun habe.

Den Beißstatistiken sei nicht zu trauen: „Wenn ein Labrador oder ein Dackel zupackt, wird das kaum gemeldet, aber wenn ein Pitbull nur mal komisch guckt, sofort." Das Ziel der erhöhten Steuer für gefährliche Hunde werde ohnehin nicht erreicht. Christopher Imig: „Kriminelle, die darauf stehen, einen Kampfhund zu halten, tun das illegal, die schreckt die Hundesteuer nicht ab."

In der Tat behindere die erhöhte Steuer den Tierschutz. Die meisten Kommunen verhielten sich ohnehin regelwidrig: Es sei ihre Pflichtaufgabe, Fundsachen adäquat aufzubewahren, und das schließe Katzen und Hunde mit ein.
Zur Kostendeckung müsste das Tierheim eigentlich von jeder Kommune einen Euro pro Einwohner bekommen.

„Die meisten zahlen viel weniger, teilweise nur 20 Cent", beklagt der Vereinsvorsitzende. Am liebsten würde er den Politikern mal die Vierbeiner aus dem Tierheim vors Rathaus karren. „Aber es geht uns ja ums Wohl der Tiere, und das macht uns erpressbar."

Kommentar: "Es muss um die Tiere gehen"

von Marianne Schwarzer

Machen wir uns nichts vor: Die erhöhte Hundesteuer für bestimmte Rassen soll einzig und allein dazu dienen, möglichst alle vermeintlich gefährlichen Hunde aus dem jeweiligen Stadtgebiet herauszuhalten. Aber erstens funktioniert das nicht und zweitens torpediert sie auch noch den Tierschutz. Hier haben es sich die Politiker zu einfach gemacht.

Die meisten Kommunen in Lippe folgen mit der Hundesteuersatzung dem Entwurf des Städte- und Gemeindebundes, und der stützt sich auf das Landeshundegesetz. Die pauschale Einteilung der gefährlichen Hunde anhand ihrer Rassezugehörigkeit ist hier angelegt. Dabei haben renommierte Verhaltensforscher längst nachgewiesen, dass die Sozialisation eines Hundes sehr viel stärker für seine Gefährlichkeit verantwortlich ist als die Rasse.

Ganz abgesehen davon, dass der Deutsche Schäferhund in den vergangenen Jahren immer weit vorn beim Thema Bissigkeit rangierte: Unzählige Dackel und andere Hunde kleiner Rassen hacken zu, wenn sie schlecht erzogen sind. Denn das Problem liegt immer am anderen Ende der Leine, und hier wird es für die meisten Politiker zu schwierig.

Aber die scheinen sich ohnehin nicht allzu sehr für den Tierschutz zu interessieren – anders lassen sich zumindest in Lippe die jämmerlich niedrigen Zuschüsse für die Tierheime der Region nicht erklären.

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