Bootsbau-AG aus Lemgo will eigen gebautes Kanu zu Wasser lassen

Yvonne Glandien

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Stechen gemeinsam in See: Roy Fellmann (28, Eben-Ezer), Jan Marcinczyk (14, Realschule), Martin Fritzensmeier (14, EKG), Roland Reike (45, Eben-Ezer), Charlotte Müller (13, Realschule), Charisma Boos (15, Realschule), Patricia Meier (15, Hauptschule), Celina von Uden (16, Hauptschule), Marcus Diestelmeier (E-Werk), Sadik Vrajolli (Lehrer Hauptschule), Andreas Ziolkowski (AWO), Kathrin Manthey (Lehrerin, Realschule) und Realschulleiter Norbert Fischer (von links). - © Yvonne Glandien
Stechen gemeinsam in See: Roy Fellmann (28, Eben-Ezer), Jan Marcinczyk (14, Realschule), Martin Fritzensmeier (14, EKG), Roland Reike (45, Eben-Ezer), Charlotte Müller (13, Realschule), Charisma Boos (15, Realschule), Patricia Meier (15, Hauptschule), Celina von Uden (16, Hauptschule), Marcus Diestelmeier (E-Werk), Sadik Vrajolli (Lehrer Hauptschule), Andreas Ziolkowski (AWO), Kathrin Manthey (Lehrerin, Realschule) und Realschulleiter Norbert Fischer (von links). (© Yvonne Glandien)

Lemgo. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das zeigt sich allzu deutlich im Werkraum der Realschule. Einmal die Woche trifft sich hier die Bootsbau-AG. Ihr Ziel: ein Kanu von Grund auf selbst bauen und es gemeinsam zu Wasser lassen. Dieses Projekt unterstützt nun auch die "Aktion Mensch".

"Wir rekrutieren ab der achten Klasse", sagt Schulleiter Norbert Fischer. Für die AG kommen dabei Jugendliche aus drei Schulen zusammen - neben der Realschule beteiligen sich auch die Hauptschule und das Marianne-Weber-Gymnasium am Bootsbau. Und das bereits seit 2012. Seit dem vergangenen Schuljahr engagieren sich ebenfalls Menschen mit Behinderung aus der Tischlerei der Stiftung Eben-Ezer für das Projekt.

"Mir ist besonders wichtig, dass die Schüler hier die Gelegenheit haben, miteinander und gemeinsam an so etwas zu arbeiten", sagt Fischer. Das Projekt habe sich über die Zeit zu einem Inklusionsprojekt entwickelt.

Das erste Boot, getauft auf den Namen "Mulan", sei 2013 zu Wasser gelassen worden. Nun arbeitet die AG an drei weiteren Booten. Voran gehe es mal mehr mal weniger schnell. "Es kommt nicht so sehr aufs Tempo an, sondern darum, den Schülern eine Möglichkeit zu geben, auf etwas stolz sein zu können", sagt Realschullehrerin Kathrin Manthey. Genau dieser Aspekt sei das Besondere an der gemeinschaftlichen AG, meint auch Hauptschullehrer Sadik Vrajolli: "In dem Zeitraum, in dem die Schüler hier sind, wird nicht immer ein Boot fertig werden. Daher stellen sie sich alle selbst ein Paddel und eine Halterung her - das können sie mit nach Hause nehmen, als Erinnerung." Toll sei es auch, dass immer mehr Mädchen Interesse an dem handwerklichen Projekt zeigten.

Die 15-jährige Charisma Boos ist bereits seit zwei Jahren in der AG. "Mir macht das einfach Spaß", sagt sie, während sie eine Paddelhalterung abschleift. Besonders die jährliche Ausfahrt auf der Bega, die zurzeit noch mit gemieteten Kanus stattfinde, gefällt ihr. Jetzt, seitdem Charisma in der zehnten Klasse ist, hilft sie jüngeren AG-Teilnehmern dabei, sich an den Geräten zurechtzufinden. So wie der 13-jährigen Charlotte Müller. Sie ist erst seit kurzem beim Bootsbau dabei, fühlt sich aber in den Werksräumen wohl. Sie findet, die Holzarbeit sei definitiv keine Männersache.

Damit die aufwendige Boots-AG so gut funktioniert, ist viel Engagement nötig. Je ein Lehrer von jeder Schule sowie ein Betreuer aus Eben-Ezer und ein Mitarbeiter der AWO unterstützen die Schüler beim Bau. Dazu kommen Kosten für das Material und die Gerätschaften. "Mithilfe von vielen Unternehmen, die uns unterstützen, schaffen wir es, dass der Schulhaushalt mit keinem Euro belastet wird", erklärt Fischer.

Dazu habe es nun eine Finanzspritze durch die "Aktion Mensch" gegeben. Einer Ausschreibung folgend stehen der Boots-AG nun 4.200 Euro zur Verfügung, die sie über das Schuljahr verteilt investieren kann. "Ich wünsche mir, dass die ,Aktion Mensch' einmal hier vorbeikommt und unsere Arbeit dokumentiert", macht der Realschulleiter abschließend deutlich.

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