Lemgoer ARD-Korrespondent wechselte von Indien nach Prag

Axel Bürger

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Lipper in der goldenen Stadt: Jürgen Osterhage machte am EKG in Lemgo Abitur. Lange arbeitete er in Indien, heute ist er für die ARD Korrespondent in Prag. - © Privat
Lipper in der goldenen Stadt: Jürgen Osterhage machte am EKG in Lemgo Abitur. Lange arbeitete er in Indien, heute ist er für die ARD Korrespondent in Prag. (© Privat)

Lemgo/Prag. Jeder vierte Deutsche hat schon einmal aus beruflichen Gründen den Wohnort gewechselt. Der ehemalige Lemgoer Jürgen Osterhage (60), in jungen Jahren Mitglied beim TV, TBV und
 TC BW Lemgo, kann ein Lied davon singen. Seit 18 Monaten lebt er in Prag. Der ARD-Korrespondent wechselte von Indien zurück nach Europa.

Herr Osterhage, was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Neu-Delhi und Prag?


Jürgen Osterhage: Ich habe jetzt einen Job ohne die drei T und das große K – Tod, Terror, Taliban und Katastrophen wie Erdbeben. Auch mal ganz schön.

Hatten Sie kulturelle Gründe für die Rückkehr nach Europa?

Osterhage: Von Delhi sind wir zurückgezogen in unser Haus nach Berlin. Meine Familie wollte nicht erneut ins Ausland. Deshalb pendle ich die 360 Kilometer zwischen Berlin und Prag. Ich hatte zudem politische Gründe. Die Welt ändert sich rasant. Vor allem Europa steht mitten in einem gravierenden Wandel. Das möchte ich aus nächster Nähe miterleben.

Sie senden in Ihrem Videoblog „Böhmische Dörfer" Storys über das Leben in Tschechien. Was verpassen die Lemgoer, wenn sie den Blog nicht kennen?

Osterhage: Geschichten aus dem tschechischen Alltag, die weder im Fernsehen zu sehen noch im Radio zu hören oder einer Zeitung zu lesen sind.

Was ist Ihnen an Kuriositäten aus den Jahren in Asien geblieben?

Osterhage: Ich wundere mich, dass hierzulande nicht nur Autofahrer, sondern sogar Fußgänger rote Ampeln beachten. Das war und ist in Indien nicht immer so...

Gibt es eine deutsche Besonderheit, die Sie vermissen?

Osterhage: Ich vermisse auf alle Fälle das Lemgoer Schützenfest. Ich habe es jahrelang nicht geschafft, vorbeizuschauen und mal wieder wie in Jugendjahren von Anfang bis Ende mitzumarschieren. Das soll sich beim nächsten Schützenfest unbedingt ändern.

Wie lebt sich die Familie eines Korrespondenten bei Ortswechseln in eine neue Kultur ein?

Osterhage: Der Ortswechsel nach Indien hat sehr gut geklappt. Wir konnten alle unseren Horizont erweitern. Unsere Kinder wissen jetzt zum Beispiel, dass das Wort Armut in Indien eine ganz andere Dimension hat als bei uns in Europa.

Kennt man sich in der Prager Korrespondentenszene und besucht sich nach Feierabend mal?

Osterhage: Der Zusammenhalt im Ausland ist immer sehr groß. Besonders in Indien wegen der großen Entfernung. Aber auch in Prag herrscht ein enges Verhältnis. Ich habe gerade einen Journalisten-Stammtisch gegründet.

Gingen durch Ihre Umzüge mehr Freundschaften in die Brüche oder haben Sie mehr interessante Menschen kennen gelernt, die Sie heute noch treffen?

Osterhage: Ich habe definitiv mehr interessante Menschen kennengelernt, besonders während meiner acht Jahre in Indien. Gerade habe ich ein Fest in Prag organisiert, für alle, die die Stadt nicht kennen. Da waren auch viele Freunde aus unserer Indien-Zeit dabei.

Und wie oft sind Sie im Jahr noch in der lippischen Heimat?

Osterhage: Leider viel zu selten. Aber ich habe neulich meinen Sandkasten-Freund Karl-Friedrich Schlehmeier angerufen. Wir sind in Bavenhausen aufgewachsen. Dort habe ich die ersten 16 Jahre meines Lebens verbracht. Mit ihm will ich demnächst mal wieder durchs Dorf gehen. Auf den Spuren meiner Kindheit.

Deutschland, Indien, Tschechien – wo werden Sie am Ende Ihres Berufslebens leben?

Osterhage: In Berlin, für mich die einzige deutsche Großstadt. Wer so viel herumgekommen ist, kann nicht wieder zurück ins Dorf ziehen. Ich brauche möglichst viele Menschen um mich herum, die mich inspirieren. Ein pulsierendes Leben mit viel Abwechslung. Berlin ist cool und hip.

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