Kreiseniorenheim: Nur wenige Bewohner wollen zurück in die Echternstraße

Tanja Watermann

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Besinnlich: Die ehrenamtlichen Helferinnen Samila (links) und Birgit haben das erste Adventskaffeetrinken am neuen Standort mitorganisiert. Die meisten Bewohner hätten sich gut eingelebt. - © Tanja Watermann
Besinnlich: Die ehrenamtlichen Helferinnen Samila (links) und Birgit haben das erste Adventskaffeetrinken am neuen Standort mitorganisiert. Die meisten Bewohner hätten sich gut eingelebt. (© Tanja Watermann)

Lemgo. Neun Monate nach dem großen Umzug des Kreisseniorenheims ins neue Gesundheitszentrum am Krankenhaus hat es eine Adventsparty für die Bewohner gegeben. Als Überraschung. Anlass für die LZ, Bilanz zu ziehen. Wie läuft es am neuen Standort? Gibt es immer noch Bewohner, die nach dem Umbau zurück in die Echternstraße möchten?

Die Stimmung im Gemeinschaftsraum war herzlich: Bei selbst gebackenen Plätzchen und Gitarrenmusik feierten 60 Senioren, Angehörige und Mitarbeiterinnen. Nach einem Dreivierteljahr scheinen sich alle gut im neuen Komplex an der Rintelner Straße eingelebt zu haben. Der Umzug mit 63 Bewohnern ist kein leichtes Unterfangen gewesen und wurde im Vorfeld stark kritisiert.

Insbesondere wurde öffentlich eine Frage gestellt: Ist der neue Standort nicht zu weit ab vom Schuss? Konnten doch die Bewohner bislang in vielen Fällen meist selbstständig in die Stadt gehen oder eine Runde auf den Wallanlagen drehen.

Im Gespräch mit der Haus- und Pflegedienstleiterin Silvia Hoffmann wird schnell deutlich, dass die Entfernung zur Innenstadt für die Bewohner natürlich ein Hindernis darstellt. Doch es seien Lösungen gefunden worden.

„Einige unserer Bewohner haben einen E-Rollstuhl beantragt, mit dem sich ihr Radius wieder bis zur Innenstadt erweitert hat. Alle ein bis zwei Monate fahren wir außerdem mit einem speziellen Bulli, in dem auch Rollstuhlfahrer Platz finden, in die Stadt und begleiten den Stadtbummel", sagt Silvia Hoffmann.

Die Lieferung eines weiteren Fahrzeugs mit vier Rollstuhlplätzen sei zugesagt, so dass es schon bald mehr Möglichkeiten für gezielte Stadtfahrten geben werde.
Ein weiteres Problem: Der Stadtbus hält zwar am Krankenhaus, doch für viele Rollator- oder Rollstuhlnutzer ist der Weg zur Haltestelle weit.

Einzusteigen falle schwer, vor allem mit den sperrigen Hilfsmitteln, die Zeitpläne der Busse seien zudem eng getaktet – all das halte einige Menschen vom Stadtbummel ab. „Damit trotzdem alle Dinge für den Alltag eingekauft werden können, haben wir eine Kooperation mit Edeka Voth geschaffen. Die Bewohner können Ware bestellen, die direkt ins Haus geliefert wird", sagt die Hausleiterin. So müsse niemand auf seine Lieblingsschokolade, Körperpflegeartikel oder bestimmten Aufschnitt verzichten.

Die Waren lagerten dann in den Kühlschränken der beiden Bewohnerküchen. Ganz besonders intensiv werde der Garten auf dem Gelände frequentiert. Ein kleiner Brunnen mit Sitzgelegenheiten bietet Platz zum Austausch mit den Nachbarn. „Unsere Bewohner waren noch nie so gut gebräunt, wie nach dem Umzug. Der Garten wird viel genutzt", bestätigt die Soziale Betreuerin Heike Rabbe.

„Wir haben noch einige wenige Bewohner und deren Angehörige, die häufiger nach ihrem Rückkehrrecht, das beim Umzug zugesagt wurde, fragen. Das Angebot steht natürlich", betont Silvia Hoffmann. An der Echternstraße hätten gerade die Entkernungs- und Umbauarbeiten begonnen.

Information

Neues Gebäude hat Vorzüge

Der Umzug des Kreisseniorenheims von der Echternstraße zum neu gebauten, dreistöckigen Gebäudekomplex am Krankenhaus mit 63 Bewohnern fiel auf den 29. Februar dieses Jahres.

Das neue Haus verfügt neben vier Doppelzimmern für Paare ausschließlich über Einzelzimmer. Mit 72 Personen, die in vier Wohngruppen mit jeweils 18 Bewohnern aufgeteilt sind, ist das Haus seit mehreren Monaten voll belegt.

Für zwölf langzeitbeatmete Bewohner gibt es eine separate Wohngruppe. Die Nähe zum Klinikum Lippe ist einer der Vorteile des neuen Standortes.

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