Ab April geht der Umbau der Bega weiter

Till Brand

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Immo Henneberg, Leiter der Lemgoer Abteilung Kanalbetrieb und Gewässer, weiß, wie sich das Gesicht der Bega bis zur Pagenhelle verändern soll. Die Stadt will da anknüpfen, wo sie am Langenbrücker Tor aufgehört hat. - © Till Brand
Immo Henneberg, Leiter der Lemgoer Abteilung Kanalbetrieb und Gewässer, weiß, wie sich das Gesicht der Bega bis zur Pagenhelle verändern soll. Die Stadt will da anknüpfen, wo sie am Langenbrücker Tor aufgehört hat. (© Till Brand)

Lemgo. Der „Bega Beach" lässt grüßen. Das Aufhübschen des Flusses am Langenbrücker Tor hat im Spätsommer an warmen Tagen sogar Badegäste angelockt. Schaulustige waren sowieso immer da – egal, ob Bauarbeiter den Megabohrer tief in die Erde trieben oder Stahlträger für die Brücke einschwebten. Wasser? Geht halt immer! Und so ist auch der Umbau der Bega weiter im Fluss. Ab April geht es wieder los – nächstes Ziel: Pagenhelle.

Der Flusslauf: An der Trasse der Bega selbst wird sich zwischen Langenbrücker Tor und Pagenhelle nicht allzu viel ändern. Die dichte Bebauung – auf der einen Seite durch den Lindenwall – lässt laut Immo Henneberg, dem städtischen Abteilungsleiter für Gewässer, weniger Spielraum als beispielsweise bei der Umgestaltung in der Grevenmarsch. Dort darf die Bega seit dem Umbau auch schon mal am Ufer „nagen" und sich einen neuen Weg suchen. Südlich der Kernstadt bleibt es dagegen beim Flussverlauf – auch die starken Bega-Schleifen am Campingplatz sind gesetzt.

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Die Flutmulde: Bislang wäre ein extremes Hochwasser in Lemgo fast ungehindert in die Stadt geschwappt. Das soll künftig nicht mehr passieren; der Engpass Langenbrücker Tor ist Geschichte. Außerdem lässt Lemgo zwischen dem „Bega Beach" und der Pagenhelle eine fast 1,2 Kilometer lange Flutmulde ausheben. Dies ist das große Projekt für 2017. Etwa ein bis zwei Mal im Jahr dürfte sich hier künftig ein wahres Naturschauspiel bieten... und zwar nicht nur bei extremem Hochwasser.

Die Natur: Die einkalkulierte Überschwemmung der Flutmulde, in der die großen Wassermassen dann schnell an der Innenstadt vorbeigeführt werden sollen, hat einen biologischen Aspekt. Entsteht doch eine Feuchtwiese mit ihrer eigenen Tier- und Pflanzenwelt, in der dazu noch tiefere Tümpel fast ganzjährig Wasser führen sollen. Nach Angaben von Rüdiger Kuhlmann, Teamleiter Wasserwirtschaft beim Kreis Lippe, seien alle Bedenken seitens der Naturschützer und der Stadtwerke gegenüber der Flutmulde ausgeräumt.

Das Trinkwasser: Vor allem der Lemgoer Versorgungsbetrieb war von der Sorge getrieben, das in den Braker Wiesen relativ dicht unter der Grasnarbe abgeschöpfte Wasser könne durch die Bega verunreinigt werden. Und tatsächlich: Teilweise wird die Flutmulde so tief ausgebaggert, dass sie speziell abgedichtet werden muss, damit sich nichts vermischt.

Der Seitenarm: Unterhalb des Lindenwalls gibt es den so genannten Altarm der Bega, der momentan durch eine Pumpe gespeist wird. Künftig soll das Wasser dort wieder qua Natur hinein und insgesamt stärker fließen. Denn weil zuletzt kaum noch Bewegung im Wasser war, ist der Seitenarm ziemlich verlandet. Den „Stöpsel" hat die Stadt bereits gezogen – der Altarm dürfte nun mehr und mehr trocken fallen, so dass etwa ein halber Meter Schlamm ausgebaggert werden soll. Mit mehr und frischerem Wasser soll der Seitenkanal mehr zur Geltung kommen: „Stadt ans Wasser".

Die Einblicke: Mit der Unteren Landschaftsbehörde ist es nach Worten von Immo Henneberg bereits abgestimmt: Auf der Route der bis zu 25 Meter breiten Flutmulde werden Dutzende Bäume fallen. Vom Langenbrücker Tor und Braker Weg aus wird die Bega also deutlich mehr ins Blickfeld rücken, erwartet Gewässerexperte Henneberg. Auch, weil bald die verbliebenen zwei Kleingärten geräumt werden.

Die Finanzen: Für die Stadt sind sie recht angenehm. Bei der Bega lassen sich das Schöne (die Umgestaltung) und die Pflicht (der Hochwasserschutz) verbinden. In erster Linie dienen die Bauarbeiten nämlich dem Ziel, vor allem die südliche Altstadt vor Hochwasser zu sichern. Weil zudem EU-Vorgaben zur Wassergüte eingehalten werden, fließen 80 Prozent vom Land. Kosten für die 1,2 Kilometer bis zur Pagenhelle: etwa 1,8 Millionen Euro, wobei die „Entsorgung" des Bodens eine große Rolle spielt. Hunderte, vielleicht eine vierstellige Anzahl an Lkw-Ladungen, ist abzufahren.

Der Bauverkehr: Mit Baulärm werden sich die Anwohner am Lindenwall sowie die Nutzer des Campingplatzes abfinden müssen. Die Lastwagen und Bagger sollen nach Worten von Immo Henneberg dagegen fast ausschließlich von Süden, vom Langenbrücker Tor und Braker Weg aus rollen. Die Baustraßen werden anschließend zurückgebaut, so Kuhlmann.

Die Zukunft: Während der Kreis für den Abschnitt zur Pagenhelle dieser Tage den Planfeststellungsbeschluss fertig machen will, ohne den Lemgo nicht buddeln darf, gehen die Gedankenspiele bereits weiter. Die Stadt erarbeitet derzeit den Plan für den Rest-Abschnitt am Schloss vorbei zum Bierweg.

Auch am Regenstorplatz soll sich etwas tun

Ob und wie die Wege zwischen der Brücke am alten Freibad, dem Braker Weg und der Pagenhelle umgestaltet und gegebenenfalls neu angelegt werden, muss noch entschieden werden. Bei einem Wettbewerb sollen Landschaftsarchitekten ausloten, was machbar ist und was nicht. Aus dem Rennen ist bereits ein neuer Weg quer durch den Campingpark. Dafür soll das kurze Stück an der Regenstorstraße vom Großparkplatz zum Fußweg hinterm Eau-Le aufgehübscht werden. Zum Bündel gehört eine neue Brücke über die Bega, die breiter werden soll.

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