Hochschulen in OWL wollen Schüler aus ärmeren Familien fördern

Janet König

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Zum Auftakt: Ulrich Schäfermeier, Gerhard Sagerer (Vorsitzender Campus OWL), Angelika Epple , Michael Uhlich, Jürgen Krahl (Präsident der Hochschule OWL), Projektkoordinatorin Lisa Mellies, Friederike Menz und Suat Yilmaz (von links). - © Vera Gerstendorf-Welle
Zum Auftakt: Ulrich Schäfermeier, Gerhard Sagerer (Vorsitzender Campus OWL), Angelika Epple , Michael Uhlich, Jürgen Krahl (Präsident der Hochschule OWL), Projektkoordinatorin Lisa Mellies, Friederike Menz und Suat Yilmaz (von links). (© Vera Gerstendorf-Welle)

Lemgo. In kaum einen anderen Land entscheidet die Herkunft so stark über die berufliche Zukunft der Kinder wie in Deutschland. Das zeigen viele Studien. Auch Ostwestfalen-Lippe kann sich von diesem Trend nicht freisprechen.

Mit seinem ersten großen Projekt will der Hochschulverbund Campus OWL dagegenhalten. Bereits nach den Sommerferien sollen Talentscouts Schüler in der Region bei ihren beruflichen Zielen und Träumen unterstützen.

Information

Pilot in der Region

  • Bis Ende Juni haben knapp 150 weiterführende Schulen aus OWL die Möglichkeit, sich für die Talentscouts zu bewerben. Nur 50 können am Pilotprojekt teilnehmen.
  • Schulen, deren sozialer Index niedriger ist, werden bei zu hoher Anmeldezahl eher berücksichtigt. Außerdem soll eine ausgeglichene Fläche in der Region vertreten sein.
  • Jürgen Krahl, Präsident der Hochschule OWL, ist motiviert: „Wir wollen Talente erkennen, die selbst nicht wissen, dass sie welche besitzen."

Acht ausgebildete Talentscouts sollen dafür an insgesamt 50 weiterführenden Schulen in OWL eingesetzt werden. Ziel ist es, junge Menschen mit Motivation und Potenzial emotional zu stärken und ihnen bei ihren beruflichen Interessen beratend zur Seite zu stehen.

„Kinder aus Nichtakademikerfamilien sind nicht automatisch weniger talentiert. Ihnen fehlt nur oft das Selbstbewusstsein, ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen", sagt Suat Yilmaz, der seit 2011 die Talentförderung im Ruhrgebiet koordiniert – und für die Talentscouts NRW in Gelsenkirchen Pionierarbeit geleistet hat.

Auch in OWL will man nun noch individueller auf junge Talente zugehen – als Ergänzung zu den berufsorientierenden Angeboten, die es bereits an weiterführenden Schulen gibt. „Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschulen, das an sich schon unheimlich wertvoll ist. Schüler können so eine ganz individuelle Begleitung erfahren", sagt Michael Uhlich, Leiter der Schulabteilung der Bezirksregierung Detmold.

An der engen Kooperation wirken die Universitäten Bielefeld und Paderborn, die Fachhochschule Bielefeld sowie die Hochschule OWL mit. Alle Partner sind für ein bestimmtes Einzugsgebiet zuständig – und schicken ihre Talentscouts dort hin. „Wir hoffen auf eine langfristige Zusammenarbeit. In den ersten vier Jahren haben wir zwei Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung", sagt Lisa Mellies, Projektkoordination bei Talentscouting OWL.

Mit diesem Geld sollen Schüler aus sozial schwachen Familien auch in Form von Stipendien gefördert werden. In der Praxis funktioniert der Talentscout in erster Linie als Berater: An 50 weiterführenden Schulen in ganz OWL wird einmal im Monat eine Sprechstunde angeboten, mit deren Hilfe Schüler den Weg zu ihrer passenden akademischen Laufbahn finden sollen.

„Die erste Zeit geht es darum, Vertrauen aufzubauen und die Biografie des Einzelnen kennenzulernen", sagt Suat Yilmaz aus Erfahrung. Der bisherige Erfolg der Scouts sei in Zahlen schwer zu erfassen, denn für jeden einzelnen Schüler soll die persönlich beste Lösung gefunden werden. Und das könne in manchen Fällen auch eine Ausbildung sein.

„Das Schöne am Talentscouting ist, dass es keinen vorgefertigten Katalog gibt", sagt Friederike Menz, stellvertretende Koordinatorin und Talentscout. Acht bis zehn Schüler könne ein Scout pro Tag individuell betreuen. Bis zu einer Stunde seien für die Gespräche angesetzt, die auch nach der regulären Schulzeit stattfinden. Nicht selten entstehe so ein enger Kontakt, der sich über die Schule hinaus bis ins Studium erstrecke.

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