Hilfsmittel erleichtern Senioren das Leben zu Hause

Alexandra Schaller

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Wenn das Bett zur Hürde wird: Ausreichend hoch muss es sein, weiß Wohnberater Jens Brockschnieder. Im Zweifelsfall ist sogar ein richtiges Pflegebett eine gute Anschaffung. - © Pixabay
Wenn das Bett zur Hürde wird: Ausreichend hoch muss es sein, weiß Wohnberater Jens Brockschnieder. Im Zweifelsfall ist sogar ein richtiges Pflegebett eine gute Anschaffung. (© Pixabay)

Lemgo. Die Vorstellung, ins Seniorenheim zu ziehen, ist für viele ältere Menschen mit Ängsten behaftet. Die Hoffnung: so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Doch was tun, wenn der Gang unsicher wird und alltägliche Handgriffe nicht mehr ganz so leicht von der Hand gehen?

Jens Brockschnieder ist Wohnberater beim Kreis Lippe. Auf Wunsch berät er ältere und behinderte Menschen kostenlos zum barrierefreien Wohnen im eigenen Zuhause. Morgen hält er einen Vortrag in Lemgo – vorab hat die LZ ihn zu den „Baustellen" befragt, wenn Senioren zu Hause wohnen bleiben.

Eingangsbereich

Bereits hier gibt es einiges zu beachten. Gut ausgeleuchtet sollte der Zugang zum Haus oder zur Wohnung sein – das gilt besonders im Alter. „Dafür empfiehlt sich nicht nur vor dem Haus, sondern auch im Innenbereich ein Bewegungsmelder. Sind Stufen vorhanden, sollten diese gut begehbar, also etwa frei von losen Steinen sein", rät der Gerontologe. Eine häufige Stolperfalle ist die Fußmatte – sie wird idealerweise in den Boden eingelassen. Unabdingbar ist ein Geländer an allen Treppen und Stufen. Auch im Flur sollte auf Stolperfallen wie Teppichkanten weitestgehend verzichtet werden. Ansonsten rät Brockschnieder zumindest zu einem rutschhemmenden Belag. Wer mit dem Rollator unterwegs ist, sollte sich Freiraum schaffen. Auch wenn dann die ein oder andere Kommode weichen muss.

Treppenhaus

Hier sind Treppenlifte ein häufig nachgefragtes Thema. „Wichtig ist, das gewünschte Modell vorab auszuprobieren." Zudem sollten mehrere Angebote eingeholt werden. Denn: Ab 4000 Euro ist die Preisspanne nach oben offen. Doch nicht immer ist ein Lift die geeignete Wahl: „Demente Menschen können den Lift nicht mehr bedienen, haben teilweise sogar Angst davor. Rollstuhlfahrer benötigten im Prinzip einen Plattformlift, wofür jedoch die wenigsten Treppenhäuser ausgelegt sind." Manchmal tun es auch schon kleinere Hilfen – so empfehlen sich in jedem Fall Handläufe auf beiden Seiten der Treppe. Ist das Treppensteigen überhaupt nicht mehr möglich, rät Jens Brockschnieder – falls möglich – nur die untere Etage zu bewohnen.

Badezimmer

Drei Viertel der Anfragen bei der Wohnberatung beziehen sich auf die Badezimmer. „Bei den meisten Bädern ist entweder nur eine Badewanne vorhanden oder die Dusche ist zu klein und der Einstieg zu schmal", erzählt er. Oft könnten schon kleine Hilfsmittel wie Haltegriffe, ein Duschhocker oder eine Toilettensitzerhöhung für mehr Sicherheit sorgen. Sind die Senioren noch einigermaßen beweglich, könne auch ein Badewannenlift zum Einsatz kommen. Der nächste Schritt sind bauliche Maßnahmen: Dann wird entweder die vorhandene Dusche verbreitert und der Einstieg tiefer gelegt – oder aber die Badewanne muss eben einer ebenerdigen Duschkabine weichen.

Schlafzimmer

Ist neben dem Bett genug Platz für Hilfsmittel wie den Rollator? Ist das Bett hoch genug? Das sind nur zwei Fragen, denen Jens Brockschnieder bei einer Wohnungsbegehung auf den Grund geht. Im Zweifel kann das Bett erhöht werden oder ein neues Exemplar angeschafft werden. Im Pflegefall sollte dann in jedem Fall ein spezielles Pflegebett Einzug halten.

Finanzierung

Die Kosten der unterschiedlichen Maßnahmen sind von Fall zu Fall verschieden, weiß der Fachmann aus Detmold. Für eine neue Dusche müsse im Schnitt mit Umbaukosten von 5000 Euro gerechnet werden, ein kompletter Badumbau kostet sogar etwa 10.000 Euro. Ist eine ärztliche Verordnung vorhanden, übernimmt die Krankenkasse häufig die Kosten für kleinere Hilfsmittel wie Handgriffe, Duschhocker & Co. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn es um bauliche Maßnahmen geht. Liegt jedoch mindestens Pflegestufe 1 vor, können allerdings bis zu 4000 Euro als Zuschuss von der Pflegekasse beantragt werden.

Information

Experte bei der Wohberatung des Kreises Lippe

Der 34-jährige Jens Brockschnieder arbeitet seit sechs Jahren als Gerontologe bei der Wohnberatung für ältere und behinderte Menschen des Kreises Lippe. Morgen kommt er auf Einladung des Mehrgenerationenhauses Lemgo zu einem Informationsabend ins Gemeindehaus der Kirchengemeinde St. Pauli, Echternstraße 18. Beginn ist um 18 Uhr. Mit vielen Bildern aus der Praxis möchte der Wohnberater den Vortrag zum Altwerden in den eigenen vier Wänden untermalen. Ansonsten ist die Wohnberatung montags und dienstags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr unter Telefon (05231) 623130 erreichbar.

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