Kabarettist erklärt beim Sommertreff den wahren Grund für den Klimawandel

Tanja Watermann

  • 0
Desinfektionsspray im Gepäck: Der Bielefelder Ingo Börchers ist ein gern gesehener Gast beim Sommertreff. - © Tanja Watermann
Desinfektionsspray im Gepäck: Der Bielefelder Ingo Börchers ist ein gern gesehener Gast beim Sommertreff. (© Tanja Watermann)

Lemgo. „Sie können das gar nicht hoch genug bewerten, dass ich heute nach Lemgo gekommen bin." So hat der Kabarettist und selbsterklärte Vollzeit-Hypochonder Ingo Börchers sein Publikum beim Sommertreff begrüßt. Die Stuhlreihen auf dem Marktplatz waren voll besetzt – und auch die Stehplätze mit guter Sicht wurden knapp.

Ein kleiner Beistelltisch, ein Stuhl und eine große Flasche Desinfektionsmittel – mehr braucht der Bielefelder nicht, um zu Hochform aufzulaufen und wortgewaltig sowie intelligent durch sein Programm zu galoppieren. Der zur Ausstattung passende Titel: „Ferien auf Sagrotan". Als bekennender multitaskingfähiger Hypochonder hat Ingo Börchers vor allem Angst – und zwar zeitgleich vor Bakterien, Viren, Pilzen, Keimen und einer Tröpfcheninfektion.

Seine absoluten Horrorvorstellungen: das „Bällebad bei Ikea", die klebrigen Tastaturen in Internet-Cafés, die Kopfhörer im Elektronikfachmarkt und natürlich als Krönung: erst Händeschütteln und dann Fingerfood bei Stehempfängen. Diese „Umschlagplätze für Viren" kann Ingo Börchers nur dank seines großflächig versprühten Sagrotans oder seiner für ihn unschätzbar wertvollen „Monkpaste", ein Hygiene-Gel, überleben.

Vom ersten Moment seiner Show an setzte der sympathische Ostwestfale auf Tempo und konfrontierte sein Publikum mit neurotischen Vorstellungen und skurrilen Ideen. Dabei überzeugte er mit Feinsinn und einem gut pointierten Humor. Zeit für Zwischenapplaus bekamen die Lemgoer nicht – vermutlich liegen Börchers Studien vor, wie weit die auf den Händen lauernden Bakterien fliegen, wenn man diese an einem Sommerabend bei 25 Grad euphorisch zusammenschlägt.

Neben dem Thema Gesundheit bewies Börchers anhand von Beispielen, dass das Leben Nebenwirkungen hat: Die große Zahl adipöser Jugendlicher und den Klimawandel führte er darauf zurück, dass seit Generationen darauf gedrängt wird: Teller leer essen, damit die Sonne scheint. Börchers philosophierte über Facebook und das Geschenk, nervige „Freunde" dort einfach löschen zu können. Nach gut zwei Stunden entließ er die Gäste, die endlich applaudieren konnten.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!