Lastwagen rammt Lemgoer Kanzlerbrunnen

Marlen Grote

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Der verschobene Kanzlerbrunnen: Mitarbeiter der Städtischen Betriebe rücken das Wahrzeichen wieder zurecht. - © Sven-Eric Bierhenke
Der verschobene Kanzlerbrunnen: Mitarbeiter der Städtischen Betriebe rücken das Wahrzeichen wieder zurecht. (© Sven-Eric Bierhenke)

Lemgo. Ein ungewöhnlicher Unfall hat sich am Ostertor ereignet: Beim Rangieren stieß ein Lastwagen gegen den Kanzlerbrunnen und verschob das Lemgoer Wahrzeichen um ungefähr 30 Zentimeter. Mitarbeiter der Städtischen Betriebe haben das beliebte Kunstwerk noch am selben Tag wieder an Ort und Stelle gerückt.

Den Vorfall vom vergangenen Freitag hat der Lemgoer Immobilienmakler Sven-Eric Bierhenke aus dem Fenster seines Büros verfolgt – und den Lastwagen-Fahrer gestoppt, der schon ein Stück weitergefahren war. „Der hat das gar nicht gemerkt", vermutet Bierhenke.

Als er den Mann auf das Missgeschick ansprach, sei er jedoch zurückgekommen. Auch andere Passanten hätten den Vorfall beobachtet und seien ziemlich erschrocken gewesen, erzählt Bierhenke. Dazu rief er die Polizei und ein Team der Städtischen Betriebe Lemgo (SBL) zur Unfallstelle. Die vier Männer machten sich direkt daran, den Schaden zu beheben – mit Brechstangen schoben sie den Brunnen zentimeterweise zurück an seinen Platz, berichtet Gerhard Reineke, Leiter der SBL, auf Nachfrage. Anschließend mussten noch einige Halterungen gerichtet werden, damit alles wieder stabil und sicher war. Nach zwei Stunden war das Team fertig, und am Brunnen waren kaum noch Spuren des Unfalls zu sehen. Das Wasser lief wie gewohnt, und der Brunnenring stand an seinem Platz.

Eine Delle ist allerdings doch erkennbar, und eine der Figuren sei beschädigt, berichtet Bierhenke. Die Schäden müssen noch begutachtet und die nötigen Reparaturen mit dem Künstler, der den Brunnen entworfen hat, abgeklärt werden. Erst dann, so Gerhard Reineke, sei die genaue Schadenshöhe klar. Mindestens 500 Euro kämen für den zweistündigen Einsatz seiner vier Mitarbeiter auf jeden Fall schon zusammen.

Bewegliche Figuren

Der Kanzlerbrunnen mit seinen beweglichen Figuren wurde 1978 fertiggestellt. Erdacht hat ihn der Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg. Der Brunnen erinnert an einen Streit aus dem 17. Jahrhundert um ein Fass Bier des Kanzlers des Grafen Simon VI., Dr. Balthasar Knaust, der eine Abgabe am Ostertor nicht zahlen wollte. Die Figuren stellen die beteiligten Personen da – auch die Ziege, die dem beteiligten Pförtner des Tores gehörte. Dem Betrachter der Kanzlerfigur fällt laut einem Eintrag auf der Homepage der Stadt nicht nur dessen Leibesfülle, sondern auch seine herausragende Kleidung auf. Die Unterscheidung von den übrigen Lemgoern durch diese Hof- oder Dienstkleidung war beabsichtigt; der Landesherr übernahm die Kosten. Den Bierbauch hat Balthasar wahrscheinlich von seinem Vater Heinrich, der aus der protestantischen Hansestadt Hamburg stammte.

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