Alltagsgeräusche werden in Lemgo zum Hörerlebnis

Thomas Krügler

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Einleitung zur Klanginstallation im Landschaftspark: (von links) Peter Schwieger, Marcus Beuter, Willem Schulz, Anke Züllich-Lisken, Angelika Höger, Stefan Kallmer und Gerd Lisken mit ihren teils sehr ungewöhnlichen Instrumenten. - © Thomas Krügler
Einleitung zur Klanginstallation im Landschaftspark: (von links) Peter Schwieger, Marcus Beuter, Willem Schulz, Anke Züllich-Lisken, Angelika Höger, Stefan Kallmer und Gerd Lisken mit ihren teils sehr ungewöhnlichen Instrumenten. (© Thomas Krügler)

Lemgo. Seltsame Geräusche bereichern den Landschaftspark der Staff-Stiftung in Lemgo. Spaziergänger werden von unerwarteten Klängen angelockt und lauschen an der grünen Hecke. Die Cooperativa Neue Musik aus Bielefeld hat die Klanginstallation „subversiv" eröffnet.

Ralf Gerke, Geschäftsführer der Staff-Stiftung, begrüßte rund 30 Gäste zur Vernissage, in der sieben Musiker mit einem Live-Vorspiel auf die Installation einstimmten. Neben Cello, Klarinette, Stimme, Monochord, Melodica, und gestrichenem Styropor kamen auch elektronisch verfremdete Klänge zu Gehör. Das Ensemble ging anschließend vor eine 70 Meter lange Hecke, stellte die Instrumente ab und leitete zur Klanginstallation über.

Mit Hilfe von sechs Lautsprechern und 300 Meter Kabel ertönt bis zum 15. Oktober täglich von 6 bis 22 Uhr das Werk „subversiv", das zehn Künstler des Cooperativa Ensembles eingespielt haben. Eine Stunde, zwölf Minuten dauert die Komposition, die in einer Dauerschleife wiederholt wird.
Zwölf verschiedene Klangflächen verschmelzen zur kinetischen Klangkunst nach einer Konzeption von Willem Schulz, der auch Cello spielt.

Er gab den Mitspielern keine ausgearbeitete Partitur, sondern Anregungen wie „Mach mit deinem Instrument etwas, das ähnlich wie Sprache ist". Die Formteile erhielten assoziative Überschriften wie „Düfte, Chaos, Winde, Schwärme, Unbekannte Sprachen oder Punkte und Linien". „Düfte" kommt ganz leise und zart daher, während „Chaos" schnelle dynamische Überraschungen birgt.

Obertöne, Kratzen, sphärische, elektronisch erzeugte Klänge, polymetrische Verarbeitungen und Alltagsgeräusche bilden ein räumliches Hörerlebnis für sechs Kanäle. Der Klang ist über den 26 Hektar großen Park hörbar und verändert die sinnliche Wahrnehmung des öffentlichen Raumes.

Das Besondere an der Klanginstallation ist ihre Korrespondenz mit den Umweltgeräuschen der Umgebung. Je nachdem von wo und in welchem Tempo man sich der Hecke nähert oder in welcher Entfernung man steht, ändert sich der Klangeindruck.

Zufällig vorbei fahrende Autos, das Geräusch des Windes oder Flugzeuge gehören mit zum ganzheitlichen Hörerlebnis. Der Titel „subversiv" verweist darauf, dass unsichtbare Schallquellen unterschwellig wirken und den Sound des Ortes subtil verändern.

Insgesamt wird die Klanginstallation an drei unterschiedlichen Orten realisiert. Im September war sie bereits in Halle in einer kleinen Seitenstraße zu hören. Der Landschaftspark in Lemgo ist Station zwei und abschließend soll sie in Bielefeld ihren Platz finden.

Bei der Komposition haben folgende Künstler mitgewirkt: Edith Murasova (Stimme), Anke Züllich-Lisken (Stimme, Monochord), Heidemarie Bhatti-Küppers (Text), Reinhold Westerheide (Gitarre), Stefan Kallmer (Klarinette), Willem Schulz (Cello, Konzept), Gerd Lisken (Klavier), Angelika Höger (Kinetische Klangkunst), Peter Schwieger (Synthesizer, Electronics, Toys) und Marcus Beuter (Laptop, Field Recordings).

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