„Die Freude ist spürbar“ - Reformationsfeier in Lemgo

Thomas Krügler

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Ergreifende Bläserklänge: Der Posaunenchor Lemgo spielt unter Leitung von Oliver Eggert zum Abschluss in St. Nicolai. - © Thomas Krügler
Ergreifende Bläserklänge: Der Posaunenchor Lemgo spielt unter Leitung von Oliver Eggert zum Abschluss in St. Nicolai. (© Thomas Krügler)

Etwa 2000 Menschen haben in fünf Lemgoer Kirchen und drei Museen den Abend des Reformationstags verbracht. Dort gab es kulturelle, geistliche und historische Angebote. Zum Abschluss gegen 22 Uhr sahen und hörten die Besucher einen Auftritt mit Bläsermusik – allerdings nicht auf dem Marktplatz, wie es bei gutem Wetter geplant gewesen war, sondern in der Kirche St. Nicolai.
Dort waren zuvor unter dem Titel „Luther klingt" Konzerte mit dem Vokalensemble und dem Hausmusikkreis Linde zu hören gewesen. Auch der Posaunenchor Lemgo wirkte mit. Zudem erklangen Reformationslieder am Glockenspiel mit Jobst Hermann Koch.

Unter der Überschrift „Luther und die Musik" spielte Landeskantor Volker Jänig auf der Schwalbennestorgel in St. Marien Werke der Reformationszeit. Uta Singer interpretierte Lutherlieder. Pfarrer Matthias Altevogt rezitierte Texte und verdeutlichte das Protestpotenzial von Lutherliedern: Eine Schweinfurter Gemeinde habe 1532 mit „Ein feste Burg" einen altgläubigen Priester niedergesungen, und auch als Protest gegen Atomraketen sei das Lied in Mutlangen angestimmt worden.

Während in St. Pauli Bands spielten und die Gäste sich kreativ mit Bibeltexten auseinandersetzen konnten, fanden in St. Johann unter dem Motto „Gott macht keine traurigen Gedanken..." musikalisch untermalte Lesungen von Lutherschriften mit dem früheren Landessuperintendent Gerrit Noltensmeier statt. Die katholische Heilig-Geist-Kirche stellte die Taufe ins Zentrum, die alle Gläubigen in Christus eine. Mit Wasser aus dem Taufstein der alten Bonifatiuskirche konnten sich die Gäste segnen. In Lesungen hörten die Besucher Einheitsübersetzung und Lutherbibel im Vergleich.

Im Hexenbürgermeisterhaus gaben sich die Besucher die Klinke in die Hand. Durch die Reformationsausstellung „Glaube, Recht & Freiheit" führte Jürgen Scheffler, während das Posaunenquartett Slide-o-Five Bläserchoräle intonierte. Derweil zeigte Stadtarchivar Marcel Oeben im Süsterhaus historische Dokumente der Reformationszeit. Auch die Gedenkstätte Frenkelhaus platzte aus allen Nähten. Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn führte durch die Ausstellung „Diaspora", dazu war jüdische Klezmermusik zu hören.
Beim gemeinsamen Abschluss in St. Nicolai hörten die Besucher dann beeindruckende Musik des großen Posaunenchores unter Leitung von Oliver Eggert, verstärkt von Slide-o-Five unter Leitung von Matthias Krüger, die Luthers Abendsegen einleitete, den etwa 1000 Besucher gemeinsam sprachen. Ein Lichtermeer aus Kerzen und das Lied „Der Mond ist aufgegangen" ließen den Festtag stimmungsvoll ausklingen.

Besucher Siegfried Soberger (93) aus Lemgo zeigte sich ergriffen: „Ein feierliches Fest des Glaubens, die Freude ist spürbar", sagte er. „Die größte Freude für mich war, dass ich in meinem hohen Alter die schönen Lieder im Projektchor mitsingen durfte."

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