Merkwürdigkeiten aus dem Alltagsleben

Der Kabarettist Arno Rittgen vereint Wortwitz mit melancholischen Klängen

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Wortakrobatik mit Musik: Ralf Nachtigall und Philipp Schmidt-Rhaesa begleiteten den Kabarettisten Arno Rittgen musikalisch (von links). - © Foto: Krügler
Wortakrobatik mit Musik: Ralf Nachtigall und Philipp Schmidt-Rhaesa begleiteten den Kabarettisten Arno Rittgen musikalisch (von links). (© Foto: Krügler)

Lemgo (krü). Arno Rittgen lobt die Meinungsfreiheit - schade nur, dass keine Meinung vorhanden ist. Wir sind meinungsfrei geworden, stellt der Kabarettist fest. Das merke man aber erst, wenn man jemanden die "Meinung sagen will". Mit feinsinnigen Beobachtungen wie diesen amüsierte der Essener Liedermacher das Publikum im Marianne-Weber-Gymnasium.

Immer wieder faszinierte die Wortakrobatik des studierten Philosophen Rittgen, wenn er mit pointiertem Witz sagte, was endlich mal gesagt werden musste. Seine Stärke liegt in den melancholisch anmutenden Liedern, die er mit der Gitarre  begleitet. Wenn er von den "Ortskundigen" singt, die sich sogar im Urlaub wie "Ortskundige" aufführen, wechselt seine Stimme ins Bedrohliche. Am Klavier kommt Rittgen sarkastisch daher, wenn er über seinen Hund oder Mikroben singt, die uns "bewohnen".

Gelegentlich unterlegte Philipp Schmidt-Rhaesa mit dem Cello oder Kontrabass einen passenden Klangteppich. So erhielt das Lied über den Kölner Dom ein mittelalterliches Ambiente. Rittgen erklärt, dass Leerverkäufe keine Erfindung der Neuzeit sind, denn der Handel mit Reliquien habe die schönsten mittelalterlichen Kathedralen hervorgebracht, obwohl die knöchrigen Mitbringsel oft Fälschungen seien.

Nach der Pause sollte es a cappella mit einem reinen Vokal-Vortrag weitergehen – allerdings doch mit Konsonanten. Köstlich war die etymologische Erklärung des Wortes "Fisimatenten": Napoleons Soldaten förderten Mädchen mit dem Spruch "Visitez ma tente!" (Besuch mein Zelt) zum Schäferstündchen auf. Peinlich kann es nach Rittgens Ansicht werden, wenn das Finanzamt wissen möchte, wie man veranlagt ist. "Zusammen oder getrennt?" Dies sei auch die entscheidende Frage beim Bezahlen der Rechnung nach dem Essen.

Der Titel seines Programms "alternativlos" - ein potenzielles Unwort des Jahres - bezieht sich auf die Rhetorik der Politiker, die auch ihr Fett weg bekamen. Er machte auch keinen Hehl aus seiner Aversion gegen Jazzmusik, die seiner Meinung nach nur erfunden wurde, um falsche Töne zu legitimieren. Dramatisch wurde es zum Schluss bei der Interpretation des Chansons "Dans le port d‘Amsterdam" von Jacques Brel, bei dem Ralf Nachtigall auf dem Klavier begleitete.
Die Gäste erlebten einen wortreichen Abend, der musikalisch sehr unterhaltsam war.

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