Senioren kämpfen um den Titel "Suppenkasper 2012"

Altenheim-Team kocht fröhlich um die Wette

Von Judith Stracke

Senioren kochen 

um die Wette - © Lemgo
Senioren kochen
um die Wette (© Lemgo)

Lemgo. Wer kocht die beste Suppe für den guten Zweck? Fünf Tage lang haben fünf Teams in den Töpfen der Kochwerkstatt der Lemgoer Unternehmerin Dörthe Höft um den Titel des "Suppenkaspers" gerührt.

Wer Olga Schubert im Team hat, braucht sich um Tränen beim Zwiebelschneiden keine Sorgen zu machen. "Ich habe es schon mit Tausenden von Zwiebeln aufgenommen und noch nie dabei geweint", lacht die 93-jährige Knoblauchliebhaberin. Sie ist sich mit Teamkollegin Anneliese Lehbrink, 92 Jahre jung, über das Erfolgsrezept des ältesten angetretenen Suppenkasperteams einig: "Niemand kocht mit so viel Liebe und vor allem mit unserer Erfahrung."

Erfahrung, die auch die Herren der Schöpfung in die Küche ruft. Horst Wehmeyer (77) und Walter Gießke (71) komplettieren den Kochclub der Seniorenwohnanlage "Buchenhof", der vom Ergotherapeutenteam um Svenja Wilde liebevoll begleitet wird.

(von links) Walter Gießke, Horst Wehmeyer, Anneliese Lehbrink, Carolin Stahlberg, Britta Wilde, Olga Schubert, Peter Hansen und Svenja Wilde in der Kochwerkstatt im Hause Höft. - © Foto: Stracke
(von links) Walter Gießke, Horst Wehmeyer, Anneliese Lehbrink, Carolin Stahlberg, Britta Wilde, Olga Schubert, Peter Hansen und Svenja Wilde in der Kochwerkstatt im Hause Höft. (© Foto: Stracke)

"Meine Mutter hatte bei uns die Befehlsgewalt. Sie hat mich schon als Kind immer in die Küche geschickt, damit ich die Bratkartoffeln mache", meint der pensionierte Zimmermann Wehmeyer und greift zum Messer, um Titel und Preisgeld zu holen. Gewonnen haben alle Teilnehmer des von Dörthe Höft kreierten Benefizkochens bereits im Vorfeld. Denn sie wurden aus den elf Bewerbungen ausgesucht, um überhaupt an den Herd treten zu dürfen. "Jedes Team musste erklären, für welches Projekt sie den Gewinn verwenden möchten. Es war uns als Sponsoren wichtig zu wissen, wofür wir spenden", erklärt Dörthe Höft und freut sich über das rege Treiben in der Kochwerkstatt ihrer Firma.

Mit Rollatoren, eigens entworfenen Schürzen und Kochmützen sowie frischen Suppenhühnern für eine perfekte Brühe und der nötigen Prise guter Laune sind die "Buchenhofler" eigens aus Bad Salzuflen angereist. "Wenn wir etwas machen, dann richtig. Wir haben von dem Wettbewerb im Magazin ,Vita 50plus‘ gelesen und waren sofort begeistert. Bislang haben wir für unsere 150 Bewohnerinnen und Bewohner gekocht mit dem alljährlichen Highlight des 30 Kilogramm Spargelschälens", verrät  Ergotherapeutenchefin Svenja Wilde.

Zurück an den Herd des Geschehens. Diesen haben Horst Wehmeyer, der das geschnippelte Gemüse andünstet und Mitkocher Walter Gießke, der die geschnittenen Blutwurststücke liebevoll im Mehl wälzt, bestens aufgelegt in Beschlag genommen. Kartoffel-Lauch-Smoothie mit Blutwurst-Crostini oder wahlweise Frühstücksbacon lautet das Erfolgsrezept. Ein Geheimnis bleiben die Tränendrüsen von Olga Schubert, deren Augen auch nach dem fünf Kilo schweren Zwiebelberg trocken geblieben sind. "Ein Phänomen", meint Svenja Wilde lächelnd und weiß: "Kochen ist eine tolle Therapie. Es hält Körper und Seele zusammen sowie Finger und Geist beweglich. Es ist das Gefühl, etwas zusammen zu leisten."

Zusammenhalt, der auch nach der dreistündigen Suppenkasperaktion demonstriert wird, als die Fans des Kochclubs per Shuttle-Service in die Lemgoer Kochwerkstatt chauffiert werden, um über die Suppe abzustimmen. Jeder Fan hat eine Stimme. Die Bewertung erfolgt nach Punkten, sechs bedeutet "exquisit". Andrang und Anerkennung von Seiten der erschienenen Fangemeinde vom Mitbewohner bis hin zum Heimbeirat beeindrucken auch die Meisterin des Zwiebelschälens. "Das hat viel Spaß gemacht", meint die 93-jährige Olga Schubert und wischt sich jetzt doch eine dicke Freudenträne vom Gesicht.

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