Meierjohann sieht Landwirte mit Problemen konfrontiert

Chef des Landwirtschaftlichen Vereins: "Unser Berufsstand wird kriminalisiert"

Von Katharina Pavlustyk

"Unser Berufsstand wird kriminalisiert" - © Lemgo
"Unser Berufsstand wird kriminalisiert" (© Lemgo)

Lemgo-Voßheide. Hauptsache billig: Diese Käufer-Mentalität macht Bauern auch in Lemgo zu schaffen. Über Schwierigkeiten in seinem Metier sprach Friedrich-Wilhelm Meierjohann mit der LZ.

Der 39-Jährige ist neuer Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Vereins Lemgo. Die Zukunft seines Berufsstandes sieht er mit Sorge.

Welche Ziele haben Sie als neuer Chef des Landwirtschaftlichen Vereins?

Friedrich-Wilhelm Meierjohann: Das Vereinsleben in Schwung bringen. Das ist in den vergangenen Jahren etwas eingeschlafen. Der Lemgoer Verein ist relativ groß mit mehr als 100 Mitgliedern. Die gilt es, zusammenzubringen - mit Aktionen, Vortragsabenden oder Feldbegehungen.

Friedrich-Wilhelm Meierjohann hat auf seinem Hof in Voßheide einen großen Bestand an Mastschweinen. Leben kann er davon, Rücklagen bilden nicht. - © Foto: Pavlustyk
Friedrich-Wilhelm Meierjohann hat auf seinem Hof in Voßheide einen großen Bestand an Mastschweinen. Leben kann er davon, Rücklagen bilden nicht. (© Foto: Pavlustyk)

Mit welchen Schwierigkeiten hat Ihr Verein zu kämpfen?

Meierjohann: Der Landwirtschaftliche Verein in Lemgo hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie der Rest des Berufsstandes, zum Beispiel mit einer schlechten Preissituation am Markt für Milch oder Fleisch. Ein Riesenproblem ist aber, dass unser Berufsstand kriminalisiert wird.

Meinen Sie die Skandale in der Landwirtschaft?

Meierjohann: Ja. Das waren Betrugsskandale, die mit der eigentlichen Landwirtschaft nichts zu tun haben und politisch ausgeschlachtet werden. Uns stört vor allem, dass die Politik uns gegenüber feindselig eingestellt ist. Man wird mit immer neuen Auflagen konfrontiert, die teils sinnfrei und nicht ohne Weiteres umsetzbar sind.

Zum Beispiel?

Meierjohann: Zum Beispiel die Auflage bezüglich der Abluftreinigung und Filterung (Betrieben werden für Ställe Abluftfilter bestimmter Größenordnung vorgeschrieben, Anm. der Red.). Das ist technisch schwer umzusetzen und macht die Produktion erheblich teurer. Das könnte nur funktionieren, wenn wir einen abgeschotteten Markt hätten. Aber auf dem Weltmarkt konkurrieren wir mit Niedriglohn-Betrieben.

Können Sie als Landwirt von Ihren Einnahmen gut leben?

Meierjohann: Ich habe einen großen Bestand an Mastschweinen und kann schon davon leben und meine Rechnungen bezahlen. Aber Rücklagen sind nicht möglich.

Wie würden Sie die Situation der Landwirtschaft in Lemgo beschreiben?

Meierjohann: Die Zahl der Landwirte wird auch hier immer kleiner. Aber die Landwirtschaft ist hier breit gefächert. Der Ackerbau ist das Hauptstandbein, aber auch die Tierhaltung mit Milchviehbetrieben oder Schweinehaltung ist breit aufgestellt.

Was halten Sie vom geplanten Ausbau der Windkraft auch in Lemgo?

Meierjohann: Nun sind die Anträge erstmal um ein Jahr zurückgestellt worden. Ich finde die Errichtung von Windkraftanlagen gut, weil wir in einer Gegend leben, in der wir Strom auf kurzen Wegen ins Netz einspeisen können. Für die Landwirtschaft sehe ich keine Probleme, weil es sich um recht kleine Stellflächen auf landwirtschaftlichem Gebiet handelt. Wichtig ist jedoch, dass die Windkraftinvestitionen Hand in Hand mit Bauern und Bürgern gehen. Dass also Bauern ein Entgelt bekommen.

Müssen sich Landwirte heute stärker um andere Einnahmequellen kümmern? Und etwa Photovoltaikanlagen auf ihren Höfen errichten?

Meierjohann: Das ist schon so. Es ist vorteilhaft, wenn man breiter aufgestellt ist. Betriebe mit nur 20 Schweinen oder 100 Hühnern sind ein Auslaufmodell. Wir stehen unter einem Kostendruck. Ich muss beim Verkauf meiner Schweine um jeden Cent feilschen.

Was sind Ihre Wünsche - an Politik oder Kunden?

Meierjohann: Von der Politik wünsche ich mir faire Bedingungen. Von den Verbrauchern, dass sie ihre Einstellung zum Thema Lebensmittel überdenken. Die meisten wollen Lebensmittel möglichst günstig.

Das hört sich alles wenig erbaulich an. Warum bleiben Sie Landwirt?

Meierjohann: Mit unserem Betrieb habe ich auch ein Erbe angetreten. Ich fühle mich den Vorfahren und den nachfolgenden Generationen verpflichtet. Der Beruf macht mir Spaß. Das motiviert jeden Tag aufs Neue.

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