Jugendliche aus drei Lemgoer Schulen geben ihrem selbstgebauten Holzkanu einen japanischen Namen

Von Julia Mausch

Während Gymnasiastin Amelie Christin Piesczek Sekt über das Holzkanu gießt, gibt sie den Namen des Holzbootes bekannt. "Mulan" soll es zukünftig heißen, denn der japanische Name steht für "Schnelligkeit im Wasser". - © Foto: Mausch
Während Gymnasiastin Amelie Christin Piesczek Sekt über das Holzkanu gießt, gibt sie den Namen des Holzbootes bekannt. "Mulan" soll es zukünftig heißen, denn der japanische Name steht für "Schnelligkeit im Wasser". (© Foto: Mausch)

Lemgo. Seit 24 Monaten kooperieren drei Lemgoer Schulen in einem besonderen Projekt. Das Ergebnis der Zusammenarbeit ist am Montagabend an der Bega vom Stapel gelassen worden: ein Kanu mit dem Namen "Mulan".

Vor zwei Jahren wurde die Kooperation der Realschule, der Heinrich-Drake-Ganztagshauptschule sowie des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums beschlossen. Schüler der jeweiligen Abschlussjahrgänge sollten gemeinsam hochwertige Holzleistenkanus für die heimischen Flüsse bauen - als Ergänzung zum Werkunterricht, so Realschullehrerin Kathrin Manthey. Gemeinsam mit Kollege Sadik Vrajoli von der Heinrich-Drake-Schule hat die Tischlermeisterin die erste Holzkanu-AG seit Mai 2012 geleitet: "Wir wollen das Arbeitsverhalten unserer Schüler fördern und sie direkt auf den Beruf vorbereiten."

Das Netzwerk Lippe, die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold, der Arbeitskreis "Jugend und Beruf in Lippe" und heimische Unternehmen sind begeistert von der Idee und unterstützen sie. Die enge Zusammenarbeit hat auf europäischer Ebene Anklang gefunden. 20 Vertreter aus England, Holland, Dänemark oder Ungarn sind nach Lemgo gekommen, um mehr über das Projekt zu erfahren.  "In Dänemark haben junge Menschen Probleme, einen Job zu bekommen. Nur 85 Prozent aller Absolventen erhalten einen Ausbildungsplatz. Hier in Lemgo sieht man, inwieweit Schule, Freiwilligenarbeit und Ehrenamt den Arbeitsmarkt positiv beeinflussen", sagt die dänische Gemeindemitarbeiterin Anne Lerche Nordlund.

Ebenso angetan ist man auf der britischen Insel. "In England gibt es immer mehr Selbstständige, die zu Einzelkämpfern werden. Den Lemgoern ist soziale gemeinnützige Zusammenarbeit wichtig und das ist ausschlaggebend für die Wirtschaft", sagt die Pädagogin Claire Watts aus England.

Das Projekt soll weitergeführt werden: "Wir wollen Wirtschaftsunternehmen zur Vernetzung in die Schule holen", berichtet Realschulleiter Norbert Fischer. Für Schüler sei es eine Möglichkeit, Praktika oder Arbeitsplätze zu bekommen, und Unternehmen könnten in der Schule werben. Projektsprecher Stephan Westerdick ergänzt: "Wir planen neben den Kanus mit den Schülern der drei Schulen auch ein Solarmodellprojekt." Dafür würden Sponsoren gesucht.

Weitere Infos zum Projekt unter: kanubauprojekt.wordpress.com.

Projekt geht im nächsten Jahr weiter

16 Schüler der Abschlussjahrgänge der Lemgoer Realschule, der Heinrich-Drake-Schule und des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums haben beim Projekt "Holz-Kanubau" Teamarbeit und Arbeitsteilung gelernt. Die Idee stammt aus dem Arbeitskreis "JuBeL" (Jugend und Beruf in Lippe), der das Ziel verfolgt, Verantwortung für die Region und die Gesellschaft in Lippe übernehmen. Die 16 Jugendlichen haben sich in ihrer Arbeitsgemeinschaft jeweils nachmittags getroffen, um Holz-Kanus zu bauen.

Laut Angaben von Sprecher Stephan Westerdick sollen die AG-Mitglieder, die jetzt die Boote gebaut haben, im kommenden Schuljahr die nächste Gruppe anlernen und ihr Projekt bei einer Veranstaltung des Netzwerks Lippe am Mittwoch, 3. Juli, um 18 Uhr im IHK-Gebäude in Detmold vorstellen.

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