Nach mehr als 30 Jahren geht Willy Schmidt in Ruhestand

Thomas Dohna

  • 0
Willy Schmidt leitete seit den 1980er Jahren die Diakoniestation Leopoldshöhe-Helpup. Seit dem 1. Juni genießt der 63-Jährige seinen Ruhestand. - © Thomas Dohna
Willy Schmidt leitete seit den 1980er Jahren die Diakoniestation Leopoldshöhe-Helpup. Seit dem 1. Juni genießt der 63-Jährige seinen Ruhestand. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Ingenieur hat Willy Schmidt werden wollen. Das wurde er nicht – und hat doch aufgebaut und gestaltet: die Diakoniestation Leopoldshöhe-Helpup. Mehr als 30 Jahre hat Schmidt die Pflegedienstleitung der Einrichtung innegehabt. Jetzt ist der 63-Jährige in den Ruhestand gegangen.

Schmidt ist Mennonit. Für Bechterdissen ist das nichts Ungewöhnliches. Hier lebt seit Jahrzehnten eine mitgliederstarke Gemeinde der Mennoniten. Viele Mitglieder der Generation Schmidts sind wie er in Paraguay geboren.

Seine Eltern zog es nach Deutschland zurück. In den 1960er Jahren, Schmidt war gerade zehn Jahre alt, fand er sich in Bechterdissen wieder. Hier hatten schon viele Mennoniten eine neue Heimat gefunden.

Schmidt freute sich nicht unbedingt auf die neue Heimat. „Mit zehn Jahren hat man die ersten Freunde gefunden", sagt er. Er ging zur Hauptschule, legte die Fachhochschulreife ab und steuerte auf ein Ingenieursstudium zu. Davor war noch der Zivildienst zu absolvieren – im Bielefelder Krankenhaus Gilead. Dort hatte er eine Idee: Wie wäre es, wenn er parallel zum Zivildienst eine Ausbildung zum Krankenpfleger machen könne?

Gedacht, gefragt – und mit ein wenig Überzeugungsarbeit verwirklichte Schmidt seine Idee. Die Arbeit habe ihm viel Freude bereitet, erinnert sich Schmidt. Und der Wunsch, Ingenieur zu werden, war wie weggeblasen.

Eines Tages sprach ihn Schwester Theresia Zangerl über den Zaun hinweg an. Sie war Gemeindeschwester der evangelischen Kirchengemein-de Asemissen-Bechterdissen. Es werde ein Pfleger gesucht, ob er sich das nicht vorstellen könne? „Damals gab es ja noch keine männlichen Pflegekräfte", erinnert sich Schmidt. Und so wurde er „Schwester Willy".

„Die waren mutig damals", sagt Schmidt. Mit „die" meint er die Kirchenältesten. Einen jungen Mann als „Gemeindeschwester" einzustellen, das habe es bis dahin noch nicht gegeben. Zumal die Mitbewerberin eine Diakonisse war. Dann gehörte er auch noch einer anderen Konfession an. Es ist offensichtlich gut gegangen. „Mennoniten und Reformierte stehen sich im Glauben sehr nahe", sagt Schmidt.

1981 gründeten die Kirchengemeinden Asemissen-Bechterdissen, Leopoldshöhe, Helpup und Oerlinghausen eine Diakoniestation. Schwester Theresia Zangerl übernahm die Leitung. Doch schon nach einem Jahr zog sie aus Leopoldshöhe weg. Siegfried Habicht, im Geschäftsführenden Ausschuss der Gemeinden fürs Personal zuständig, sprach Schmidt an. Der wollte nicht. „Ich musste ihn mehrere Monate bearbeiten", sagte Habicht rückblickend im Verabschiedungsgottesdienst für Schmidt.

Schließlich sagte er aber doch zu. Die Arbeit sei überschaubar gewesen: Vier Mitarbeiterinnen und er waren zu koordinieren. „Dienstbesprechungen gab es anfangs gar nicht", berichtet Schmidt. Freitagnachmittags riefen sich die Mitarbeiterinnen gegenseitig an, ob etwas anliegt.

Inzwischen arbeiten bei der Diakoniestation 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Kirchengemeinde Oerlinghausen ist vor Jahren ausgeschieden. Die Arbeit teilen sich zwei Arbeitsgruppen. „Wir haben ein Monopol in Leopoldshöhe und Helpup", sagt Schmidt. Verschiedene Pflegedienste hätten schon versucht, in Leopoldshöhe Fuß zu fassen, und hätten sich bald wieder zurückgezogen. „Wir sagen keinem Patienten ab", sagt Schmidt. Mindestens die Hälfte der täglichen Einsätze komme ungeplant. Ganz gleich, ob die Finanzierung geklärt ist, oder ob die Tage eigentlich voll sind, es werde noch am gleichen Tag geholfen.

Den ersten Besuch bei neuen Patienten hat Schmidt immer selbst gemacht. „Die Menschen müssen das Gefühl haben, dass sie selbst bestimmen können, was mit ihnen geschieht." Kleinigkeiten seien wichtig, die Post mitbringen oder den Einkauf. „Was man Gutes gibt, kommt zurück", stellt Schmidt fest. So sähen es auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station, auch wenn es für sie oft unbequem sei. Er habe ihnen immer möglichst viel Entscheidungsfreiheit eingeräumt. „Mir ist Raum gelassen worden, den habe ich auch meinen Mitarbeitern gegeben", sagt Schmidt.

Jetzt, im Ruhestand, hat er ganz viel Freiraum. Viele Angebote habe es gegeben, alle habe er abgelehnt. „Ich muss erst einmal zur Ruhe kommen", stellt Schmidt für sich fest. Er will auf der Ostsee segeln, im Sommer als Betreuer bei einer Kinderfreizeit mitfahren. Im Winter will er mit seine Frau Erna deren schon betagten Vater in Paraguay besuchen. „Wichtig ist, dass man irgendwann das Steuer abgibt und sich auf den Sozius setzt", hat Schmidt für sich erkannt.

Information

Die Diakoniestation

Die Einrichtung an der Danziger Straße 2 arbeitet mit examiniertem Personal, das zum Teil auch russisch und polnisch spricht. Die betreuten Menschen sollen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld wohnen können. Neben pflegerischen, medizinischen und seelsorgerischen Angeboten gibt es einen 24-Stunden-Notdienst, Betreuung dementieller Patienten, Hausnotruf, Gruppenbetreuung und Kurse für pflegende Angehörige. Bei der Qualitätsprüfung 2016 erhielt die Diakoniestation die Gesamtnote 1,5. www.pflege-navigator.de

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!