Feuchttücher legen Pumpen des Abwasserwerks in Leopoldshöhe lahm

Thomas Dohna

  • 0
Hier kommt das Abwasser an: Reiner Loer steht vor einem der großen Klärbecken des Klärwerkes Schuckenbaum. - © Thomas Dohna
Hier kommt das Abwasser an: Reiner Loer steht vor einem der großen Klärbecken des Klärwerkes Schuckenbaum. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Feuchttücher sind praktisch – zumal sie ziemlich reißfest sind. Doch das macht sie zum Problem für die Abwasserbeseitigung. Seit etwa vier Jahren kämpft das Leopoldshöher Abwasserwerk immer wieder mit verstopften Pumpen.

Mindestens einmal im Monat, oft auch einmal in der Woche, müssen die Mitarbeiter des Klärwerkes zu einer der elf Pumpstationen im Gemeindegebiet fahren, um die Anlage von Feuchttüchern zu befreien. „Die Tücher wickeln sich zu einem Zopf auf“, sagt Reiner Loer, technischer Leiter des Abwasserbetriebes Leopoldshöhe. Im schnellsten Fall braucht ein Mitarbeiter etwa eine Stunde, um den Zopf vom Pumpenrad loszuschneiden. Bisher sei noch keine Pumpe zu Schaden gekommen, weil sich diese laut Loer rechtzeitig abschalten.

Generell bereiten Feuchttücher in vielen Abwassersystemen Probleme. Unlängst machte Andreas Friedrich die Leopoldshöher Politik darauf aufmerksam, indem er einen Film des WDR zeigte. Der Sender hatte zusammen mit Wissenschaftlern untersucht, wie lange Feuchttücher brauchen, um sich pumpenfreundlich zu zersetzen. Das Fazit: zu lange. Einzig herkömmliches Toilettenpapier löst sich im Wasser so schnell auf, dass die Pumpen davon unbeeindruckt bleiben.

Reiner Loer kennt den Film und zuckt mit den Schultern. „Auf den Packungen steht ja, dass sie sich zersetzen“, sagt er. Wird ein Feuchttuch in der Toilette weggespült, brauche es zwar nur wenige Minuten bis zur nächsten Pumpstation – bis es sich zersetzt habe, dauere es jedoch Stunden bis Tage.

Und auch am Ende von Kanalstrecken komme es immer wieder zu Problemen, fügt Reiner Loer an. Wenn an diesen Enden nur wenige Menschen wohnen und deswegen nur wenig Schmutzwasser durch den Kanal fließt, könnten Feuchttücher schon mal hängenbleiben und so nach und nach einen Stau verursachen. Das komme aber relativ selten vor. Ärgerlich sei das für Rohre, die auf Privatgrund liegen, sagt Andreas Friedrich. Die Grundstückseigentümer müssten dann selbst ein Unternehmen mit der Reinigung beauftragen.

Werden die Tücher fortgespült und flutschen durch die Pumpenräder, landen sie wenig später im Klärwerk. Im sogenannten Rechen, der eigentlich ein Sieb ist, werden die Feuchttücher aus dem Wasser gefischt. Wie alles, das größer als drei Millimeter ist, sagt Loer. Deswegen komme es im Klärwerk selbst so gut wie nie zu Problemen mit den Feuchttüchern an sich – eher mit den Fasern, falls diese kleiner sind als drei Millimeter. Die im Rechen herausgeholten Tücher landen wie alles andere im Kompost.

Weniger Probleme gibt es in Druckentwässerungsanlagen. Den Pumpen dort ist meist ein Schneidwerk vorgeschaltet, das Feuchttücher zerkleinert. Dennoch plädiert Andreas Friedrich: „Gebrauchte Feuchttücher gehören nicht in die Toilette, sondern in den Müll.“

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!