Gebäudehöhe geplanter Mehrfamilienhäuser bereitet Sorge

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Wird bebaut: Auf dem Grundstück an der Ecke Heinrichstraße/Schötmarsche Straße sollen drei Mehrfamilienhäuser und ein Spielplatz entstehen. - © Thomas Dohna
Wird bebaut: Auf dem Grundstück an der Ecke Heinrichstraße/Schötmarsche Straße sollen drei Mehrfamilienhäuser und ein Spielplatz entstehen. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. In zwei Baugebieten wollen Bauträger Mehrfamilienhäuser mit sogenannten Staffelgeschossen bauen. Das heißt, dass das oberste Geschoss eine deutlich kleinere Grundfläche hat, was eine großzügige Dachterrasse mit sich bringt.

In beiden Fällen hat man im Rathaus allerdings Sorge, dass die Kreisverwaltung eine andere Messlatte ans Dach anlegt als Gemeindeverwaltung und Architekten.

In einem Fall betrifft das das neue Baugebiet Gieselmann-Kreisel. Dort möchte die Wohnbau Lemgo Mehrfamilienhäuser errichten.

Die Idee dazu kam ursprünglich aus der SPD-Fraktion, die den sozialen Wohnungsbau im Ort fördern und Wohnraum für finanzschwächere Menschen schaffen möchte. Zunächst waren vier Mehrfamilienhäuser geplant. Durch eine neue Anordnung der Häuser könnte nun ein fünftes Haus gebaut werden.

Geplant sind Ein- bis Vierraum-Wohnungen in Gebäuden mit Staffelgeschoss. Die Wohnungen sind modular aufgebaut, so dass in jedem Haus Wohnungen verschiedener Größe geschaffen werden können, erläuterte Architekt Florian Ohmes im Hochbau- und Planungsausschuss.

Lob kam von Andreas Brinkmann (SPD): „Wir brauchen dringend Mietwohnungen." Axel Meckelmann fragte nach der Sozialbindung des Wohnraums. Seine Partei habe unter der Voraussetzung zugestimmt, dass dort sozialer Wohnungsbau entstehe.

Thomas Kleinebekel von der Wohnbau Lemgo betonte, dass alle Grundrisse förderbar seien. 2018 solle der Bauantrag gestellt werden, im gleichen Jahr solle der Bau begonnen werden. Allerdings müsse das Wohnbauförderungsprogramm des Landes für 2018 noch abgewartet werden.

Als Knackpunkt für das Projekt hatte die Verwaltung die Traufhöhe der Staffelgeschosse ausgemacht – also den Punkt, an dem das Dach anfängt. Sieben Meter dürfen es sein. Die Höhe der Traufe des Staffelgeschossen betrage aber neun Meter.

Es könne sein, dass der Kreis nicht zustimme, hieß es von der Gemeindeverwaltung. In dem Fall werde man den Bebauungsplan ändern. Diesen Vorschlägen und dem Vorhaben an sich stimmte der Ausschuss zu.

Anders beim „Wohnpark Leopold", der an der Ecke Schötmarsche Straße und Heinrichstraße entstehen soll. Hier sind drei dreigeschossige Häuser mit je fünf Wohnungen geplant.

Sie sollen zum Teil vermietet, zum Teil als Eigentumswohnungen genutzt werden. Zwei Häuser sollen eine Tiefgarage bekommen. Das oberste Geschoss soll ein Staffelgeschoss werden. Detlev Gadow (Grüne) fand die Bebauung zu massiv. Die im Bebauungsplan festgesetzte Traufhöhe von sieben Metern werde bei dem geplanten Gebäudetyp nicht eingehalten, stellte die Gemeindeverwaltung in ihrer Vorlage fest.

Eine Bebauungsplanänderung in Bezug auf die Traufhöhe wäre erforderlich. Auf Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Thomas Jahn (SPD) wurde die Sache zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen.

Information
Vorschriften fürs Staffelgeschoss

Nach den Vorschriften der Landesbauordnung NRW muss ein Staffelgeschoss gegenüber allen Außenwänden des Gebäudes zurückgesetzt sein und darf nicht mehr als zwei Drittel der Grundfläche des darunterliegenden Geschosses haben. Umstritten ist der Zusammenhang zwischen Traufhöhe und Staffelgeschoss. In Bielefelder Bebauungsplänen werden zwei Traufhöhen bestimmt. Das Oberverwaltungsgericht Mecklenburg bestimmt als Traufhöhe den Schnittpunkt von aufgehender Wand und Dachhaut des Staffelgeschosses (AZ.: 3 M 73/06 und AZ.: 3 M 244/10). Das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf nimmt dagegen den untersten Punkt, von dem Regenwasser abtropft, als Traufhöhe an. Seien in einem Bebauungsplan keine Dachformen vorgeschrieben, sei das als Hinweis auf größtmögliche Gestaltungsfreiheit zu werten (AZ.: 7 A 1942/08).

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