Theologieprofessor Jürgen Ebach spricht 
in Leopoldshöhe

Thomas Dohna

  • 0
  1. Schlagwörter:
  2. Jürgen Ebach
  3. Bibel
Professor Jürgen Ebach. - © Thomas Dohna
Professor Jürgen Ebach. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Ein in der Szene prominenter Gast ist in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Leopoldshöhe zu Besuch gewesen. Professor Jürgen Ebach ging in seinem Vortrag der Frage nach: Wie ist die Bibel zu lesen?

Ebach ist emeritierter Professor der Universitäten Bochum und Paderborn und setzt sich seit Jahrzehnten mit der Bibel auseinander. „Die Bibel ist von Menschen verfasst worden", sagt er. Die Autoren würden in verschiedenen Büchern genannt. Alle sehen ihre Welt als von Gott geleitet an. Die Bibel sei Gottes Wort als Menschenzeugnis.

Aus verschiedenen Gründen sei sie nicht wörtlich zu verstehen. Genauso wie es in der Interpretation von Musik nicht die eine Wahrheit gebe, so sei es mit der Interpretation von Wörtern. Die biblische Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel sei zwar historisch unwahrscheinlich, dennoch aber wahr, sagte Jürgen Ebach. Und zwar als literarische Erzählung, nicht als historischer Faktenglaube.

Es sei falsch, biblische Worte als einzige Wahrheit zu nehmen und alle, die es anders sehen, als Ungläubige zu bezeichnen. Das sei ein Fundamentalismus, den es bei den islamischen Salafisten ebenso wie in bestimmten Strömungen des Judentums gebe. „Was die richtige Auslegung ist, ist nicht sicher", sagte Jürgen Ebach. Das ergebe sich aus der Bibel selbst.

Die Bibeltexte seien nicht widerspruchsfrei, mit Ausnahme dreier Aspekte: „Gerechtigkeit, Gottes- und Nächstenliebe ziehen sich durch", sagte Ebach. Selbst wesentliche Texte wie die zehn Gebote oder die Schöpfungsgeschichte kämen in der Bibel in mehreren zum Teil erheblich voneinander abweichenden Fassungen vor. Ebach sieht das nicht als Manko der Bibel an, sondern als ihr Wesen. Die Verfasser der Bibel-Bücher wollten mehr als eine Wahrheit für wahr halten: „Die Vielfalt ist von ihnen gewollt", sagte Jürgen Ebach.

Wenn von bestimmter Seite mit Verweis auf die Bibel ein schriftgemäßes Verbot der Homosexualität gefordert werde, warum dann nicht auch das in der Bibel geforderte Zinsverbot für Banken? „Gelten die Speisenormen der Bibel – oder gelten sie nicht?", fragte Ebach. Wenn etwas als wahr gelten soll, könne das nur mit Mehrheit geschehen, und auch nur, ohne die anderen Ansichten zu unterdrücken. Die Wahrheit sei das dann noch nicht. Im jüdischen Lehrhaus werde das genauso betrieben: Es werden auch die Lehren gelehrt, die gerade nicht gelten.

In der Diskussion um seinen Vortrag bekräftige Jürgen Ebach, dass in den Gottesdiensten auch wieder mehr gedacht werden dürfe. Die unangenehmen Textstellen in den Psalmen, dort wo es auch um Rache und Gewalt geht, dürften nicht ausgeklammert werden. „Das muss ausgesprochen werden, damit es nicht geschieht", sagte Jürgen Ebach. Die Christen seien doch nicht die besseren Menschen – oder sie seien unehrlich.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!