Viel zu wenig Platz zum Lernen in Leopoldshöhe

Thomas Dohna

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Zu wenig Platz: In allen Schulen Leopoldshöhes gibt es jetzt schon zu wenig Räume. Noch nicht einbezogen sind Kinder aus den zukünftigen Baugebieten. - © Thomas Dohna
Zu wenig Platz: In allen Schulen Leopoldshöhes gibt es jetzt schon zu wenig Räume. Noch nicht einbezogen sind Kinder aus den zukünftigen Baugebieten. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. 2300 Quadratmeter Raum fehlen den Schulen in Leopoldshöhe. Das hat eine sogenannte Steuerungsgruppe unter Leitung des ehemaligen Schuldezernenten der Bezirksregierung Heinz Kriete herausgefunden. Sie soll die Entwicklung der Schulen in der Gemeinde für die nächsten Jahre planen. Das hatte die SPD-Fraktion im Gemeinderat mit einem von allen Parteien getragenen Antrag angestoßen.

Auslöser des Antrages waren die überraschend hohen Anmeldezahlen für die Offenen Ganztagsgruppen der Grundschule Nord vor zwei Jahren, die gestiegenen Anmeldezahlen für die Grundschule Nord an sich und die seit Jahren gebetsmühlenhaft vorgetragenen Raumsorgen der Schulleitung der Felix-Fechenbach-Gesamtschule. Eine erste Einschätzung gab jetzt die Steuerungsgruppe ab. Außerdem stellte eine Mitarbeiterin des Kreises Lippe Prognosen zur voraussichtlichen Entwicklung der Schülerzahlen vor.

Für die Grundschule Nord erwartet Claudia Böhm-Kasper eine stabile Vierzügigkeit. Für die Grundschule Asemissen prognostiziert sie zwei bis drei Züge. Die Sekundarstufe der Felix-Fechenbach-Gesamtschule bleibt fünfzügig, die Oberstufe auf ihrem hohen erreichten Niveau. Ansteigen werden die Anmeldezahlen für die Offenen Ganztags-Gruppen in beiden Grundschulen. Sie betonte, dass Wanderungsbewegungen in den Berechnungen noch nicht enthalten sind. Baugebiete wie das in Bau befindliche am Gieselmannkreisel, das geplante zwischen Leopoldshöhe und Schuckenbaum so wie das angedachte zwischen Starenweg und Grester Straße in Asemissen und die anderen, kleineren Baugebiete seien nicht berücksichtigt.

15 Prozent der Leopoldshöher Grundschulkinder besuchten auswärtige Schulen, was vor allem die Grundschule Asemissen trifft. Sie wird von 57 Prozent der in ihrem Einzugsbereich lebenden Kinder besucht. Zur Grundschule Nord gehen 17 Prozent mehr Kinder, als in ihrem Einzugsbereich wohnen.

Diese Zahlen – auch die noch nicht einbezogenen Kinder in zukünftigen Baugebieten – hatte die Steuerungsgruppe noch nicht vorliegen. Sie arbeitete auf der Grundlage moderner pädagogischer Konzepte und des Status quo in den Schulen. Der klassische Frontalunterricht mache nur noch 30 Prozent des Unterrichtes aus, sagte Berater Heinz Kriete. Die anderen Anteile des Unterrichtes verteilten sich aufs Selbstlernen, Gruppenarbeiten und differenzierten Unterricht. Dafür brauche es in den Schulen Platz.

Den Platzbedarf des inklusiven Unterrichts nahm die Steuerungsgruppe, in der neben den Schulleitungen auch Bürgermeister Gerhard Schemmel Mitglied ist, ebenfalls in den Blick. Sie orientierte sich bei ihren Berechnungen an der Kölner Schulbaurichtlinie und an den Richtlinien für Ersatzschulen. Nach denen müsse ein Klassenraum zwischen 64 (in weiterführenden Schulen) und 72 Quadratmeter (in Grundschulen) groß sein. Über alle Schulen hinweg habe die Gruppe einen Bedarf von 2300 Quadratmetern oder 21 Prozent zu wenig Fläche festgestellt, sagte Kriete. Neben der Grundschule Nord sei da vor allem die Felix-Fechenbach-Gesamtschule betroffen. Der Fehlbedarf entspricht bei einer Klassengröße von 72 Quadratmetern 32 Klassenräumen. Die Grundschule Nord verfügt über 16 Klassenräume. Die Steuerungsgruppe soll jetzt auch die Prognosen des Kreises in ihre Überlegungen einbeziehen.

Kommentar: Jahrzehntelang zu klein gedacht

Von Thomas Dohna

Jetzt rächt sich, dass Politik und Verwaltung seit Jahrzehnten die Forderungen von Schulleitungen und -konferenzen nach mehr Räumen ignorieren und als Luxusproblem abtun. Auf die Folgen des Leopoldshöher Wachstums hat man nur gezwungenermaßen geschaut. Jetzt rächen sich Fehlentscheidungen, wie die, ein vierzügiges Gebäude für eine fünfzügige Gesamtschule gebaut zu haben, genauso wie jede weitere Erweiterung der Schule vornherein zu klein zu planen. Vorschläge, die zurzeit laufende energetische Sanierung der Schule mit der Schaffung eines zeitgemäßen Raumprogrammes zu verbinden, schlugen Verwaltung und Politik in den Wind, manchmal kombiniert mit dem Hinweis, die Schule solle doch einfach nicht so viele Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Ein Hinweis, der schon deswegen absurd ist, weil die Leopoldshöher Politik die Größe der Schule einst so beschlossen hat.

In ähnlicher Weise trifft es die Grundschule Nord und deren Offene Ganztagsgruppe. Die räumlich besser dastehende Grundschule Asemissen muss sich dagegen immer wieder Kritik an ihrer geringen Übernahmequote anhören.

Zwischen den Zeilen machen die Kritiker den jahrgangsübergreifenden Unterricht dafür verantwortlich, für den in anderen Orten in OWL Grundschulen geradezu überrannt werden. Sie erkennen nicht, dass ein Großteil der möglichen Grundschüler aus religiösen Gründen andere Schulen besuchen. Sie sollten froh sein, dass das so ist, sonst wäre das Raumdefizit noch größer. Jetzt, da die Probleme von einem unabhängigen Fachmann offen benannt werden, werden Politik und Verwaltung handeln müssen, wenn sie nicht den Ruf, eine wachsende und familienfreundliche Gemeinde zu sein, dauerhaft schädigen wollen. salzuflen@lz.de

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