Flüchtling setzt sich für neue Heimat ein

Thomas Dohna

  • 0
Mit Puster: Darghan Alyashaji (vorn) ist vor islamistischem Terror geflüchtet. Der ehemalige Hotelangestellte arbeitet nun beim Bauhof der Gemeinde im Straßendienst. Unterstützt wird er dabei von Andreas Glatthor, Frank Sommer und Tobias Isaak (von links). - © Thomas Dohna
Mit Puster: Darghan Alyashaji (vorn) ist vor islamistischem Terror geflüchtet. Der ehemalige Hotelangestellte arbeitet nun beim Bauhof der Gemeinde im Straßendienst. Unterstützt wird er dabei von Andreas Glatthor, Frank Sommer und Tobias Isaak (von links). (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Ein Fünf-Sterne-Haus im Nord-Irak, dort arbeitete Darghan Alyashaji als Hotelangestellter und hatte ein gutes Einkommen. Wenn der Krieg nicht genommen wäre, hätte er in dem Hotel vielleicht Karriere gemacht. Seit dem 10. Juli 2015 lebt der 35-Jährige mit Frau und Kindern in Leopoldshöhe. Seit Anfang des Jahres arbeitet er beim Bauhof der Gemeinde im Straßendienst.

Als die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates kamen, entschloss sich Alyashaji zur Flucht. 2015 kam er in Deutschland an. Die Asylbehörde wies ihn Leopoldshöhe zu. Dort fiel er den Mitarbeitern des Leopoldshöher Sozialamtes durch sein Engagement gleich auf, berichtet Frank Sommer. In der Gemeindeverwaltung ist er für die Betreuung der Geflüchteten zuständig.

Alyashaji, der mehrere Sprachen spricht, aber bis 2015 kein Deutsch, besuchte sofort Sprachkurse. Inzwischen ist er so weit, dass er deutsch gut versteht und sich selbst in der Sprache verständigen kann. „Die Sprache ist das hauptsächliche Hindernis", sagt Sommer mit Blick auf die Flüchtlinge.

Im Kreis Lippe gibt es ein Programm für arbeitslose Menschen, die mehrere sogenannte Vermittlungshindernisse haben: das Netzwerk Lippe. Es versucht, sie in Arbeit zu bringen. Seit Jahren ist der Bauhof der Gemeinde Leopoldshöhe einer der Partner des Netzwerkes. „Wir haben als öffentliche Arbeitgeber eine Verpflichtung, diese Menschen zu beschäftigen. Wer, wenn nicht wir?", fragt der Leiter des Bauhofes, Andreas Glatthor.

Information

Der Bauhof

Seit 1976 befindet sich der Bauhof Leopoldshöhe im Schuckenteichweg 7, direkt neben der Feuerwache. Er arbeitet eng mit Jobcenter und Netzwerk Lippe zusammen. Von den 25 festangestellten Mitarbeitern sind vier über das Netzwerk vermittelt worden – Darghan Alyashaji ist der erste und bislang einzige Flüchtling, berichtet Andreas Glatthor, Leiter des Baubetriebshofes.

Er und seine Mitarbeiter versuchen, den Menschen in ihrem Tag eine Struktur zu geben. Dabei sei klar, dass sie nicht von Anfang an die volle Leistungsfähigkeit wie gestandene Mitarbeiter zeigen könnten: „Weiß denn jemand, der noch nie in unserem Bereich gearbeitet hat, was ein Puster ist?" Mit seinen Mitarbeiten spreche er regelmäßig über die neuen Kollegen, denn die müssten mit ihnen zusammenarbeiten.

Es sei auf der anderen Seite eine Bereicherung für den Bauhof – und für den neuen Kollegen, denn der habe das Gefühl, gebraucht zu werden und durch die Arbeit etwas zu erzählen. Tobias Isaak vom Netzwerk Lippe schränkt ein: Es gebe trotz aller Begleitung durch Coaches auch Abbrüche im Programm und Leute, die nicht in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen werden. „Es passt manchmal einfach nicht."

Zu Darghan Alyashaji sagt Glatthor: „Er passt gut hier rein." Nach einem Praktikum im Bauhof bekam er das Angebot, zunächst ein Jahr im Dienst der Gemeinde zu arbeiten. Es sei anders als im Hotel, eine körperlich schwere Arbeit. Das mache ihm aber nichts aus: „In Deutschland muss man arbeiten. Wenn man nur zu Hause sitzt, ist das nicht gut."
Jeden Morgen und nach Feierabend fährt er mit dem Fahrrad von seiner Wohnung in Bexterhagen zum Bauhof und zurück. Einen deutschen Führerschein hat er noch nicht. Er spart darauf.

Nach Feierabend joggt er gern noch eine Runde um die Felder. „Er ist immer da", sagt Glatthor. Bei strömendem Regen am Wochenende die Abfallkörbe in der Gemeinde leeren: „Er hat sich sofort gemeldet." Wie auch zum Aufstellen des Maibaums am 1. Mai auf dem Marktplatz. Alyashaji half beim Aufstellen und räumte anschließend die Absperrungen ab. Er zuckt mit den Schultern „Man muss arbeiten," sagt er.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!