Streitschlichter, Schulsanitäter, SV-Schüler: Gesamtschule geht gegen Gewalt vor

Thomas Dohna

  • 0
Wird immer mehr zum Problem: Gewalt an Schulen. - © Bernhard Preuß
Wird immer mehr zum Problem: Gewalt an Schulen. (© Bernhard Preuß)

Leopoldshöhe. Gewalt an Schulen ist ein Thema, das immer mehr in den Fokus rückt. An der Felix-Fechenbach-Gesamtschule laufen daher bereits seit vielen Jahren Programme zur Gewaltprävention. Im LZ-Interview verrät Sozialarbeiter Johannes Schumacher was dahinter steckt.

Gibt es so viel Gewalt an der Schule, dass Gewaltpräventionsprogramme nötig sind?

Johannes Schumacher: Nein. Aber: Wo Menschen zusammen sind, gibt es Gewalt und Konflikte. Das ist hier an der Schule nicht anders, als an anderen Orten. Beim Start an der Schule bekommt alle Schüler die pädagogische Schulordnung. Sie wird von ihnen sowie ihren Erziehungsberechtigten unterschrieben. Damit erkennen sie unsere Verhaltensregeln bei Konflikten an.

Welche Aufgabe haben Sie dabei?

Schumacher: Wir sind Ansprechpartner, wenn etwa Fünftklässler über Probleme auf dem Schulhof berichten. Ab einem gewissen Alter werden Vandalismus und Gewalt interessant.

Haben Sie konkrete Beispiele?

Schumacher: Dass Jungen in der Entwicklungsphase miteinander rangeln, ist normal. Sie finden sich zu Gruppen zusammen, aus denen heraus provoziert wird. 'Wenn mich jemand anfasst, schlage ich den', ist eine solche Verhaltensweise. Die Schüler meinen oft, dass nur der Akteur bestraft wird. Ich zeige dann den Film 'Strafe vergeht...Verantwortung bleibt'. Die Schüler sind danach regelmäßig erstaunt, dass es strafrechtlich reicht, dabei zu stehen, um belangt zu werden. Ergänzend arbeiten wir bei gravierenderen Vorfällen mit den Bezirksbeamten der Polizei oder der Kriminalpolizei zusammen und führen zum Beispiel gemeinsam Workshops durch.

Wie oft kommt ernsthafte Gewalt vor?

Schumacher: Im Alltag sehr selten.

Und Gewalt gegen Lehrer?

Schumacher: Das ist bei uns kein Thema. Lehrer und Lehrerinnen werden bei uns gerade von schwierigeren Schülern eher als Partner und Bezugspersonen gesehen.

Wie funktioniert Gewaltprävention?

Schumacher: Wir zeigen den Schülern, wie man ein Gespräch führt. Wenn Sie so wollen, üben wir Demokratie ein. Wir haben hier an der Schule das ,Buddy-System‘: ,Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen.‘ Wir haben Streitschlichter, Schulsanitäter, SV-Schüler, Medien- und Theaterscouts sowie Busbegleiter.

Wie läuft’s außerhalb der Schule?

Schumacher: Viele Schüler glauben, alles, was nicht in der Schule geschieht, ginge die Schule nichts an. Aber sobald ein Verhalten außerhalb der Schule Einfluss auf den Schulalltag hat, gehört es zur Schule – dann reagieren wir.

Gewalt unter Mädchen vollzieht sich anders. Wie gehen Sie damit um?

Schumacher: Bei Mädchen ist es eher psychische Gewalt. Diese Art von Gewalt ist undeutlicher. Da wird mehr mit Gerüchten gearbeitet – soziale Medien erleichtern das. Die Mädchen spüren einen gewissen Druck, und es geht immer auch um Konkurrenz. Da ist es gut, dass meine Kollegin Jessica Schröder einen unmittelbaren Zugang zu ihnen hat. Mädchen melden sich häufiger als Beobachter, und seltener, wenn sie selbst betroffen sind. Das erlebe ich bei Jungen nicht so.

Wie arbeitet Ihre Kollegin?

Schumacher: Sie macht unter anderem klar, dass man manchmal mit Leuten zurechtkommen muss, die nicht die besten Freunde sind, und überlegt mit den Schülerinnen, wie ein fairer und respektvoller Umgang miteinander stattfinden kann.

Wie gehen Sie vor?

Schumacher: Wir sind bei den Kennenlerntagen in den fünften Klassen dabei. Mit der Zeit bauen wir Vertrauen zueinander auf. Wir helfen den Jugendlichen, eine eigene Meinung zu bilden. Dabei ist ganz wichtig: Ich darf ihnen Grenzen setzen, sie aber nicht ablehnen. Mit der Zeit werden ältere Schüler zu Vorbildern. So gibt es Regeln, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Es geht zudem über ein soziales Training mit den Kindern und Jugendlichen in den Klassen.

Ist es an der Schule friedlicher geworden, seitdem es die Programme gibt?

Schumacher: Ja, die Schüler nutzen die vielfältigen Angebote. Häufig geht es heute ja darum, mit den Möglichkeiten und den Herausforderungen des Internets und der sozialen Medien umgehen zu lernen. Die Internetkultur ist eine Herausforderung.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2018
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!